Tür­kei soll Flücht­lin­ge stop­pen

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE -

Die EU will den mas­si­ven Zustrom schon jen­seits ih­rer Au­ßen­gren­zen dros­seln. Prä­si­dent Er­do­gan wer­den da­zu Hil­fen in Aus­sicht ge­stellt. Ein mi­li­tä­ri­scher Zwi­schen­fall ver­schärft die Sy­ri­en-Kri­se er­neut.

BRÜSSEL/BERLIN (jd/RP) In der Flücht­lings­kri­se wol­len die Tür­kei und die EU zu­sam­men­ar­bei­ten, um den Zustrom nach Eu­ro­pa frü­her zu stop­pen. Die Eu­ro­päi­sche Uni­on müs­se ih­re Au­ßen­gren­zen bes­ser schüt­zen, sag­te EU-Rats­prä­si­dent Do­nald Tusk bei ei­nem Auf­tritt mit dem tür­ki­schen Prä­si­den­ten Re­cep Tay­yip Er­do­gan in Brüssel. Tusk füg­te hin­zu: „Wir er­war­ten von der Tür­kei das Glei­che.“

Er­do­gan wies dar­auf hin, der­zeit be­fän­den sich bei­na­he 2,5 Mil­lio­nen Mi­gran­ten im Land, 2,2 Mil­lio­nen da­von aus Sy­ri­en. Die Eu­ro­pä­er hät­ten Schwie­rig­kei­ten, ei­ne ge­mein­sa­me Po­si­ti­on zu fin­den, merk­te der tür­ki­sche Prä­si­dent an. Er for­der­te ent­schie­de­ne Schrit­te ge­gen die Kri­se; so müs­se über ei­ne Flug­ver­bots­zo­ne in Sy­ri­en ge­re­det wer­den. Gleich­zei­tig si­gna­li­sier­te Er­do­gan Di­plo­ma­ten auch sei­ne Be­reit­schaft, wei­te­re Flücht­lings­la­ger in der Tür­kei ein­zu­rich­ten.

EU-Kom­mis­si­ons­chef Je­an-Clau­de Juncker er­klär­te, er wol­le Er­do­gan ei­nen tür­kisch-eu­ro­päi­schen Ak­ti­ons­plan zum Um­gang mit der Flücht­lings­kri­se vor­schla­gen. Im Ge­spräch sind un­ter an­de­rem Mil­li­ar­den­hil­fen, mit de­nen die Flücht­lin­ge in ih­ren La­gern in der Tür­kei bes­ser ver­sorgt wer­den soll­ten.

Be­reits zu­vor hat­ten deut­sche Po­li­ti­ker Er­do­gan auf­ge­for­dert, ei­nen wei­te­ren mas­si­ven Flücht­lings­strom nach Eu­ro­pa zu ver­hin­dern. „Er­do­gan muss Wert dar­auf le­gen, dass er die Gren­zen wie­der schließt“, sag­te El­mar Brok (CDU), Chef des Au­ßen­aus­schus­ses im EU-Par­la­ment, der „Welt“. Da­bei ha­be er An­spruch auch auf fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung. Alex­an­der Graf Lambs­dorff (FDP), Vi­ze­prä­si­dent des EU-Par­la­ments, sag­te: „Ich er­war­te, dass die Tür­kei fort­setzt, was sie die letz­ten Jah­re gut ge­macht hat: ei­ne vor­bild­li­che Flücht­lings­po­li­tik und ei­ne wirk­sa­me Kon­trol­le der Au­ßen­gren­ze.“

Die Tür­ki­sche Ge­mein­de Deutsch­lands be­grüß­te Er­do­gans Be­such in Brüssel als über­fäl­lig. „Die EU darf die Tür­kei nicht al­lein­las­sen. Und Er­do­gan muss jetzt zei­gen, wie ernst er es mit Eu­ro­pa meint, in­dem er der Staa­ten­ge­mein­schaft bei der Lö­sung der Flücht­lings­kri­se hilft“, sag- te der Bun­des­vor­sit­zen­de der Tür­ki­schen Ge­mein­de, Gö­kay So­fuog­lu, un­se­rer Re­dak­ti­on. Die Eu­ro­päi­sche Uni­on sol­le sich dar­an be­tei­li­gen, mehr Un­ter­künf­te für Flücht­lin­ge in der Tür­kei zu schaf­fen und die Qua­li­tät der Un­ter­brin­gung zu ver­bes­sern. „Vie­le Men­schen wer­den gar nicht mehr re­gis­triert“, sag­te So­fuo- glu. Ver­är­gert zeig­te er sich über War­nun­gen aus den Uni­ons­par­tei­en, Er­do­gan zu sehr ent­ge­gen­zu­kom­men: „Man­che Uni­ons­ab­ge­ord­ne­te be­zie­hen ih­re Kri­tik an der Tür­kei zu stark auf Er­do­gan.“

Über­schat­tet wur­de Er­do­gans Rei­se von ei­nem mi­li­tä­ri­schen Zwi­schen­fall: An­ka­ra warf Moskau vor, ein rus­si­sches Kampf­flug­zeug sei in den tür­ki­schen Luf­t­raum ein­ge­drun­gen. Zwei F 16-Kampf­jets hät­ten ei­ne rus­si­sche Ma­schi­ne am Sams­tag ge­zwun­gen, tür­ki­schen Luf­t­raum zu ver­las­sen, teil­te das Au­ßen­mi­nis­te­ri­um in An­ka­ra mit. Russ­land f liegt seit ver­gan­ge­ner Wo­che An­grif­fe auf Stel­lun­gen der Ter­ror­mi­liz „Is­la­mi­scher Staat“und an­de­rer Re­bel­len in Sy­ri­en.

Russ­land be­stä­tig­te die Ver­let­zung des Luf­t­raums; es han­de­le sich um ein Ver­se­hen. Na­to-Ge­ne­ral­se­kre­tär Jens Stol­ten­berg nann­te den Vor­fall in­ak­zep­ta­bel: „Russ­lands Han­deln trägt nicht zu Si­cher­heit und Sta­bi­li­tät der Re­gi­on bei.“Leit­ar­ti­kel Stim­me des Wes­tens Po­li­tik

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