Stu­die: Di­gi­ta­li­sie­rung kein Job­kil­ler

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON BIRGIT MAR­SCHALL

Vie­le Fir­men set­zen mas­siv auf Com­pu­ter – und su­chen trotz­dem Mit­ar­bei­ter.

BERLIN Fast je­des zwei­te Un­ter­neh­men mit ho­hem Di­gi­ta­li­sie­rungs­grad will in den kom­men­den fünf Jah­ren zu­sätz­li­che Mit­ar­bei­ter mit Hoch­schul­ab­schluss oder mit ab­ge­schlos­se­ner Be­rufs­aus­bil­dung ein­stel­len. Dies geht aus ei­ner noch un­ver­öf­fent­lich­ten Stu­die des Köl­ner In­sti­tuts der deut­schen Wirt­schaft (IW) her­vor, die un­se­rer Re­dak­ti­on vor­liegt. Die Stu­die be­ruht auf ei­ner ak­tu­el­len Um­fra­ge bei den Per­so­nal­chefs von 1400 Un­ter­neh­men, die das In­sti­tut je nach Di­gi­ta­li­sie­rungs­grad in drei Grup­pen ein­ge­teilt hat. Dem­nach wol­len rund 44 Pro­zent der am stärks­ten di­gi­ta­li­sier­ten Un­ter­neh­men künf­tig qua­li­fi­zier­te Fach­kräf­te und Aka­de­mi­ker neu ein­stel­len. We­ni­ger Job­chan­cen ha­ben da­ge­gen Un­ge­lern­te.

Di­gi­ta­li­sie­rung be­deu­tet, dass im­mer mehr Ar­bei­ten, die bis­her von Men­schen ver­rich­tet wur­den, durch Com­pu­ter­pro­gram­me oder Ro­bo­ter er­setzt wer­den. Die Stu­die wi­der­legt je­doch die ver­brei­te­te Auf­fas­sung, dass die fort­schrei­ten­de Di­gi­ta­li­sie­rung des­halb zu­neh­mend Jobs ver­nich­ten wird. Die Um­fra­ge zei­ge, „dass nur je­des zehn­te Un­ter­neh­men, das di­gi­tal stark auf­ge­stellt ist, kurz­fris­tig Jobs ab­bau­en will“, schreibt die Au­to­rin Andrea Ham­mer­mann. Di­gi­ta­li­sier­te Un­ter­neh­men plan­ten ge­nau­so vie­le Neu­ein­stel­lun­gen wie al­le an­de­ren Be­trie­be, hier ge­be es kei­ne Un­ter­schie­de.

Gut ein Drit­tel al­ler Un­ter­neh­men pla­ne, in­ner­halb ei­nes Jah­res mehr Mit­ar­bei­ter ein­zu­stel­len. Auch in den kom­men­den fünf Jah­ren wol­le „ein Groß­teil der Fir­men eher neue Ar­beits­plät­ze schaf­fen als ab­bau- en“. Da­von wür­den „ins­be­son­de­re Fach­kräf­te mit ei­ner ab­ge­schlos­se­nen be­ruf­li­chen Aus- oder Fort­bil­dung so­wie Aka­de­mi­ker“pro­fi­tie­ren, sag­te Ham­mer­mann: „Die Sor­ge, dass vor al­lem Tä­tig­kei­ten von Fach­ar­bei­tern durch den di­gi­ta­len Wan­del zur Dis­po­si­ti­on ste­hen, weil Ma­schi­nen und Soft­ware de­ren Er­fah­run­gen und Wis­sen ent­wer­ten, ist al­so un­be­grün­det.“Auch die Zahl der Aus­bil­dungs­plät­ze stei­ge.

Die Um­fra­ge zei­ge aber auch, dass die Job­chan­cen von ge­ring Qua­li­fi­zier­ten eher ab­neh­men. Dies gel­te vor al­lem für Be­trie­be, die ih­re Kos­ten durch com­pu­ter­ge­stütz­te Au­to­ma­ti­sie­rung sen­ken woll­ten. Der Ab­bau die­ser Jobs wer­de sich aber in Gren­zen hal­ten: Nur neun bis zwölf Pro­zent der Un­ter­neh­men er­war­ten, dass künf­tig we­ni­ger Anund Un­ge­lern­te be­nö­tigt wer­den.

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