Flücht­lings­fra­ge ent­zweit SPD und Mer­kel

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON JAN DREBES

Die De­bat­te über Gren­zen der Flücht­lings­auf­nah­me hat ei­nen Keil zwi­schen Kanz­le­rin Mer­kel und die Uni­on ge­trie­ben. Doch seit den War­nun­gen von SPD-Frak­ti­ons­chef Op­per­mann zu den Ka­pa­zi­tä­ten ru­mort es auch bei den Ge­nos­sen.

BERLIN Der Streit über den rich­ti­gen Um­gang mit der Flücht­lings­kri­se wei­tet sich in der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on aus und hat nach dem Uni­ons­la­ger nun auch die SPD er­reicht. Die Fra­ge, ob die Zahl der nach Deutsch­land kom­men­den Flücht­lin­ge ge­senkt wer­den müs­se, spal­tet die Ge­nos­sen.

Nach SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann legt nun Bran­den­burgs Mi­nis­ter­prä­si­dent Diet­mar Wo­id­ke (SPD) nach und er­höht den Druck auf Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU). „Die Kanz­le­rin muss We­ge auf­zei­gen, um die ho­hen Flücht­lings­zah­len zu ver­rin­gern“, sag­te Wo­id­ke un­se­rer Re­dak­ti­on. Das Asyl­recht ken­ne zwar kei­ne Ober­gren­zen. „Bei der Be­last­bar­keit der Län­der und Kom­mu­nen gibt es aber fak­ti­sche Gren­zen, und de­nen nä­hern wir uns ra­sant“, warn­te Wo­id­ke. Der Bund ha­be die Ver­ant­wor­tung und müs­se end­lich han­deln, for­der­te der Lan­des­chef.

Am Wo­che­n­en­de hat­te Op­per­mann Mer­kel auf­ge­for­dert, zu sa­gen, „dass mit ei­ner Mil­li­on Flücht­lin­ge in die­sem Jahr un­se­re Mög­lich­kei­ten bei der Auf­nah­me na­he­zu er­schöpft sind“. Er sprach sich da­für aus, die Flücht­lings­zah­len und das Tem­po des Zu­zugs von Asyl­be­wer­bern nach Deutsch­land zu ver­rin­gern. „Wir müs­sen die un­miss­ver­ständ­li­che Bot­schaft sen­den, dass Deutsch­land al­lein nicht al­le Flücht­lin­ge auf­neh­men kann“, sag­te Op­per­mann. Auch die rhein­land­pfäl­zi­sche Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Ma­lu Drey­er (SPD), die sich der­zeit im Wahl­kampf be­fin­det, hat­te ei­ne sol­che Äu­ße­rung von Mer­kel ver­langt.

Wo­id­ke warn­te nun, dass die Stim­mung in Deutsch­land um­schla­gen könn­te, wenn die Kanz­le­rin in der EU nicht mit al­len Mit­teln und mit Nach­druck für ei­ne so­li­da­ri­sche Lö­sung kämp­fen wür­de, die Cha­rak­ter hat.

Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin Yas­min Fa­hi­mi wich ges­tern Fra­gen aus, ob es die Hal­tung der SPD sei, dass die Kanz­le­rin sich zu ei­nem be­grenz­ten Rah- men des Flücht­lings­kon­tin­gents äu­ßern sol­le. Fa­hi­mi sag­te le­dig­lich, es ge­be da­zu kei­ne Be­schluss­la­ge der Par­tei, und be­klag­te Schwarz­weiß­ma­le­rei in der Fra­ge.

Deut­li­cher wur­de hin­ge­gen die Vor­sit­zen­de der SPD-Ju­gend­or­ga­ni­sa­ti­on Ju­sos, Jo­han­na Ue­ker­mann: In der „Süd­deut­schen Zei­tung“warf sie Op­per­mann „CSU-Rhe­to­rik“vor. Und hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand gibt es auch in­ner­halb des lin­ken Spek­trums der Frak­ti­on Kri­tik an Op­per­manns Äu­ße­run­gen.

Gleich­zei­tig weiß der sich in gu­ter Ge­sell­schaft, nicht zu­letzt durch SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el. Der Vi­ze­kanz­ler hat­te be­reits vor ei­ni­gen Ta­gen vom Zu­steu­ern auf Be­las­tungs­gren­zen ge­spro­chen. Auch der Vi­ze­prä­si­dent des Deut­schen Städ­te­ta- ges, Nürn­bergs Ober­bür­ger­meis­ter Ul­rich Ma­ly (SPD), warn­te zwar da­vor, vor al­lem über die Zahl der Asyl­su­chen­den zu dis­ku­tie­ren. Im RB­BIn­fo­ra­dio sag­te Ma­ly aber: „Ich den­ke, dass die Zahl der Men­schen, die heu­er zu uns kom­men, ver­kraft­bar ist, aber dass es si­cher nicht geht, dass man noch zehn Jah­re Men­schen in die­ser Grö­ßen­ord­nung auf­nimmt.“

Da­mit die Stim­mung im Land nicht kip­pe, rief der SPD-Vi­ze­vor­sit­zen­de Ralf Steg­ner zur Be­son­nen­heit in der De­bat­te auf: „Ro­sa­ro­te Bril­le und be­ste­hen­de Pro­ble­me ver­schwei­gen hilft ge­nau­so we­nig wie das po­pu­lis­ti­sche Be­die­nen der Stamm­ti­sche.“Er mach­te je­doch mit Blick auf ent­spre­chen­de Äu­ße­run­gen von CSU-Po­li­ti­ker Mar­kus Sö­der deut­lich, dass die SPD An­grif­fe auf das Grund­recht auf Asyl ab­weh­ren wer­de.

SPD-Frak­ti­ons­vi­ze und Eu­ro­pa­po­li­ti­ker Axel Schä­fer brach­te hin­ge­gen er­neut den Vor­schlag von Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) nach Tran­sit­zo­nen ins Ge­spräch. Es müs­se er­laubt sein, über die End­lich­keit der Auf­nah­me­ka­pa­zi­tä­ten zu re­den, oh­ne sich den Vor­wurf ge­fal­len las­sen zu müs­sen, rech­ten Po­pu­lis­mus zu be­trei­ben, sag­te Schä­fer. „Da­zu ge­hört, über Tran­sit­zo­nen nach­zu­den­ken.

Ein sol­cher An­satz soll­te ge­prüft wer­den“, sag­te der ehe­ma­li­ge Chef der NRW-Lan­des­grup­pe im Bun­des­tag. SPD-Ge­ne­ra­lin Fa­hi­mi lehn­te die­se Idee ges­tern aber ent­schie­den ab.

FO­TO: AP

Noch steht SPD-Chef Sig­mar Ga­b­ri­el loy­al zur Kanz­le­rin. Aber die Be­las­tungs­gren­ze ist bald er­reicht, sa­gen die Ge­nos­sen.

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