Küh­ler Ver­stand und wei­tes Herz

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON MICHAEL BRÖ­CKER

Die Spe­ku­la­tio­nen über die Flücht­lings­zah­len hel­fen nicht wei­ter. Kei­ne Be­hör­de im Land kann doch heu­te ab­se­hen, wie vie­le Men­schen wirk­lich kom­men wer­den. Erst am 31. De­zem­ber wer­den wir es wis­sen. Wich­tig ist jetzt ei­ne sach­li­che De­bat­te dar­über, dass es selbst im Or­ga­ni­sa­ti­ons-Mus­ter­land Deutsch­land ei­ne fak­ti­sche Be­las­tungs­gren­ze gibt. Und eben­so wich­tig ist ei­ne ehr­li­che Ana­ly­se – da­mit die So­li­da­ri­tät der Vie­len be­ste­hen und das Boll­werk der De­mo­kra­ten ge­gen frem­den­feind­li­che Brand­stif­ter stark bleibt.

Man muss des­halb Bun­des­prä­si­dent Gauck und dem zu­letzt un­ver­hält­nis­mä­ßig scharf kri­ti­sier­ten CDU-In­nen­mi­nis­ter de Mai­ziè­re für ih­re mah­nen­den Wor­te dan­ken. Die­se hät­ten auch von der Kanz­le­rin kom­men dür­fen. Ih­re hu­ma­ne Ges­te der Grenz­öff­nung wi­der­spricht dem üb­ri­gens nicht.

Die Welt muss wis­sen, wann Deutsch­land es nicht mehr schafft. Und die Flücht­lin­ge müs­sen wis­sen, dass In­te­gra­ti­on ei­ne Bring­schuld ist. Wer zu uns will, muss die Ver­fas­sung ak­zep­tie­ren. Nur wenn wir un­se­re staat­li­che Iden­ti­tät of­fen­siv ver­tei­di­gen, sind wir in­te­gra­ti­ons­fä­hig. Zu die­ser Iden­ti­tät ge­hört et­wa die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau und das Recht auf freie Mei­nung, ja so­gar auf Re­li­gi­ons­sa­ti­re. Das ist der Bo­den, auf dem Deutsch­land zum welt­wei­ten Sehn­suchts­ort für Ver­folg­te und Frus­trier­te ge­dei­hen konn­te. Wer ein­wan­dern will, muss die­se Kul­tur der Ord­nung ak­zep­tie­ren. Das ist kei­ne rech­te Stim­mungs­ma­che, son­dern ei­ne Bin­se. Und es ge­hört zum po­si­ti­ven Grund­ton ge­gen­über Flücht­lin­gen, der an die­ser Stel­le oft ver­tre­ten wur­de, da­zu. ie Mel­dun­gen, wo­nach ara­bisch­stäm­mi­ge Flücht­lin­ge weib­li­che Be­hör­den­mit­ar­bei­ter als Ge­sprächs­part­ner ab­leh­nen, mö­gen Ein­zel­fäl­le sein. Dass eth­ni­sche Kon­flik­te in Ge­walt aus­ar­ten, mag der psy­chi­schen Tor­tur der Flucht ge­schul­det sein. To­le­ra­bel ist bei­des nicht. Be­hör­den­will­kür ist eben­falls ge­fähr­lich. Im Sau­er­land ha­ben Kom­mu­nen ei­nen Be­reich ei­ner Grund­schu­le, der erst En­de des Jah­res ge­schlos­sen wer­den soll­te, kur­zer­hand für Flücht­lin­ge um­ge­wid­met. Ei­ne In­for­ma­ti­on an die El­tern gab es nicht. In Berlin soll not­falls auch die Ent­eig­nung von Pri­vat­woh­nun­gen mög­lich sein, wenn die­se zu leer­ste­hen­den Ge­wer­beim­mo­bi­li­en ge­hö­ren. Vor­sicht! Das Grund­recht auf po­li­ti­sches Asyl darf nicht zur Aus­höh­lung des Rechts auf Ei­gen­tum füh­ren.

Da­mit der his­to­ri­sche Im­pe­ra­tiv der Kanz­le­rin, „Wir schaf­fen das!“, nicht als Irr­tum der Ge­schich­te en­det, ist Be­son­nen­heit das Maß der Din­ge. Wir schaf­fen das. Aber nur, wenn der küh­le Ver­stand zum „wei­ten Herz“(Gauck) da­zu­kommt. BE­RICHT

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