KURZKRITIKEN

Rheinische Post Goch - - KULTUR GEGENWART IM THEATER -

Mit van Gogh und Gau­gu­in ins Gel­be Haus

Kunst­buch Der bri­ti­sche Kunst­kri­ti­ker Mar­tin Gay­ford wid­met sich in sei­ner neu­en Mo­no­gra­phie ei­nem Gip­fel­tref­fen: Zwi­schen Ok­to­ber und De­zem­ber 1888 leb­ten und ar­bei­te­ten Vin­cent van Gogh und Paul Gau­gu­in ge­mein­sam im so ge­nann­ten Gel­ben Haus in Ar­les. Sie mal­ten oh­ne Rast, dis­ku­tie­ren näch­te­lang und lie­ßen sich von­ein­an­der in­spi­rie­ren. Am En­de der ge­mein­sa­men neun Wo­chen hat­te van Gogh sein Ohr und den Ver­stand ver­lo­ren, und Gau­gu­in ent­floh der Zi­vi­li­sa­ti­on Rich­tung Süd­see. Gay­ford brei­tet die we­ni­gen Ta­ge vor dem Le­ser aus, un­ter­halt­sam, hoch­span­nend, bis­wei­len arg de­tail­liert. „Es ist noch dun­kel, kurz nach fünf Uhr mor­gens, da rum­pelt ein Zug in den Bahn­hof von Ar­les, und ein ein­sa­mer, er­schöpf­ter Pas­sa­gier steigt aus.“Es ist Gau­gu­in. Der Band ist reich il­lus­triert, und im An­hang wer­den die un­ter­schied­li­chen Theo­ri­en über das Dra­ma van Go­ghs vor­ge­stellt. Phil­ipp Hol­stein Mar­tin Gay­ford:„

Die So­lis­ten dür­fen sich glück­lich schät­zen, dass sie sich an dem Werk nicht ver­he­ben kön­nen. Al­lein der Cel­list hat ei­ne ge­wich­ti­ge Auf­ga­be vor sich, Vio­li­ne und Kla­vier dür­fen sich ent­spannt zu­rück­leh­nen. Die Mu­sik­for­schung ist sich bis heu­te nicht si­cher, für wen der Kla­vier­part vor­ge­se­hen war. Lan­ge glaub­te man, Beet­ho­ven ha­be ihn für sei­nen wich­ti­gen Gön­ner und Kla­vier­schü­ler Erz­her­zog Ru­dolf von Ös­ter­reich kom­po­niert. Neu­er­dings wird in Er­wä­gung ge­zo­gen, dass Beet­ho­ven das Kla­vier­so­lo bei der Pre­mie­re selbst ge­spielt ha­be.

Rund um die Cel­lis­tin Sol Ga­bet­ta hat sich bei der So­ny ein fei­nes En­sem­ble zur Eh­ren­ret­tung des Werks ein­ge­fun­den: Mit Gi­u­lia­no Car­mi­gno­la (Vio­li­ne), De­jan La­zic (Vio­li­ne) und dem Kam­mer­or­ches­ter Ba­sel un­ter Gio­van­ni An­to­ni­ni glückt ei­ne wun­der­bar char­man­te, be­tö­rend in­ni­ge, aber auch lau­nig stri­cheln­de Ein­spie­lung. Und an et­li­chen Stel­len ruft man dann doch: ein ech­ter Beet­ho­ven halt! Wolf­ram Goertz

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