Die El­tern­zeit zum Job­wech­sel nut­zen

Rheinische Post Goch - - DIE TIERWELT - VON TO­BI­AS SCHOR­MANN

Die Auszeit kann ei­ne gu­te Ge­le­gen­heit sein, um sich et­was Neu­es zu su­chen. Doch El­tern soll­ten recht­zei­tig tä­tig wer­den und die Fris­ten be­ach­ten.

Nach der El­tern­zeit geht es zu­rück in den al­ten Job. Oder? War­um ei­gent­lich nicht gleich et­was Neu­es su­chen? Schließ­lich ist so ei­ne Auszeit die idea­le Ge­le­gen­heit, um sich um­zu­schau­en und neu zu ori­en­tie­ren. Das gilt zum ei­nen für Müt­ter und Vä­ter, die schon vor der Ba­by­pau­se un­zu­frie­den mit ih­rer al­ten Stel­le wa­ren. Aber auch für je­ne, die nach der Ge­burt mer­ken, dass ih­nen plötz­lich an­de­re Din­ge wich­ti­ger sind als vor­her – und nun be­ruf­lich am liebs­ten et­was ganz an­de­res ma­chen möch­ten.

„Das ist ei­ne Wahn­sinn­sChan­ce, et­was aus­zu­pro­bie­ren und sich noch ein­mal neu zu sor­tie­ren“, sagt Ale­xa Ah­mad von der pme Fa­mi­li­en­ser­vice Grup­pe. Die­se ist als Ser­vice­stel­le für das vom Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­ri­um in­iti­ier­te Ak­ti­ons­pro­gramm „Per­spek­ti­ve Wie­der­ein­stieg“tä­tig. Der Wunsch nach Ve­rän­de­rung sei da­bei nicht un­ge­wöhn­lich. Denn die Ge­burt ei­nes Kin­des ver­än­de­re vie­les – auch die be­ruf­li­chen Wün­sche. Tipps auf dem Weg zum neu­en Job: Zie­le ab­ste­cken Als Ers­tes müs­sen Müt­ter und Vä­ter in sich ge­hen und klä­ren, wo es hin­ge­hen soll, er­klärt Ah­mad. Ist das Ziel ein neu­er Job in der al­ten Bran­che – oder ein Be­rufs­wech­sel? Da­bei hilft zu klä­ren, was am al­ten Job ge­nervt hat, er­gänzt Be­rufscoach Ma­ja Sku­bel­la. War es die Ar­beit an sich – oder viel­leicht nur der Chef oder die Kol­le­gen? Dann reicht es even­tu­ell schon, beim al­ten Ar­beit­ge­ber in ei­ne neue Ab­tei­lung zu wech­seln. An- sons­ten steht vor der Su­che nach ei­ner neu­en Ar­beit ein Pro­filcheck an: Was brin­ge ich schon mit, und was fehlt mir für den Wun­sch­job? Und wie kann ich mir das an­eig­nen? Wei­ter­bil­den Das lohnt sich gleich dop­pelt, wenn je­mand ei­ne län­ge­re El­tern­zeit macht oder der Part­ner ei­nem den Rü­cken frei hält. Ers­tens macht es sich bei der Be­wer­bung gut im Le­bens­lauf. Denn ei­ne Wei­ter­bil­dung ist für Per­so­na­ler das Si­gnal: Da bleibt ei­ner am Ball. Und es er­leich­tert den Wie­der­ein­stieg in den Be­ruf, wenn El­tern ihr Wis­sen auf­fri­schen, er­läu­tert Sku­bel­la. „Vie­le Frau­en sind un­si­cher, wenn sie län­ger raus aus dem Job wa­ren. Dann ist auf ein­mal al­les neu.“Prak­tisch ist ein Fern­kurs, den El­tern von zu Hau­se aus ma­chen kön­nen. Er lässt sich bes­ser mit der Kin­der­be­treu­ung ver­ein­ba­ren. Be­wer­ben Ein, zwei oder so­gar drei Jah­re El­tern­zeit? Das klingt nach viel Zeit zum Be­wer­ben. Die Zeit geht aber schnel­ler vor­bei, als man denkt. Müt­ter und Vä­ter müs­sen da­her recht­zei­tig an­fan­gen und ge­nug Zeit ein­kal­ku­lie­ren. „So ei­ne Job­su­che kann schon ein Jahr dau­ern“, gibt Sku­bel­la zu be­den­ken. Und wie be­wirbt man sich mit Klein­kind? Frisch ge­ba­cke­ne Mut­ter in El­tern­zeit sucht Teil­zeit­job im Ho­me­of­fice? Das kommt bei man­chen Per­so­na­lern nicht so gut an. Hier gibt es zwei Stra­te­gi­en: Sku­bel­la rät, ei­ne lau­fen­de El­tern­zeit im Le­bens­lauf gar nicht groß zu er­wäh­nen, son­dern ein­fach den al­ten Ar­beit­ge­ber zu nen­nen. Dann kommt im Vor­stel­lungs­ge­spräch zwar die Fra­ge auf, war­um man nichts da­von ge­schrie­ben hat. Dar­auf müs­se man dann eben of­fen­siv re­agie­ren, rät Sku­bel­la. „Man kann zum Bei­spiel sa­gen: ,Der Job hat ja nichts mit mei­nem Kind zu tun’.“Ah­mad emp­fiehlt da­ge­gen, gleich mit of­fe­nen Kar­ten zu spie­len. „Ver­heim­li­chen lässt sich das so­wie­so nicht.“Wich­tig sei, dass Müt­ter und Vä­ter ein gu­tes Kon­zept vor­le­gen, wie sie Ar­beit und Kin­der­be­treu­ung un­ter ei­nen Hut brin­gen wol­len. „Man muss dem Ar­beit­ge­ber ver­mit­teln, dass man die Dop­pel­auf­ga­be gut im Griff hat.“ Kün­di­gungs­fris­ten be­ach­ten Da­mit ein Job­wech­sel in der El­tern­zeit klappt, müs­sen Be­rufs­tä­ti­ge sich recht­zei­tig von ih­rem al­ten Ar­beit­ge­ber los­sa­gen. Bei ei­ner Kün­di­gung zum En­de der El­tern­zeit ist ei­ne Frist von drei Mo­na­ten vor­ge­schrie­ben, er­läu­tert Mar­ta Bö­ning, Ar­beits­rechts­ex­per­tin beim Deut­schen Ge­werk­schafts­bund (DGB). In­ner­halb der El­tern­zeit gel­ten ent­we­der die ge­setz­li­chen Fris­ten oder das, was im Ar­beits- oder Ta­rif­ver­trag ge­re­gelt ist. Län­ge­re Be­wer­bungs­pha­se mit Teil­zeit über­brü­cken Das El­tern­geld geht zur Nei­ge, und noch ist kei­ne neue Stel­le in Sicht. Was jetzt? Ei­ne Op­ti­on: Zu­nächst doch zu­rück zum al­ten Ar­beit­ge­ber, aber nur in Teil­zeit. So lässt sich ei­ne Be­wer­bungs­pha­se fi­nan­zi­ell über­brü­cken, und El­tern ha­ben ne­ben der Ar­beit noch ein we­nig Frei­raum. Noch bes­ser ist es, wenn sie ganz oder teil­wei­se im Ho­me­of­fice ar­bei­ten dür­fen. So ein Rück­schritt kann zwar un­an­ge­nehm sein, wenn El­tern in­ner­lich schon ge­kün­digt ha­ben. Ein Vor­teil ist aber: Aus ei­nem fes­ten Job her­aus ha­ben sie ei­ne bes­se­re Be­wer­bungs­po­si­ti­on, er­klärt Sku­bel­la.

