Wo­chen­märk­te jetzt auch abends

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON LES­LIE BROOK

Wäh­rend am Vor­mit­tag viel­fach die Kun­den aus­blei­ben, er­freu­en sich Fei­er­abend­märk­te gro­ßer Be­liebt­heit. Köln ist er­folg­reich da­mit ge­star­tet, auch im Ruhr­ge­biet hat sich das Kon­zept durch­ge­setzt. So­lin­gen denkt dar­über nach.

KÖLN Abends nach der Ar­beit noch mal schnell über den Markt ge­hen und fri­sche Le­bens­mit­tel oder Blu­men kau­fen – die Idee ge­fällt Ja­ni­na Schweit­zer. „Seit ich be­rufs­tä­tig bin, war ich un­ter der Wo­che nicht mehr auf ei­nem Markt“, sagt die 32-jäh­ri­ge Köl­ne­rin. „Das ist ein­fach nicht zu schaf­fen“, er­klärt die Pend­le­rin, die je­den Tag mit Bus und Bahn nach Bonn fährt. Den Abend­markt ent­deck­te sie zu­fäl­lig, als sie auf dem Weg nach Hau­se am Ru­dolf­platz aus der Bahn stieg. „Ich war neu­gie­rig und ha­be mich dort um­ge­se­hen.“Und ist be­geis­tert: „Das ist mehr als ein Wo­chen­markt, eher ei­ne Mi­schung aus Le­bens­mit­tel­stän­den und Street Food Fes­ti­val“, sagt sie. „Hier kann ich mir gleich et­was zum Abend­es­sen kau­fen.“Ge­sagt, ge­tan: Kä­se­dips und an­de­re Le­cke­rei­en wan­dern in ih­re Ta­sche.

Zwi­schen den Stän­den des „Meet & Eat“-Mark­tes auf dem Köl­ner Ru­dolf­platz herrscht dich­tes Ge­drän­ge – wie ei­gent­lich im­mer seit der Er­öff­nung vor rund sechs Wo­chen. Die Stadt Köln, die mit der „Agrar­kon­zept Köln Gm­bH“den Fei­er­abend­markt ( im­mer don­ners­tags von 16 bis 21 Uhr) in­iti­iert hat­te, ist mit der Ent­wick­lung zu­frie­den. „In Köln läuft ja nicht al­les rund“, sagt Stadt­spre­cher Ste­fan Palm, „aber das war mal ei­ne wirk­lich gu­te Idee.“Er könn­te sich vor­stel­len, dass bei blei­ben­dem Er­folg das Kon­zept auch für an­de­re Stand­or­te in­fra­ge kommt. Et­wa in Eh­ren­feld, Nip­pes oder Mül­heim. Au­ßer­dem auf wei­te­ren be­leb­ten Plät­zen in der In­nen­stadt. Gera­de in Stadt­vier­teln, wo es vie­le jun­ge Leu­te gibt, könn­ten Fei­er­abend­märk­te boo­men.

Of­fen­bar ha­ben die Ver­an­stal­ter mit dem neu­en Mo­dell ei­nen Nerv ge­trof­fen. Wäh­rend vie­le Markt­be­schi­cker vor­mit­tags über aus­blei­ben­de Be­su­cher kla­gen, kön­nen sich ih­re Kol­le­gen bei den Abend­märk­ten meist nicht be­schwe­ren. „Vor­mit­tags hat kaum noch je­mand Zeit, um auf den Markt zu ge­hen“, sagt Palm. Er denkt aber nicht, dass der klas­si­sche Wo­chen­markt von den Fei­er­abend­märk­ten ganz ab­ge­löst wird. „Zu­nächst ist es ein Zu­satz­an­ge­bot“, be­tont er. „Und im­mer­hin gibt es ja doch noch ei­ni­ge Leu­te, die ger­ne zwi­schen 7 und 13 Uhr auf den Markt ge­hen, und wir wol­len das ja nicht ka­putt ma­chen.“Doch er weiß auch: Neue Vor­mit­tags­märk­te ha­ben es schwer: „Man fin­det kaum Händ­ler, die noch ei­nen Platz im Ka­len­der frei ha­ben, und so muss­ten wir schon ei­ni­ge neue Pro­jek­te auf­ge­ben.“Das war beim Fei­er­abend­markt an­ders: Aus 45 Be­wer­bern wur­den 24 aus­ge­wählt – die meis­ten stam­men aus dem Bio­seg­ment.

