EU plant Flücht­lings­la­ger in Tür­kei

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE -

Ein neu­er Ak­ti­ons­plan soll den Zustrom nach Eu­ro­pa be­gren­zen. Da­für will die EU zu­sätz­li­che Flücht­lings­la­ger in der Tür­kei mit­fi­nan­zie­ren. In Xan­ten flog ein Brand­satz in ei­ne noch leer­ste­hen­de Un­ter­kunft.

BERLIN/XAN­TEN (RP) Die EU-Kom­mis­si­on will das Cha­os auf den grie­chi­schen In­seln und auf der Bal­kan­rou­te bis zum Früh­jahr wie­der un­ter Kon­trol­le brin­gen. Da­zu hat Brüssel mit der Tür­kei ei­nem Be­richt der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Sonn­tags­zei­tung“zu­fol­ge ei­nen Ak­ti­ons­plan er­ar­bei­tet. Dem­nach ver­pflich­tet sich die tür­ki­sche Re­gie­rung, die Gren­ze zu Grie­chen­land durch ge­mein­sa­me Pa­trouil­len mit der grie­chi­schen Küs­ten­wa­che bes­ser zu si­chern. Die EUG­renz­schutz­agen­tur Fron­tex soll die Ein­sät­ze ko­or­di­nie­ren.

Wei­ter heißt es un­ter Be­ru­fung auf Qu­el­len in der EU-Kom­mis­si­on und in der Bun­des­re­gie­rung, dass auf dem Meer auf­ge­grif­fe­ne Flücht­lin­ge in die Tür­kei zu­rück­ge­führt und in sechs neu­en Flücht­lings­la­gern für bis zu zwei Mil­lio­nen Men­schen un­ter­ge­bracht wer­den sol­len. Laut Plan ver­pflich­ten sich die EU-Staa­ten, die­se La­ger mit­zu­fi­nan­zie­ren und ei­nen Teil der Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men. Auf die­se Wei­se könn­ten bis zu ei­ne hal­be Mil­li­on Men­schen oh­ne Schleu­ser und den ge­fähr­li­chen Weg über das Mit­tel­meer auf Län­der in Eu­ro­pa ver­teilt wer­den – erst ges­tern wur­de wie­der ei­ne Kin­der­lei­che an- ge­spült, dies­mal auf der grie­chi­schen In­sel Kos. Be­reits heu­te wol­len EUSpit­zen­ver­tre­ter mit dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan bei des­sen Be­such in Brüssel De­tails des Plans be­spre­chen.

Deutsch­land hat die Kon­trol­le an sei­ner Gren­ze prak­tisch ver­lo­ren. Zwar er­fasst die Bun­des­po­li­zei wie­der Ein­rei­sen­de. Je­den Tag ge­lan­gen aber auch Tau­sen­de un­re­gis­triert ins Land. Schät­zun­gen für die ge­sam­te Zahl von Neu­an­kömm­lin­gen in die­sem Jahr rei­chen in­zwi­schen bis zu 1,5 Mil­lio­nen. Vor die­sem Hin­ter­grund pocht CSU-Lan­des­grup­pen­che­fin Ger­da Has­sel­feldt dar­auf, Tran­sit­zo­nen zur Re­gis­trie­rung an den Gren­zen ein­zu­rich­ten. „Erst bei ei­ner deut­li­chen Ent­span­nung wür­den die­se wie­der zur Dis­po­si­ti­on ste­hen“, sag­te Has­sel­feldt un­se­rer Re­dak­ti­on. Die EU zwei­felt die Recht­mä­ßig­keit sol­cher Tran­sit­zo­nen an.

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel ver­tei­dig­te ih­ren Kurs in der Flücht­lings­kri­se auch ge­gen mas­si­ve Kri­tik in den Rei­hen der Uni­on: Deutsch­land müs­se die gro­ße Auf­ga­be an­neh­men und gestal­ten, sag­te sie im Deutsch­land­funk. „Dann wird uns das auch ge­lin­gen.“Zu­gleich wies Mer­kel die For­de­rung des baye­ri­schen Fi­nanz­mi­nis­ters Mar­kus Sö­der (CSU) zu­rück, das Asyl­recht ein­zu­schrän­ken. Zu ih­rer Ent­schei­dung im Sep­tem­ber, die Gren­zen für Flücht­lin­ge zu öff­nen, sag­te die Kanz­le­rin: „Ich wür­de sie wie­der so tref­fen.“Zu­gleich kün­dig­te sie an, nicht auf­ge­ben zu wol­len: „Mich jetzt weg­zu­du­cken und da­mit zu ha­dern, das ist nicht mein An­gang.“Zu­letzt hat­te es Zwei- fel ge­ge­ben, ob Mer­kel bei der Bun­des­tags­wahl 2017 an­tritt. Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck nann­te die Flücht­lings­kri­se bei den Fei­er­lich­kei­ten zum 25-jäh­ri­gen Be­ste­hen der deut­schen Ein­heit ei­ne Her­aus­for­de­rung, die Ge­ne­ra­tio­nen be­schäf­ti­gen wer­de: „An­ders als da­mals soll nun zu­sam­men­wach­sen, was bis­her nicht zu­sam­men­ge­hör­te.“Da­bei stün­den die im Grund­ge­setz fest­ge­schrie­be­nen Wer­te nicht zur Dis­po­si­ti­on.

Mit ei­nem Mo­lo­tow­cock­tail ver­üb­ten Un­be­kann­te in der Nacht zu ges­tern ei­nen An­schlag auf ein ge­plan­tes Asyl­be­wer­ber­heim in Xan­ten. Das Ge­bäu­de wur­de be­schä­digt, die Ar­bei­ten kön­nen je­doch fort­ge­setzt wer­den, der Ein­zug der Flücht­lin­ge soll wie ge­plant er­fol­gen. In Thü­rin­gen brann­te es am Wo­che­n­en­de in zwei Asyl­un­ter­künf­ten; Men­schen wur­den nicht ver­letzt. Die Po­li­zei geht eben­falls von Brand­stif­tung aus.

Beim Feu­er in ei­ner Flücht­lings­un­ter­kunft in Kle­ve wur­den in der Nacht zu Sams­tag drei Per­so­nen leicht ver­letzt. An­zei­chen für ei­nen frem­den­feind­li­chen Hin­ter­grund gibt es nicht. Leit­ar­ti­kel Stim­me des Wes­tens Po­li­tik

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