Ver­wir­rung der Ge­füh­le

Rheinische Post Goch - - FERNSEHEN -

Zum ers­ten To­des­tag von Sieg­fried Lenz zeigt das ZDF die freie Ad­ap­ti­on sei­nes Ro­mans „Der Ver­lust“.

MAINZ (dpa/csk) Der Ham­bur­ger Frem­den­füh­rer Ul­rich (Hei­no Ferch) er­lei­det ei­nen Hirn­schlag. Er kann nur schwer kom­mu­ni­zie­ren und sich fort­be­we­gen. Sei­ne Freun­din No­ra (Ina Weis­se), die noch ge­schockt ist von ei­nem Un­fall, in den bei­de am Vor­abend ver­wi­ckelt wa­ren, ist über­for­dert mit der Si­tua­ti­on. Als sie dann auch noch auf merk­wür­di­ge Nach­rich­ten von ei­ner frem­den Frau in Ul­richs Han­dy stößt, sucht sie Hil­fe bei Ul­richs Bru­der. Bei­de ha­ben sich seit Jah­ren nicht ge­se­hen. Sei­ne Frau hilft No­ra, die Frem­de zu fin­den – sie wohnt in Ul­richs Hei­mat­dorf.

Es be­ginnt ein in­ten­si­ves Kam­mer­spiel um ein Dop­pel­le­ben und ei­ne Mé­na­ge-à-trois, das tief in mensch­li­che See­len und Ab­grün­de blickt. Tho­mas Berger hat das Dra­ma frei nach dem Ro­man von Sieg­fried Lenz für den Bild­schirm ge­stal­tet. Das ZDF strahlt das Me­lo­dram heu­te um 20.15 Uhr aus und wür­digt da­mit den ein Jahr zu­vor ge­stor­be­nen Meis­ter der deut­schen Li­te­ra­tur.

Lieb­ha­ber des 1981 erst­mals pu­bli­zier­ten Ro­mans „Der Ver­lust“wer­den mit ei­ni­gen Mo­der­ni­sie­run­gen kon­fron­tiert, wo­bei die Grund­kon­stel­la­ti­on bei­be­hal­ten wird. Der Film be­glei­tet die star­ke No­ra auf der Su­che nach der Wahr­heit über den Stand ih­rer Lie­be und beim wirk­li­chen Ken­nen­ler­nen Ul­richs, der Ver­gan­ge­nes ver­drängt hat und ei­gent­lich nie­mals in der La­ge war, sich zu ar­ti­ku­lie­ren. Und der erst recht nicht wil­lens oder fä­hig war, sich zu ent­schei­den. Hei­no Ferch gibt sei­ner Fi­gur die nö­ti­ge Por­ti­on Zer­ris­sen­heit und Ver­letz­lich­keit, wo­bei er ge­zwun­gen ist, bei­na­he aus­schließ­lich non­ver­bal zu kom­mu­ni­zie­ren.

Über die Be­geg­nung No­ras mit Ul­richs Fa­mi­lie und Freun­din wer­den sein Le­bens­weg auf­ge­fä­chert und sei­ne Ent­schei­dun­gen zu­min­dest ver­ständ­lich. Ei­ner selbst­be­wuss­ten und in sich ru­hen­den Per­sön­lich­keit wie No­ra bleibt da nur ei­ne Mög­lich­keit, um Kon­se­quen­zen zu zie­hen.

Auch die Ne­ben­rol­len sind mit nam­haf­ten Schau­spie­lern be­setzt, die ih­ren Fi­gu­ren mit kur­zen Auf­trit­ten prä­gnan­tes Pro­fil ver­lei­hen. Sie tra­gen da­zu bei, dass „Der Ver­lust“ein High­light des deut­schen Fern­seh­films wur­de, in dem die Ge­schich­te ei­ner Aus­nah­me- und Be­wäh­rungs­si­tua­ti­on rund und je­der­zeit nach­voll­zieh­bar er­zählt wird.

„Der Ver­lust“, ZDF, 20.15 Uhr

FO­TO: ZDF

Den Ul­rich (Hei­no Ferch), den No­ra (Ina Weis­se) vor sei­nem Hirn­schlag kann­te, gibt es nicht mehr. Nach und nach fin­det sie her­aus, wer er wirk­lich war – und macht so man­che Ent­de­ckung, mit der sie nicht ge­rech­net hät­te.

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