Igel brau­chen es un­or­dent­lich

Rheinische Post Goch - - DIE TIERWELT - VON ANN-KATH­RIN MARR

Laub­hau­fen und Rei­sig­hü­gel: Igel lie­ben sol­che Rück­zugs­or­te. Sin­ken die Tem­pe­ra­tu­ren, sind die St­a­chel­tie­re drin­gend auf sie an­ge­wie­sen. Und Gar­ten­be­sit­zer müs­sen nicht ein­mal viel tun, um ih­nen zu hel­fen.

Ein Herbst­abend im Gar­ten: Im Ge­büsch schmatzt es ver­nehm­lich. Lau­tes Ra­scheln, dann schaut die spit­ze Schnau­ze ei­nes Igels zwi­schen den Blät­tern her­vor. So­bald es däm­mert, ma­chen sich die Tie­re auf die Jagd nach In­sek­ten und Wür­mern. Vor al­lem im Herbst sind Igel auf rei­che Beu­te an­ge­wie­sen, denn jetzt fres­sen sie sich ein Fett­pols­ter für den Win­ter­schlaf an.

Bei an­hal­ten­den Tem­pe­ra­tu­ren um den Ge­frier­punkt ver­krie­chen Igel sich im Ok­to­ber oder No­vem­ber in ih­re Win­ter­nes­ter. Gut ge­schützt in He­cken, Rei­sig- oder Laub­hau­fen, ver­brin­gen sie dort die kal­ten Mo­na­te und wer­den erst wie­der im März oder April ak­tiv.

Ju­li­an Hei­er­mann

Aus­ge­räum­te Agrar­land­schaf­ten mit rie­si­gen Äckern bie­ten den sta­che­li­gen In­sek­ten­fres­sern nicht mehr ge­nü­gend Un­ter­schlupf und Fut­ter. Da­her zieht es die Igel in Parks und Gär­ten. Doch auch hier ha­ben sie es oft nicht leicht: Vie­le Gar­ten­be­sit­zer räu­men so gut auf, dass Igel we­der Ver­ste­cke noch Kä­fer oder Wür­mer fin­den. Ju­li­an Hei­er­mann vom Na­tur­schutz­bund Deutsch­land (Na­bu) emp­fiehlt da­her, im Gar­ten auf Spritz­mit­tel zu ver­zich­ten. Denn Igel sind auf In­sek­ten als Fut­ter an­ge­wie­sen.

Auch Gar­ten­ge­rä­te wie elek­tri­sche Sen­sen oder Laub­sau­ger kön­nen Igeln zum Ver­häng­nis wer­den. Bei der Gar­ten­ar­beit soll­te man da­her ge- nau hin­schau­en, ob sich un­ter ei­ner He­cke oder im Ge­büsch ein Igel ver­steckt. „Sonst pas­sie­ren zum Teil gräss­li­che Ver­let­zun­gen“, sagt Ul­li See­wald vom Ver­ein Pro Igel.

Oh­ne­hin füh­len Igel sich in ei­nem un­or­dent­li­chen Gar­ten am wohls­ten. Wer Laub und ab­ge­schnit­te­ne Äs­te am Kom­post­hau­fen oder un­ter den Bü­schen zu­sam­men­kehrt, statt sie ins Kom­post­werk zu fah­ren, hilft ih­nen. Denn in Laub- und Rei­sig­hau­fen fin­den Igel Schutz und ei­nen Platz für den Win­ter­schlaf. Nach Win­ter­ein- bruch soll­ten Gar­ten­be­sit­zer ein­mal auf­ge­schich­te­te Gar­ten­ab­fäl­le dar­um nicht mehr an­rüh­ren. „Oft ha­ben sich dort schon Igel oder an­de­re Tie­re ver­steckt“, sagt Hei­er­mann.

Wer ei­nen Igel ver­se­hent­lich auf­scheucht, muss nicht in Pa­nik ver­fal­len: „Wenn der Igel die Mög­lich­keit hat, sich wo­an­ders zu ver­krie­chen, zieht er sich von selbst wie­der zu­rück“, er­klärt Ma­ri­us Tün­te vom Deut­schen Tier­schutz­bund.

