Ent­set­zen über US-An­griff auf Ho­s­pi­tal in Kun­dus

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON CHRISTINE MÖLL­HOFF

Beim Be­schuss aus der Luft star­ben 22 Men­schen. Die be­trof­fe­ne Ärz­te-Or­ga­ni­sa­ti­on zieht sich zu­rück.

KA­BUL Nach dem fa­ta­len Luft­an­griff auf ih­re Kli­nik zieht sich die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te oh­ne Gren­zen (MSF) weit­ge­hend aus der um­kämpf­ten af­gha­ni­schen Stadt Kun­dus zu­rück. Die Mit­ar­bei­ter hät­ten das Ho­s­pi­tal ver­las­sen, er­klär­te Spre­che­rin Ka­te Ste­ge­mann ges­tern. Das Kran­ken­haus war das ein­zi­ge in der Ge­gend, das sich spe­zi­ell um Kriegs­ver­let­zun­gen küm­mer­te.

Bei dem Be­schuss, of­fen­bar durch US-Kampf­jets, wa­ren am Sams­tag 19 Men­schen ge­tö­tet wor­den: zwölf MSF-Mit­ar­bei­ter und zehn Pa­ti­en­ten, dar­un­ter drei Kin­der. „Auf der In­ten­siv­sta­ti­on ver­brann­ten sechs Pa­ti­en­ten in ih­ren Bet­ten”, be­rich­te­te der Kran­ken­pfle­ger La­jos Zol- tan Jecs ge­schockt. „Es war ab­so­lut fürch­ter­lich.”

Die Atta­cke auf das Kran­ken­haus hat­te welt­weit für Ent­set­zen ge­sorgt. Der UN-Hoch­kom­mis­sar für Men­schen­rech­te, Said Raad al Hus­sein, sprach von ei­nem mög­li­chen Kriegs­ver­bre­chen, falls die Kli­nik ab­sicht­lich at­ta­ckiert wor­den sei. Der Vor­fall sei „tra­gisch, un­ent­schuld­bar und wo­mög­lich so­gar kri­mi­nell“. US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma nann­te den Vor­fall ei­ne Tra­gö­die und ver­sprach vol­le Auf­klä­rung. Das US-Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um ha­be ei­ne Un­ter­su­chung ein­ge­lei­tet.

Die Or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te oh­ne Gren­zen, die sich nach ih­rem fran­zö­si­schen Na­men MSF ab­kürzt, er­hob schwe­re Vor­wür­fe ge­gen das US-Mi­li­tär: Mehr als ei­ne St­un­de in der Nacht sei die Kli­nik im­mer wie­der bom­bar­diert wor­den – und das, ob­wohl man erst am 29. Sep­tem­ber der Na­to, dem US-Mi­li­tär und Ka­bul die ge­nau­en Orts­da­ten mit­ge­teilt hat­te, um dies zu ver­mei­den. Selbst als man das US-Mi­li­tär nach den ers­ten Tref­fern er­neut in­for­mier­te, sei der Be­schuss noch ei­ne hal­be St­un­de wei­ter­ge­gan­gen.

Af­gha­ni­sche Re­gie­rungs­trup­pen ver­su­chen seit ei­ner Wo­che, die 300.000-Ein­woh­ner-Stadt Kun­dus im Nor­den des Lan­des von den Ta­li­ban zu­rück­zu­er­obern. Da­bei wer­den sie von den USA un­ter­stützt. Ein US-Mi­li­tär­spre­cher räum­te ein, ein Luft­an­griff um 2.15 Uhr am Sams­tag „könn­te zu Kol­la­te­ral­scha­den in ei­ner na­hen me­di­zi­ni­schen Ein­rich­tung ge­führt ha­ben“. Der Schlag ha­be “ein­zel­nen Geg­nern” ge­gol­ten, die auf US-Mi­li­tärs ge­feu­ert hät­ten. Ho­s­pi­tä­ler ste­hen laut dem hu­ma­ni­tä­ren Völ­ker­recht im Krieg un­ter be­son­de­rem Schutz.

FO­TO: AP

Das bren­nen­de Ho­s­pi­tal der Or­ga­ni­sa­ti­on Ärz­te oh­ne Gren­zen in Kun­dus un­mit­tel­bar nach dem Luft­an­griff.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.