Schaff­ner ma­chen Di­enst nach Fahr­plan

Das Zug­per­so­nal ist nicht nur für die Kon­trol­le der Fahr­kar­ten zu­stän­dig. Schicht­dienst ge­hört zum Ar­beits­all­tag.

Rheinische Post Goch - - DIE TIERWELT - VON TOM NE­BE

Na­tür­lich hat Mo­ritz Za­cke als Schaff­ner kei­ne Zeit, die gan­ze Zeit aus dem Fens­ter zu gu­cken. Sein Haupt­au­gen­merk gilt den Gäs­ten. Aber ei­ne Lieb­lings­stre­cke hat er trotz­dem: „Von Köln in Rich­tung Mainz, das Mit­tel­rhein­tal ent­lang, ist es wirk­lich schön“, sagt der 20Jäh­ri­ge aus Dort­mund. Za­cke ist Zug­be­glei­ter bei der Deut­schen Bahn (DB). Er ist im Fern­ver­kehr tä­tig, fährt an Bord von ICE und In­ter­ci­ty quer durch Deutsch­land.

Egal ob die Bahn pünkt­lich kommt oder nicht: Zug­be­glei­ter sind im­mer an Bord der Zü­ge. Sie kon­trol­lie­ren nicht nur Fahr­kar­ten. Sie ma­chen auch den Ser­vice und ach­ten auf die Sau­ber­keit in den Wag­gons. Bei Ver­spä­tun­gen und schlecht ge­laun­ten Fahr­gäs­ten ist ein küh­ler Kopf ge­fragt.

Die Bahn fährt zu al­len Ta­ges­zei­ten, mit­un­ter auch in der Nacht. Ent­spre­chend müs­sen Zug­be­glei­ter be­reit sein, Schicht zu ar­bei­ten. Za­ckes Ar­beits­zei­ten va­ri­ie­ren zwi­schen sechs und zehn St­un­den. Schicht­dienst nach Fahr­plan – denn oh­ne ihn und sei­ne Kol­le­gen rol­len kei­ne Zü­ge aus den Bahn­hö­fen. Manch­mal über­nach­tet Za­cke auch in an­de­ren Städ­ten. Das ist je nach Ein­satz­stel­le et­wa ein­mal pro Wo­che der Fall, er­läu­tert Si­mon von Bar­ten­werf­fer. Er ar­bei­tet bei der Deut­schen Bahn als Per­so­nal­re­fe­rent. An­ders ist es im Re­gio­nal­ver­kehr: „Dort schla­fen un­se­re Zug­be­glei­ter in der Re­gel im ei­ge­nen Bett.“

Wer den Be­ruf aus­üben will, braucht Fle­xi­bi­li­tät und Be­reit­schaft zum Schicht­dienst. Au­ßer­dem darf man nicht auf den Mund ge­fal­len sein. Schließ­lich sind Schaff­ner den gan­zen Tag über mit den Fahr­gäs­ten in Kon­takt. Auch gu­te Eng­lisch­Kennt­nis­se sind Pflicht, er­zählt Anke Kock vom Bun­des­in­sti­tut für Be­rufs­bil­dung (BIBB).

An­ge­hen­de Zug­be­glei­ter ma­chen in der Re­gel ei­ne Aus­bil­dung zum Kauf­mann für Verkehrsservice. Dar­in be­schäf­ti­gen sie sich mit The­men wie Rech­nungs­we­sen, Mar­ke­ting und Per­so­nal­we­sen. Sie kön­nen zwi­schen zwei Aus­bil­dungs­schwer­punk­ten wäh­len: Ver­kauf und Ser­vice so­wie Si­cher­heit und Ser­vice. Beim Ver­kauf geht es um den Ver­trieb von Pro­duk­ten so­wie um das Mar­ke­ting. Auch ei­ne Sprechaus­bil­dung ge­hört da­zu, er­klärt Sascha Sand­ner. Er ist Aus­bil­dungs­be­ra­ter bei der In­dus­trie- und Han­dels- kam­mer (IHK) Frankfurt am Main. Aus­zu­bil­den­de trai­nie­ren zum Bei­spiel, vor grö­ße­ren Grup­pen zu spre­chen und Durch­sa­gen – wie Ver­spä­tun­gen – durch­zu­ge­ben.

Im Be­reich Si­cher­heit ste­hen The­men wie Vi­deo­über­wa­chung und Un­fall­prä­ven­ti­on auf Bahn­hö­fen im Vor­der­grund. Es geht zum Bei­spiel dar­um, was im Um­gang mit grö­ße­ren Per­so­nen­grup­pen zu be­ach­ten ist.

Mo­ritz Za­cke hat sei­ne Leh­re in ei­nem der DB-Rei­se­zen­tren ge­macht. Dort lag der Fo­kus auf den Be­rei­chen Ti­cket­ver­kauf und Be­ra­tung. Nach der Aus­bil­dung ab­sol­vier­te er dann drei Mo­na­te lang ei­ne Schu­lung zum Zug­be­glei­ter.

Die Aus­bil­dung ist auf drei Jah­re aus­ge­legt, kann je nach Schul­ab­schluss aber auf bis zu zwei Jah­re ver­kürzt wer­den. Laut Kock ha­ben knapp zwei Drit­tel der Azu­bis die mitt­le­re Rei­fe, gut je­der Vier­te hat Abitur oder Fach­ab­itur. Je nach Lehr­jahr und Aus­bil­dungs­ort be­kom­men an­ge­hen­de Kauf­leu­te für Verkehrsservice laut BIBB zwi­schen 669 und 825 Eu­ro pro Mo­nat Ver­gü­tung. Ne­ben der Deut­schen Bahn bil­den et­wa die re­gio­nal an­säs­si­gen Stadt­ver­kehrs­ge­sell­schaf­ten in dem Be­ruf aus.

FO­TO: CA­RO­LI­NE SEI­DEL

Als Zug­be­glei­ter bei der Deut­schen Bahn hat Mo­ritz Za­cke aus Dort­mund ei­nen ver­ant­wor­tungs­vol­len Pos­ten. Er passt auf, dass al­le Fahr­gäs­te heil an ihr Ziel kom­men.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.