Wäh­rend vie­le Su­per­markt­ket­ten ih­re Öff­nungs­zei­ten längst bis in den spä­ten Abend hin­ein aus­ge­dehnt ha­ben, war das im Be­reich der Märk­te bis­lang nur bei Trö­del­märk­ten der Fall. Doch in­zwi­schen fin­den im­mer mehr Städ­te Ge­fal­len an der Idee ei­nes ei­ge­nen Fei­er­abend­markts für Le­bens­mit­tel. Im Ruhr­ge­biet ha­ben sich be­reits meh­re­re Nacht- oder Fei­er­abend­märk­te eta­bliert, et­wa in Gel­sen­kir­chen. Aber auch in klei­ne­ren Or­ten wie Wip­per­fürth im Ber­gi­schen Land gibt es ein­mal wö­chent­lich ei­nen Fei­er­abend­markt. Er fin­det seit Ju­ni – zu­sätz­lich zum Wo­chen­markt am Frei­tag­vor­mit­tag – diens­tag­abends statt. Dort heißt es wie in Köln: Nicht nur gu­cken, auch kos­ten.

In So­lin­gen er­wägt man eben­falls ei­nen Fei­er­abend­markt. „Wir wol­len das im kom­men­den Jahr rea­li­sie­ren“, sagt Stadt­spre­che­rin Stefanie Me­ge­henn. Der­zeit ge­be es Ge­sprä­che mit Markt­kauf­leu­ten. Die Ver­an­stal­tung (an­ge­dacht ist 16 bis 20 Uhr) könn­te dann ein­mal wö­chent­lich, wahr­schein­lich don­ners­tags, auf dem Ne­u­markt in der Stadt­mit­te statt­fin­den. Der Wo­chen­markt an sel­ber Stel­le diens­tags, don­ners­tags und sams­tags soll er­hal­ten wer­den.

Doch nicht über­all hat das Kon­zept be­reits Er­folg: In Rem­scheid wur­de der Fei­er­abend­markt nach ei­ner Test­pha­se mit drei Ver­an­stal­tun­gen an der Al­lee­stra­ße zu­nächst nicht wei­ter­ge­führt. Nach An­ga­ben der Stadt war es schwie­rig, Markt­leu­te zu fin­den. „Die ers­ten bei­den Ma­le war der Markt sehr gut be­sucht“, sagt Andre­as Mei­ke vom Stadt­mar­ke­ting. Ob es ei­ne Fort­set­zung ge­ben wird, ist noch of­fen. So ganz möch­ten sich die Or­ga­ni­sa­to­ren von der Idee nicht ver­ab­schie­den. Even­tu­ell soll laut Mei­ke im Herbst noch mal ein Ver­such ge­star­tet wer­den.

Statt nach der Ar­beit „eben noch ein paar Tei­le im Su­per­markt ein­zu­kau­fen“, un­ter­nimmt Ja­ni­na Schweit­zer nun fast an je­dem Don­ners­tag ei­nen kur­zen Ab­ste­cher zum Fei­er­abend­markt – bis zu ih­rer Woh­nung sind es von dort nur ein paar Schrit­te. „Es macht Spaß, den Tag auf die­se Wei­se aus­klin­gen zu las­sen“, sagt sie. Das Bes­te: Da­nach muss man nichts mehr er­le­di­gen, und ge­ges­sen hat man auch schon.

FO­TO: ENDERMANN

Ne­ben Le­bens­mit­teln gibt es auf dem Ru­dolf­platz in Köln auch Blu­men. Gera­de jun­ge, be­rufs­tä­ti­ge Men­schen füh­len sich vom An­ge­bot an­ge­spro­chen.

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