Das Pro­jekt Fortu­na steht vor dem Schei­tern

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON BERND JOLITZ

Der Zweit­li­gist aus Düsseldorf steckt nach dem 0:3 in Kai­sers­lau­tern tief in der Kri­se.

DÜSSELDORF Fortu­na Düsseldorf steckt in der tiefs­ten Kri­se seit den bit­te­ren Jah­ren der Dritt- und Viert­klas­sig­keit. Sport­lich steht der Klub auf dem dritt­letz­ten Rang in der 2. Li­ga, der am Sai­son­en­de zu zwei Re­le­ga­ti­ons­spie­len ge­gen den Drit­ten der 3. Li­ga füh­ren wür­de. Der Vor­stand steht trotz gu­ter wirt­schaft­li­cher Zah­len bei den An­hän­gern in der Kri­tik. Der Auf­sichts­rat tritt nicht mit ei­ner ein­heit­li­chen Li­nie auf. Ei­ne Be­stands­auf­nah­me. Wie gut sind die Chan­cen auf ei­ne sport­li­che Wen­de? Nach dem 0:3 in Kai­sers­lau­tern am Frei­tag al­les an- de­re als gut. Die Mann­schaft, die al­le fünf Sai­son­nie­der­la­gen zu­vor mit je ei­nem Tref­fer Dif­fe­renz be­zo­gen hat­te, brach zum ers­ten Mal rich­tig ein. Nach der be­ein­dru­cken­den Vor­stel­lung beim 1:1 in Bochum vor gera­de 17 Ta­gen ver­fiel Fortu­na in ei­nen dra­ma­ti­schen Ab­wärts­trend. Ei­ne Er­klä­rung da­für hat nie­mand. Was läuft falsch in der Mann­schaft? Ba­nal ge­sagt, trifft sie zu sel­ten. Acht To­re in zehn Li­ga­spie­len sind deut­lich zu we­nig. Zu­dem feh­len die Kämp­fer­ty­pen, die Spie­ler, die mit ver­gleichs­wei­se ein­fa­chen Mit­teln für Kom­pakt­heit sor­gen und Zei­chen set­zen kön­nen. Das Bit­te­re ist, dass Fortu­na in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ei­ni­ge die­ser Spie­ler oh­ne Not in die Wüs­te schick­te: To­bi­as Le­vels, Le­on Ba­lo­gun (die jetzt in In­gol­stadt und Mainz in der Ers­ten Li­ga spie­len) und Andre­as Lam­bertz (wich­ti­ge Säu­le beim sou­ve­rä­nen Dritt­li­ga-Spit­zen­rei­ter Dres­den) zum Bei­spiel. Könn­te ein Trai­ner­wech­sel Ab­hil­fe schaf­fen? Kurz­fris­tig viel­leicht – aber Frank Kra­mer trägt si­cher nicht die Haupt­schuld. Sei­ne Kon­zep­ti­on, den drin­gend nö­ti­gen Um­bruch im Ka­der mit der Um­stel­lung auf Tem­po-An­griffs­fuß­ball zu ver­bin­den, fand all­seits gro­ßen An­klang. Die­ser Um­bruch schien mit dem 1:1 in Bo- chum schon fast ge­lun­gen. Kra­mer jetzt zu ent­las­sen hie­ße, die Neu­aus­rich­tung als ge­schei­tert ab­zu­ha­ken. Die so ge­prie­se­ne Kon­ti­nui­tät nach Jah­ren der schnel­len Trai­ner­ent­las­sun­gen wä­re da­hin, die Klub­füh­rung wä­re un­glaub­wür­dig ge­wor­den. Falls Fortu­na sich zu früh auf an­geb­li­che „Mecha­nis­men der Bran­che“be­ruft und Kra­mer ent­lässt, ist das kom­plet­te Pro­jekt Fortu­na ge­schei­tert. Was kann Kra­mer kurz­fris­tig än­dern? Fortu­na muss sta­bi­ler wer­den, not­falls auf Kos­ten des at­trak­ti­ven Spiels. Im Heim­spiel ge­gen Bie­le­feld am 16. Ok­to­ber müs­sen die Düs­sel­dor­fer un­be­dingt punk­ten. Für die­sen Zweck muss der Trai­ner auch über bis­lang von ihm ge­setz­te Spie­ler nach­den­ken. Lu­kas Schmitz, Chris­ti­an Stroh­diek und Di­dier Ya Konan, aber auch Ju­li­an Koch ha­ben zu­letzt häu­fig ent­täuscht. Was ist auf der Mit­glie­der­ver­samm­lung am 21. Ok­to­ber zu er­war­ten? Es wird ein un­ru­hi­ger Abend, da vie­le Mit­glie­der rest­los ent­täuscht von der öf­fent­li­chen Darstel­lung des Ver­eins sind. Gut mög­lich, dass der Vor­stands­vor­sit­zen­de Dirk Kall am 21. Ok­to­ber gar nicht mehr im Amt ist. Vie­le An­hän­ger se­hen in ihm den Sün­den­bock für kom­mu­ni­ka­ti­ve Pan­nen, im Auf­sichts­rat soll er den Rück­halt ver­lo­ren ha­ben.

FO­TO: DPA

Aus­nahms­wei­se Zwei­kampf­sie­ger: Jo­el Poh­jan­pa­lo

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