Läuft ein Igel oh­ne er­kenn­ba­ren Grund tags­über her­um, soll­te man ihn al­ler­dings genau be­ob­ach­ten. Vor al­lem im Win­ter, bei Dau­er­frost oder ge­schlos­se­ner Schnee­de­cke ist das meis­tens ein Zei­chen da­für, dass es dem Tier nicht gut geht. Kran­ke Igel sind oft ab­ge­ma­gert, die Hüft­kno­chen ste­hen auf­fäl­lig her­vor, die Au­gen sind ein­ge­fal­len oder das Tier rollt sich bei Ge­fahr kaum noch ein. „Auch ein zitt­ri­ger, tor­ke­li­ger Gang kann ein An­zei­chen da­für sein, dass der Igel krank ist“, er­klärt Hei­er­mann.

Statt den Gar­ten­be­woh­ner gleich im Hob­by­kel­ler ein­zu­quar­tie­ren, soll­ten Igel­hel­fer sich erst ein­mal Rat bei ei­nem Ex­per­ten ho­len. Tier­ärz­te, der Tier­schutz­ver­ein oder die Grup­pe des Na­tur­schutz­bun­des vor Ort kön­nen Aus­kunft dar­über ge­ben, wel­che ört­li­che Initia­ti­ve sich um hilfs­be­dürf­ti­ge Igel küm­mert. „Man­cher­orts gibt es ei­nen mo­bi­len Tier­ret­tungs­dienst, der raus­kommt und den Igel, wenn nö­tig, mit­nimmt“, er­klärt Tün­te. Of­fi­zi­ell an­er­kann­te Igel­sta­tio­nen ver­fü­gen über das nö­ti­ge Fach­wis­sen und den Platz, um kran­ke und ver­letz­te Igel zu pfle­gen. Sie wer­den amt­lich kon­trol­liert und in der Re­gel von Eh­ren­amt­li­chen ge­lei­tet. Da­her sind Spen­den will­kom­men.

Doch nicht im­mer ist es nö­tig, den Igel in Pfle­ge zu neh­men. Vor al­lem im Herbst hilft ab­ge­ma­ger­ten Tie­ren oft schon ei­ne or­dent­li­che Stär­kung. Je­doch soll­ten sich Tier­freun­de vor­her über den Spei­se­plan in­for­mie­ren: „Igel sind In­sek­ten­fres­ser, sie fres­sen kein Obst und Ge­mü­se“, sagt See­wald. Wer den sta­che­li­gen Tie­ren Milch oder Es­sens­res­te hin­stellt, scha­det ih­nen so­gar. Un­ge­sal­ze­nes Rühr­ei, Kat­zen­fut­ter oder spe­zi­el­les Igel­fut­ter aus dem Fach­han­del sind da­ge­gen gut ge­eig­net, um ei­nen Igel wie­der auf­zu­päp­peln.

Ein­fach ei­nen Igel bei sich ein­zu­quar­tie­ren, da­von rät Tün­te drin­gend ab: „Wer ein Tier auf­nimmt, soll­te auf je­den Fall Fach­leu­te um Rat fra­gen.“Zu­sam­men mit ei­nem Ex­per­ten kann man ent­schei­den, wo der Igel am bes­ten auf­ge­ho­ben ist. Igel­hel­fer soll­ten sich im­mer dar­über be­wusst sein, dass sie das Tier nur für kur­ze Zeit be­her­ber­gen. Im Früh­ling muss es wie­der in sei­ner na­tür­li­chen Um­ge­bung aus­ge­setzt wer­den. Wenn der Igel dann aber al­lei­ne zu­recht­kommt, hat sich der Ein­satz ge­lohnt.

„Ein tor­ke­li­ger Gang kann ein An­zei­chen da­für sein, dass der

Igel krank ist“

Na­bu

FO­TO: KLAUS-DIET­MAR GABBERT/TMN

Ei­nen un­auf­ge­räum­ten Gar­ten lie­ben Igel be­son­ders. Hier fin­den sie vie­le Ecken zum Un­ter­schlüp­fen und auch Fut­ter.

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