Zum „Wwoo­fen“von Chi­na auf den Rou­en­hof

Rheinische Post Goch - - FÜRS LEBEN -

Leu­te aus Län­dern rund um den Glo­bus schau­en Bi­o­bau­er Bernd Verhoeven über die Schul­ter, um öko­lo­gi­schen Land­bau zu er­ler­nen.

Auf den Rou­en­hof in Ker­ven­donk sind re­gel­mä­ßig jun­ge Men­schen zu Gast, um zu „wwoo­fen“. Was ist das? BERND VERHOEVEN Leu­te, die ,wwoo­fen’, be­su­chen Be­trie­be, die öko­lo­gi­schen Land­bau be­trei­ben. Das sind Be­trie­be, die oh­ne Spritz­mit­tel, oh­ne Kunst­dün­ger, oh­ne Mas­sen­tier­hal­tung aus­kom­men und im Ein­klang mit der Na­tur wirt­schaf­ten. Wir ver­su­chen, Wis­sen zu ver­mit­teln. Die Leu­te ab­sol­vie­ren kein Jah­resprak­ti­kum, son­dern sind sechs bis acht Wo­chen bei uns und zie­hen dann wei­ter zu an­de­ren bio­lo­gi­schen Be­trie­ben, auf de­nen sie für freie Kost und Lo­gis ar­bei­ten. Wer kommt da so? VERHOEVEN Das sind ganz un­ter­schied­li­che Leu­te, das sind teil­wei­se Pär­chen, auch vie­le In­di­vi­dua­lis­ten. Dem­nächst kommt ein jun­ger Mann aus Ame­ri­ka zu uns, der in Kle­ve Agri­busi­ness stu­die­ren möch­te. Der „wwooft“vor­her bei uns. Ver­gan­ge­nes Jahr hat­ten wir ein Mäd­chen aus Chi­na da. Es ist ganz bunt ge­mischt. Was tun die Gäs­te wäh­rend ih­res Auf­ent­halts? VERHOEVEN Mel­ken, Mis­ten, Ein­streu­en, Füt­tern, Tre­cker fah­ren, das ist ganz un­ter­schied­lich. Wir fra­gen uns erst ein­mal: Was kön­nen die? Was trau­en die sich zu? Wir hat­ten ei­ne Agrar-Stu­den­tin aus Göt­tin­gen, die war tip­pi-top­pi-fit. Die konn­te an­ge­fan­gen vom Tre­cker­fah­ren über­all auf dem Hof mit­ar­bei­ten. Die Chi­ne­sin war ei­ne Fi­nanz­wis­sen­schaft­le­rin aus Frankfurt. Die hat Wä­sche ge­wa­schen, ge­bü­gelt, Rin­der auf die Wei­de ge­trie­ben. Hier ist je­der Tag an­ders. Wel­che Vor­aus­set­zun­gen sol­len die Leu­te mit­brin­gen? VERHOEVEN Sie soll­ten schon ein ge­wis­ses In­ter­es­se am öko­lo­gi­schen Land­bau ha­ben und ei­ne ge­wis­se Er­fah­rung im Le­ben mit­brin­gen. Bei uns ist es so: Wir sind ein markt­ori­en­tier­tes, wirt­schaft­li­ches Un­ter­neh­men. Da­von müs­sen sie­ben Leu­te le­ben. Wir möch­ten schon Leu­te auf dem Hof ha­ben, die heiß auf Wis­sen sind. Es ist ein Ge­ben und Neh­men. War­um kom­men Men­schen aus al­ler Welt so ger­ne nach Ker­ven­donk? Ist Deutsch­land Vor­rei­ter beim Öko­land­bau? VERHOEVEN Nein, ganz und gar nicht. Die größ­ten An­bau­ge­bie­te für öko­lo­gi­sche Land­wirt­schaft sind in Aus­tra­li­en und Chi­na. Am meis­ten Öko­land­bau-Pro­duk­te wer­den in Ami­land ver­zehrt. Am Nie­der­rhein ist das In­ter­es­se am öko­lo­gi­schen Land­bau re­la­tiv ge­ring. Bei Fra­gen wie: Wie vie­le Mä­gen hat ei­ne Kuh? oder: Wie lan­ge brü­tet ein Huhn ein Ei aus? müs­sen die meis­ten pas­sen. Das ist al­les Ma­gie, für vie­le Men­schen ganz weit weg. Wel­chen Ge­winn ha­ben Sie aus zwei Jah­ren „Wwoo­fen“ge­zo­gen? VERHOEVEN Es ist auch für uns span­nend. Je­der „Wwoo­fer“bringt ei­nen an­de­ren Schwung in den La­den. Wir hin­ter­fra­gen uns dann auch selbst, war­um wir die Din­ge so ma­chen, wie wir sie ma­chen. Bei un­se­rer „Wwoo­fe­rin“aus Chi­na ha­ben wir zum Bei­spiel die chi­ne­si­sche Kul­tur ken­nen ge­lernt und chi­ne­si­sche Ge­rich­te. Ganz ne­ben­bei bre­zeln wir auch un­ser Englisch auf. Wir mö­gen es, mit jun­gen Leu­ten zu ar­bei­ten.

Bernd Verhoeven.

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