US-Ge­ne­ral: Af­gha­nen woll­ten An­griff

Rheinische Post Goch - - POLITIK -

Die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on „Ärz­te oh­ne Gren­zen“spricht von ei­nem Kriegs­ver­bre­chen.

WASHINGTON (dpa) Der um­strit­te­ne US-Luft­an­griff auf ein Kran­ken­haus in Kun­dus war nach An­ga­ben des US-Kom­man­die­ren­den in Af­gha­nis­tan, Ge­ne­ral John Camp­bell, von af­gha­ni­scher Sei­te an­ge­for­dert wor­den. Camp­bell kor­ri­gier­te da­mit frü­he­re US-An­ga­ben, wo­nach die Mi­li­tär­ope­ra­ti­on zur Ver­tei­di­gung von US-Ein­hei­ten vor Ta­li­ban-An­grif­fen ge­dient ha­be. Bei dem Luft­schlag auf das von der Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on „Ärz­te oh­ne Gren­zen“be­trie­be­ne Ho­s­pi­tal wur­den 22 Men­schen ge­tö­tet, un­ter ih­nen neun Hel­fer.

Die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on selbst sprach von ei­nem Kriegs­ver­bre­chen. Auch der UN-Hoch­kom­mis­sar für Men­schen­rech­te schloss nicht aus, dass es sich um ei­nen kri­mi­nel­len Akt ge­han­delt ha­ben könn­te. „Die­ses Er­eig­nis ist ab­so­lut tra­gisch, un­ent­schuld­bar und mög­li­cher­wei­se so­gar kri­mi­nell“, sag­te Prinz Said Raad al Hus­sein.

Camp­bell sag­te, das af­gha­ni­sche Mi­li­tär ha­be die US-Spe­zi­al­kräf­te un­ter­rich­tet, dass es Hil­fe be­nö­ti­ge. „Dann wur­de ein Luft­schlag an­ge­ord­net, um die Be­dro­hung durch Ta­li­ban zu eli­mi­nie­ren, und meh­re­re Zi­vi­lis­ten wur­den un­be­ab­sich­tigt ge­trof­fen“, sag­te der US-Ge­ne­ral. Wie zu­vor Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma brach­te Camp­bell sein „tiefs­tes Mit- ge­fühl“für die Hin­ter­blie­be­nen der Op­fer zum Aus­druck. Russ­land ver­ur­teil­te den US-Luft­an­griff scharf. „Wir for­dern ei­ne so­for­ti­ge ob­jek­ti­ve Un­ter­su­chung des Vor­falls und ei­ne Be­stra­fung der Schul­di­gen an der Tra­gö­die“, teil­te ei­ne Au­ßen­amts­spre­che­rin in Moskau mit.

Die af­gha­ni­sche Ar­mee fes­tig­te ges­tern ih­re Kon­trol­le der Groß­stadt Kun­dus mit 300.000 Ein­woh­nern. Al­ler­dings kam es im­mer noch zu ver­ein­zel­ten Kämp­fen. „Die gan­ze Stadt ist nun un­ter un­se­rer Kon­trol­le“, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher. Re­gie­rungs­kräf­te hät­ten die Ta­li­ban weit­ge­hend aus der Stadt ver­trie­ben.

Am Don­ners­tag wol­len die Na­toVer­tei­di­gungs­mi­nis­ter in Brüssel über die La­ge be­ra­ten. In der Bun­des­re­gie­rung gibt es Über­le­gun­gen, den ei­gent­lich bis En­de 2016 ge­plan­ten Aus­bil­dungs­ein­satz der Na­to zu ver­län­gern. Der Kampf­ein­satz lief of­fi­zi­ell En­de 2014 aus.

FO­TO: AP

Teil des aus­ge­brann­ten Ho­s­pi­tals in Kun­dus.

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