Ver­letz­te bei Brand in Asyl­be­wer­ber-Un­ter­kunft

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON DIE­TER DOR­MANN

In ei­nem städ­ti­schen Haus an der Sta­di­on­stra­ße in der Kle­ver Ober­stadt, in dem et­wa 100 Flücht­lin­ge woh­nen, ist in der Nacht zu Sams­tag ein Feu­er aus­ge­bro­chen. Die Po­li­zei schätzt den Scha­den auf 50.000 Eu­ro. Bis­her gibt es kei­ne An­zei­chen für frem­den­feind­li­chen An­schlag.

KLE­VE Bei­ßen­der Brand­ge­ruch stieg ei­nem ges­tern Mit­tag im­mer noch an der Sta­di­on­stra­ße/Ecke Lin­den­al­lee in die Na­se. Rund 36 St­un­den zu­vor – in der Nacht von Frei­tag auf Sams­tag, kurz nach Mit­ter­nacht – hat­te es in dem städ­ti­schen Ge­bäu­de, in dem et­wa 100 Flücht­lin­ge un­ter­ge­bracht sind, ei­nen Zim­mer­brand ge­ge­ben. Spu­ren sind nicht nur zu rie­chen, son­dern auch deut­lich sicht­bar. Die ro­ten Back­stei­ne über Fens­tern im Erd­ge­schoss sind schwarz von Ruß – bis in den zwei­ten Stock hin­auf. Vor die Fens­ter­öff­nun­gen, in de­nen die Schei­ben durch die Hit­ze der Flam­men zer­bors­ten sind, sind Holz­bret­ter mon­tiert wor­den. Mit­ar­bei­ter ei­ner Fir­ma aus Keve­la­er, die auf die Rei­ni­gung von Brand­or­ten spe­zia­li­siert sind, ent­sor­gen Lösch­was­ser und den gröbs­ten Schmutz aus dem In­ne­ren. Wäh­rend des­sen nut­zen ei- ni­ge der Flücht­lin­ge schon wie­der WC und Du­sche – an der Tür auf der an­de­ren Sei­te des Flu­res, der nur mit Not-Lam­pen be­leuch­tet wer­den kann, hängt ein schlichter Zet­tel in ei­ner Plas­tik­hül­le: „Brand­ort ist be­schlag­nahmt“– Po­li­zei NRW, Kreis Kle­ve. In das Zim­mer, in dem der Brand aus­brach, dür­fen bis­lang nur die Brand­sach­ver­stän­di­gen der Kri­po. Sie müs­sen die Ur­sa­che des Feu­ers er­mit­teln. Noch hat die Po­li­zei kein Er­geb­nis ver­kün­det. Doch der Kle­ver Stadt­brand­in­spek­tor Ralf Ben­kel, der bei dem Ein­satz an der Sta­di­on­stra­ße da­bei war, sag­te am Sams­tag be­reits: „De­fi­ni­tiv deu­tet nichts auf ei­nen An­schlag hin. So et­was schlie­ße ich aus.“

In der Nacht von Frei­tag auf Sams­tag konn­te man da­von noch nicht aus­ge­hen. „Feu­er in der der kom­mu­na­len Asyl­be­wer­ber­un­ter­kunft in Kle­ve auf der Sta­di­on­stra­ße.“Als die­ser No­t­ruf in der Nacht zum Sams­tag um 0.18 Uhr bei der Leit­stel­le der Kle­ver Po­li­zei ein­geht, schril­len die Alarm­glo­cken be­son­ders laut. Im­mer­hin woh­nen in den Ge­bäu­den der Stadt in der Kle­ver Ober­stadt seit ei­ni­ger Zeit et­wa 100 Asyl­be­wer­ber. Da­mit droht zum ei­nen die Ge­fahr, dass ei­ne gro­ße Zahl an Per­so­nen ge­fähr­det ist. Zu­dem liegt die Be­fürch­tung na­he, dass es sich um ei­nen Brand­an­schlag han­deln könn­te. Ent­spre­chend um­fang­reich fällt die Alar- mie­rung der Ret­tungs­kräf­te. Für der­ar­ti­ge Ge­fah­ren­la­gen gibt es spe­zi­el­le Ein­satz­plä­ne. Die Po­li­zei ruft die Feu­er­wehr, die Ret­tungs­diens­te des Krei­ses, den Mal­te­ser-Hilfs­dienst zu Hil­fe und in­for­miert das Ord­nungs­amt der Stadt, die Ei­gen­tü­mer des Ge­bäu­des ist.

