Häpp­chen­wei­se Schaeffler-Ak­ti­en

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON GE­ORG WIN­TERS

Der Bör­sen­gang des Wälz­la­ger­her­stel­lers fin­det ver­mut­lich Frei­tag statt – und das ab­ge­speckt.

DÜSSELDORF Bör­sen­starts wer­den die­ser Ta­ge an­ge­sichts des Die­selBe­trugs bei VW und sei­ner Fol­gen gern mal ver­scho­ben. Die Bay­erKunst­stoff­toch­ter Co­ve­s­tro soll­te ver­gan­ge­ne Wo­che an den Ak­ti­en­markt kom­men, tut dies aber erst heu­te. Und der Wälz­la­ger­her­stel­ler Schaeffler, des­sen Pa­pier ur­sprüng­lich ges­tern zum ers­ten Mal ge­han­delt wer­den soll­te, star­tet jetzt erst am Frei­tag. Und dann auch nur in Tei­len. Ei­gent­lich woll­te Schaeffler 25 Pro­zent sei­nes An­teils­be­sit­zes an künf­ti­ge Mit­ei­gen­tü­mer ab­ge­ben. Jetzt sind es nur zwi­schen elf und fünf­zehn. Der rest­li­cher Teil des Pa­ke­tes kommt im Früh­jahr oder Som­mer des kom­men­den Jah­res – dann, wenn sich die Wo­gen bei VW ver­mut­lich längst ge­glät­tet ha­ben und po­ten­zi­el­le Käu­fer wie­der bes­ser bei Lau­ne sind.

Der­zeit ist den Ei­gen­tü­mern – Ge­org Schaeffler (80 Pro­zent) und sei­ner mit dem frü­he­ren In­dus­triePrä­si­den­ten Jür­gen Thu­mann ver­hei­ra­te­ten Mut­ter Ma­ria-Eli­sa­beth – der De­al so ris­kant, dass sie nicht nur ei­nen häpp­chen­wei­sen Bör­sen­gang vor­zie­hen, son­dern sich auch beim Ver­kaufs­preis in Be­schei­den­heit üben. Zwi­schen zwölf und 14 Eu­ro soll der Emis­si­ons­preis lie­gen, deut­lich we­ni­ger als das, was ver­gan­ge­ne Wo­che noch an po­ten­zi­el­len Ein­nah­men ver­an­schlagt wor­den war. Meh­re­re Mil­li­ar­den Eu­ro wa­ren da für mög­lich ge­hal­ten wor­den. Mit rund 975 Mil­lio­nen Eu­ro rech­nen die Scha­eff­lers nun selbst, und die kom­men aus dem Ver­kauf von 75 Mil­lio­nen Vor­zugs­ak­ti­en (die stimm­be­rech­tig­ten Stamm­ak­ti­en ver­blei­ben bei der Fa­mi­lie Schaeffler). Von de­nen wie­der­um stam­men 66 Mil­lio­nen aus ei­ner Ka­pi­tal­er­hö­hung, der Rest aus dem Alt­be­stand der Scha­eff­lers. Wei­te­re 24 Mil­lio­nen Pa­pie­re könn­ten noch an­ge­bo­ten wer­den, wenn die In­ves­to­ren ent­spre­chend nach­fra­gen. Wei­te­re 66 Mil­lio­nen Ak­ti­en schwer wä­re das Pa­ket, das 2016 emit­tiert wür­de. Erst dann wä­re das Ziel, 25 Pro­zent an die Bör­se zu brin­gen, er­reicht.

So weit ist es aber noch lan­ge nicht. Auf sei­ner Home­page kün­digt das Un­ter­neh­men die Erst­no­tie­rung für „vor­aus­sicht­lich“Frei­tag an. Das heißt: Der Kon­zern aus dem frän­ki­schen Her­zo­ge­nau­rach be­hält sich vor, sei­nen Bör­sen­gang im Zwei­fel noch ein­mal zu ver­schie­ben. Auch das hängt ver­mut­lich vor al­lem da­von ab, wel­che Nach­rich­ten in die­ser Wo­che noch aus Wolfsburg kom­men. Mor­gen ist Auf­sichts­rats­sit­zung bei VW, zu­dem wird an meh­re­ren Stel­len und in meh­re­ren Län­dern er­mit­telt.

Der Die­sel-Be­trug bei Volks­wa­gen ist wohl der ent­schei­den­de Grund für die Ver­schie­bung ge­we­sen. Und er trifft, un­ab­hän­gig von ei­ner all­ge­mei­nen Skep­sis am Ak­ti­en­markt, die Au­to­zu­lie­fe­rer na­tür­lich be­son­ders. Denn wenn der Au­to­bau­er spa­ren, sein In­ves­ti­ti­ons­pro­gramm über­den­ken und statt­des­sen Mil­li­ar­denrück­stel­lun­gen für dro­hen­de Straf­zah­lun­gen und Rück­hol­ak­tio­nen bil­den muss, dann trifft das un­wei­ger­lich auch des­sen Ge­schäfts­part­ner. Da­zu ge­hört Schaeffler selbst ge­nau­so wie der Rei­fen­her­stel­ler Con­ti­nen­tal, den Schaeffler vor sechs Jah­ren kauf­te.

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