Recht­lich ha­ben El­tern da­bei gu­te Kar­ten: Der Ar­beit­ge­ber kann das Teil­zeit­ge­such in der El­tern­zeit nur aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Grün­den ab­leh­nen, er­klärt Bö­ning. Die Frist für den An­trag be­trägt in den ers­ten drei Le­bens­jah­ren des Kin­des sie­ben Wo­chen vor Wunsch­be­ginn. Hat der Ar­beit­ge­ber al­ler­dings be­reits ei­ne Ver­tre­tung für die be­tref­fen­de Zeit ein­ge­stellt, kann dies ei­nen Ab­leh­nungs­grund dar­stel­len. Wer sich die­se Teil­zeit-Op­ti­on auf je­den Fall of­fen­hal­ten will, soll­te sie da­her be­reits vor Be­ginn der El­tern­zeit ab­spre­chen. Teil­zeit bei an­de­rem Ar­beit­ge­ber Es klingt wie ein Frei­fahrt­schein zum Weg­be­wer­ben: Müt­ter und Vä­ter dür­fen in der El­tern­zeit auch in Teil­zeit bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber ar­bei­ten. Die Sa­che hat aber ei­nen Ha­ken: Das geht nur mit Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers, er­klärt Bö­ning. Er darf ab­leh­nen, wenn er den Ar­beit­neh­mer selbst be­schäf­ti­gen möch­te. Denn ge­dacht ist der Pa­ra­graf für Fäl­le, in de­nen der al­te Ar­beit­ge­ber kei­ne Teil­zeits­tel­le an­bie­ten kann. El­tern müs­sen die­sen Wunsch da­her dem Chef gut ver­kau­fen: Gibt es et­wa im Kin­der­gar­ten ei­ne Stel­le, ist die Nä­he zum Kind na­tür­lich ein Ar­gu­ment, er­klärt Ah­mad. Ein wei­te­res ist es, an­ders­wo neue Kom­pe­ten­zen zu er­wer­ben – und die­se spä­ter im al­ten Job ein­zu­brin­gen, wenn das In­ter­mez­zo vor­bei ist. Das wä­re auch für den Chef ein Mehr­wert. In so ei­nem Fall hät­ten El­tern bei der Job­su­che ei­nen dop­pel­ten Bo­den: Sie kön­nen in der El­tern­zeit in ei­nen an­de­ren Be­trieb hin­ein­schnup­pern – und ha­ben zur Not im­mer noch ih­ren al­ten Job. Auf den ent­spre­chen­den An­trag muss der al­te Ar­beit­ge­ber in­ner­halb von vier Wo­chen re­agie­ren, sonst gilt die Er­laub­nis als er­teilt. Selbst­stän­dig ma­chen Mit Zu­stim­mung des Ar­beit­ge­bers dür­fen An­ge­stell­te in der El­tern­zeit selbst­stän­dig ar­bei­ten. Das kann ein Ein­stieg beim Auf­bau der ei­ge­nen Fir­ma sein. Ah­mad sieht das aber kri­tisch. Es sei ei­ne Sa­che, zum Bei­spiel Hun­de­hals­bän­der zu Hau­se zu bas­teln und als klei­nes Zu­brot zu ver­kau­fen. Bei zeit­auf­wen­di­ge­ren und an­spruchs­vol­le­ren Ar­bei­ten sei Kind und Selbst­stän­dig­keit aber eher „ei­ne Ka­mi­ka­ze-Mi­schung“.

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Mit der Be­wer­bung soll­ten El­tern nicht zu lan­ge war­ten – die Su­che nach ei­nem pas­sen­den Job kann dau­ern.

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