Drei Mi­nu­ten nach dem Ein­gang des ers­ten No­t­ru­fes bei der Po­li­zei ist die Feu­er­wehr der Stadt Kle­ve alar­miert. 31 frei­wil­li­ge Brand­be­kämp­fer der Lösch­zü­ge Kle­ve und Ma­ter­born rü­cken mit meh­re­ren Fahr­zeu­gen aus. Lo­dern­de Flam­men schla­gen aus Fens­tern ei­nes Zim­mers im Erd­ge­schoss, als die Feu­er­wehr an der Sta­di­on­stra­ße an­kommt. Zu­dem bil­den sich dich­te, schwar­ze Rauch­wol­ken, die aus dem Fens­ter ins Freie zie­hen, aber sich auch im In­ne­ren des Ge­bäu­des aus­brei­ten. Es ste­hen be­reits ei­ni­ge Per­so­nen – of­fen­bar Be­woh­ner des bren­nen­den Hau­ses – auf der Stra­ße. So­fort be­gin­nen die Brand­be- kämp­fer, das Feu­er zu lö­schen. Zu­gleich drin­gen Män­ner der Wehr mit Atem­schutz in die Asyl­be­wer­ber-Un­ter­kunft ein und eva­ku­ie­ren die Be­woh­ner. Zehn Per­so­nen kön­nen die Ret­ter aus dem Ge­bäu­de ins Freie füh­ren. Sechs Men­schen wer­den aus dem ver­qualm­tem Haus über Dreh­lei­tern in Si­cher­heit ge­bracht. Drei Män­ner, die aus Angst vor dem Feu­er aus ei­nem Fens­ter im ers­ten Stock ins Freie ge­sprun­gen sind, ha­ben Prel­lun­gen und an­de­re leich­te Ver­let­zun­gen er­lit­ten. Sie wer­den am­bu­lant in ei­nem Kran­ken­haus be­han­delt. An­de­re Ge­ret­te­te ver­sor­gen Sa­ni­tä­ter in ei­nem Zelt, das der Mal­te­ser-Hilfs­dienst in­zwi­schen an der Sta­di­on­stra­ße auf­ge­baut hat. Ins­ge­samt re­gis­trie­ren die Hilfs­kräf­te 24 Per­so­nen, die aus dem Haus Flam­men und Rauch ent­kom­men. „Die an­de­ren wa­ren wohl un­ter­wegs – zum Glück“, meint der Haus­meis­ter des Ge­bäu­des am Sonn­tag-Nach­mit­tag.

Nach zwei St­un­den ist der nächt­li­che Ein­satz der Feu­er­wehr be­en­det. Der Brand ist ge­löscht, das Ge­bäu­de ge­lüf­tet, die Schad­stoff­be­las­tung der Luft in dem Haus ana­ly­siert und von der Feu­er­wehr als für Men­schen un­be­denk­lich be­wer­tet. Die Asyl­be­wer­ber kön­nen wie­der in ih­re Zim­mer. Nur der Raum im Erd­ge­schoss, in dem das Feu­er aus­brach, wird ver­sie­gelt. Den Scha­den be­zif­fert die Po­li­zei auf 50.000 Eu­ro.

Ei­ni­ge kur­ze Mo­men­te der Auf­re­gung gibt es noch mal am Sonn­tag. Als die Spe­zia­lis­ten aus Keve­la­er das In­ne­re des Ge­bäu­des mit Was­ser­dampf rei­ni­gen und die­ser durch die Fens­ter nach au­ßen dringt, fürch­ten ei­ni­ge An­woh­ner wohl den Aus­bruch ei­nes er­neu­ten Bran­des. Sie alar­mie­ren die Ret­tungs­diens­te. Rasch sind Feu­er­wehr, Po­li­zei und auch Kran­ken­wa­gen er­neut vor Ort. Doch rasch ist klar – es war ein Fehl­alarm. Der ver­meint­li­che Rauch war nur Was­ser­dampf.

RP-FO­TO: MAR­KUS VAN OFFERN

Die Brand­op­fer wur­den in ei­nem Zelt be­treut.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.