Un­ab­hän­gig­keits­tag und Erd­be­ben

Rheinische Post Goch - - FÜRS LEBEN - SVEN­JA PE­TERS

Am 18. Sep­tem­ber war in Chi­le der Un­ab­hän­gig­keits­tag, und ich und vier wei­te­re Frei­wil­li­ge hat­ten be­schlos­sen, in die­ser Wo­che et­was in den Nor­den zu fah­ren, nach La Se­re­na. Wäh­rend des Erd­be­bens wa­ren wir gera­de auf dem Pla­za del Ar­mas in La Se­re­na und woll­ten uns eben zum Strand auf­ma­chen. Die Son­ne ging un­ter, als das Be­ben be­gann.

Im ers­ten Mo­ment dach­te ich, da der Bo­den bloß leicht vi­brier­te, dass ei­ne U-Bahn un­ter uns fah­ren wür­de. Nach kur­zem Nach­den­ken wur­de mir aber klar, dass es in La Se­re­na kei­ne U-Bahn gibt. Mir wur­de schlag­ar­tig be­wusst, wor­um es sich han­deln muss­te. Ich hab mich dann (so wie es sich ge­hört) ru­hig ver­hal­ten und kei­ne Pa­nik ge­macht. *Hust-hust* Nee, ich hat­te su­per Angst und ha­be rum­ge­schrien: „ERD­BE­BEN, ERD­BE­BEN!!!“Nach an­fäng­li­chem Vi­brie­ren des Bo­dens wur­de es im­mer stär­ker und stär­ker. Die Er­de hat nicht mehr vi­briert, son­dern ge­schau­kelt. Die Pal­men ha­ben ih­re We­del ge­schüt­telt, die Strom­lei­tun­gen sind auf und ab ge­hüpft. Ich kann mich nicht mehr er­in­nern, aber die an­de­ren er­in­nern sich an ein Dröh­nen und Kra­chen wie bei ei­nem Ge­wit­ter, das al­ler­dings aus der Er­de kam. Als mir klar wur­de, dass wir uns in ei­ner Küs­ten­stadt be­fin­den, ha­be ich mein „ERD­BE­BEN“-Ge­schrei ge­gen „TSU­NA­MI!“ein­ge­tauscht.

Die Chi­le­nos in un­se­rer Um­ge­bung wa­ren üb­ri­gens auch ver­ängs­tigt, aber sehr ru­hig. Kurz da­nach ha­ben uns ein paar Mä­dels ge­sagt, dass Be­ben ab und an nor­mal sei­en, aber nicht von die­ser Stär­ke. Wir sind dann berg­auf ge­lau­fen, im­mer wei­ter weg vom Strand. Dann gab es schon das ers­te Nach­be­ben. Dies kam we­ni­ger über­ra­schend und fühl­te sich auch nicht halb so stark an. Trotz­dem war es im­mer noch sehr be­ängs­ti­gend.

Wir sind un­ge­fähr an­dert­halb St­un­den bis zu un­se­rer Un­ter­kunft ge­lau­fen. Es gab in die­ser Nacht noch meh­re­re Be­ben. In­ner­halb ei­nes Ge­bäu­des sind sie noch furcht­ein­flö­ßen­der, weil die Fens­ter­schei­ben klir­ren und al­les viel mehr wa­ckelt und man die Angst hat, dass das Haus es nicht aus­hält.

In Chi­le gibt es ein Früh­warn­sys­tem. Je­der hat ei­nen Alarm auf das Han­dy be­kom­men, in dem steht dass man sich aus der Tsu­na­mi­zo­ne be­ge­ben soll. Die Häu­ser ha­ben hier in La Se­re­na kaum Scha­den ge­nom­men. Am nächs­ten Tag war ei­gent­lich schon al­les so­weit wie­der wie im­mer.

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