17 To­te nach Un­wet­ter an der Cô­te d’Azur

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON CHRISTINE LON­GIN

Sint­flut­ar­ti­ge Re­gen­fäl­le ver­wan­del­ten die Ge­gend um Can­nes kurz­zei­tig in ein Ka­ta­stro­phen­ge­biet. Ei­ne Flut­wel­le spül­te ge­park­te Au­tos ins Meer. Au­gen­zeu­gen be­zeich­ne­ten die Ver­wüs­tun­gen durch das Un­wet­ter als Apo­ka­lyp­se.

CAN­NES Noch am Sams­tag­nach­mit­tag ver­öf­fent­lich­te der Bür­ger­meis­ter von Can­nes stolz das Fo­to ei­nes idyl­li­schen Strands im Son­nen­schein. Da konn­te Da­vid Lis­nard noch nicht ah­nen, dass sein mon­dä­ner Ba­de­ort nicht ein­mal 24 St­un­den spä­ter ein Bild der Ver­wüs­tung bie­ten wür­de: Au­tos hin­gen an den Bäu­men, Stra­ßen wa­ren knie­hoch über­flu­tet, in den Häu­sern trie­ben die Hab­se­lig­kei­ten der Be­woh­ner im Was­ser. 107 Li­ter Re­gen pro Qua­drat­me­ter fie­len am Sams­tag­abend zwi­schen 20 und 21 Uhr in Can­nes – so viel wie sonst in fast ei­nem Mo­nat. Ei­ne rie­si­ge Flut­wel­le riss auf der Stra­ße ge­park­te Au­tos mit und spül­te sie ins Meer. „Es wird meh­re­re Mo­na­te dau­ern, bis Can­nes wie­der sein al­tes Ge­sicht hat und die Schä­den die­ser Alp­traum-Nacht re­pa­riert sind“, sag­te Lis­nard dem Ma­ga­zin „Le Po­int“.

Bis zwei Uhr nachts dau­er­ten die Nie­der­schlä­ge, durch die al­lein in Can­nes zwei Men­schen ums Le­ben ka­men. Ins­ge­samt 17 To­des­op­fer und vier Ver­miss­te zähl­te die Prä­fek­tur ges­tern Nach­mit­tag in der Ur­laubs­re­gi­on zwi­schen Niz­za und Can­nes. Am stärks­ten be­trof­fen war Man­de­lieu-la-Na­poule, neun Ki­lo­me­ter west­lich von Can­nes. Dort star­ben sie­ben Men­schen, als sie ih­re Au­tos vor den Flu­ten aus der Tief­ga­ra­ge zwei­er Wohn­an­la­gen in Si­cher­heit brin­gen woll­ten.

Ei­nen be­son­ders tra­gi­schen Fall schil­der­te der Bür­ger­meis­ter von Man­de­lieu, Hen­ri Le­roy. Ein Paar ha­be sich auf­ge­macht, um sein Au­to in Si­cher­heit zu brin­gen. „Der Mann hat es ge­schafft, sich vor den Was­ser­mas­sen zu ret­ten, doch die Frau und ei­ne Freun­din er­tran­ken.“Le­roy be­fürch­tet in der Ga­ra­ge noch wei­te­re Op­fer, da die Ret­tungs­kräf­te im trü­ben Was­ser mög­li­cher­wei­se noch nicht al­le To­ten fin­den konn­ten.

Be­son­ders schwer traf das Un­wet­ter auch die Kle­in­stadt Bi­ot, sie­ben Ki­lo­me­ter nörd­lich von An­ti­bes. Dort star­ben drei Be­woh­ner ei­nes Al­ters­heims, die im Erd­ge­schoss in den Flu­ten er­tran­ken. „Die Wel­le kam mit un­glaub­li­cher Wucht. Das Was­ser drang so­gar durch die Lüf­tungs­schlit­ze ein“, schil­der­te ein Arzt des Al­ters­heims im Ra­dio. „Wir ha­ben in­ner­halb von fünf Mi­nu­ten al­les ver­lo­ren“, sag­te die Che­fin der be­rühm­ten Glas­ma­nu­fak­tur von Bi­ot, An­ne Lechac­zyn­ski. Für sie und al­le an­de­re Be­trof­fe­nen kün- dig­te Prä­si­dent François Hol­lan­de, der sich ges­tern ein Bild von den Ver­wüs­tun­gen mach­te, schnel­le Hil­fe an: „Die Hand­wer­ker hier er­le­ben ein Dra­ma, des­halb darf kei­ne Zeit ver­lo­ren wer­den.“Schon am Mitt­woch soll das Ka­bi­nett das Un­wet­ter als Na­tur­ka­ta­stro­phe ein­stu­fen und so den Weg für die nö­ti­gen Ent­schä­di­gun­gen frei­ma­chen. Die Re­gi­on ha­be die „So­li­da­ri­tät der Na­ti­on“, ver­si­cher­te Hol­lan­de.

In An­ti­bes, ei­nem wei­te­ren be­lieb­ten Ba­de­ort, über­schwemm­ten die Flu­ten ei­nen Zelt­platz: ein Cam­per starb. An­de­re ret­te­ten sich auf die Dä­cher ih­rer Wohn­wa­gen und wur­den von Hub­schrau­bern in Si­cher­heit ge­bracht. 70.000 Haus­hal­te wa­ren zeit­wei­se oh­ne Strom, ges­tern wa­ren es noch 22.000. Die fran- zö­si­sche Staats­bahn SNCF stell­te den Ver­kehr zwi­schen Niz­za und Tou­lon ein. „Wir ha­ben ei­ne Apo­ka­lyp­se durch­lebt, wie wir sie noch nicht ge­kannt ha­ben“, fass­te der Ab­ge­ord­ne­te Eric Ciot­ti die tra­gi­schen Er­eig­nis­se zu­sam­men.

Auch in den USA lei­den die Men­schen un­ter Re­kord­re­gen­fäl­len, Über­schwem­mun­gen und Strom­aus­fäl­len: Ein Hur­ri­kan und ein Tief­druck­ge­biet set­zen die Ost­küs­te der USA un­ter Was­ser. Von South Ca­ro­li­na bis De­la­ware wur­den Flut­war­nun­gen aus­ge­ge­ben, 27 Mil­lio­nen Men­schen könn­ten be­trof­fen sein. Vor al­lem in South Ca­ro­li­na führ­ten hef­ti­ge Re­gen­fäl­le am Wo­che­n­en­de zu gro­ßen Pro­ble­men. US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma er­klär­te den Staat zum Not­stands­ge­biet.

FO­TO: IMAGO

In Can­nes stan­den Stra­ßen kom­plett un­ter Was­ser, Au­tos ver­san­ken in den Flu­ten. Vie­le der To­des­op­fer er­tran­ken in ih­ren Fahr­zeu­gen.

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