Flow­tex-Pro­zess – Gläu­bi­ger ge­hen leer aus

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT -

Scha­den­er­satz für deut­sche In­ves­to­ren ist im Straf­ver­fah­ren in der Schweiz nicht zu er­war­ten.

FRAU­EN­FELD (dpa) Rund 15 Jah­re nach sei­ner Auf­de­ckung hat ei­ner der größ­ten Be­trugs­fäl­le in der deut­schen Wirt­schafts­ge­schich­te seit ges­tern ein ju­ris­ti­sches Nach­spiel in der Schweiz. Al­ler­dings lös­ten sich Hoff­nun­gen von Gläu­bi­gern auf Scha­den­er­satz-Über­wei­sun­gen aus der Schweiz be­reits am ers­ten Tag des Flow­tex-Pro­zes­ses vor dem Be­zirks­ge­richt in Frau­en­feld (Kan­ton Thur­gau) weit­ge­hend in Luft auf.

Auf An­trag der Ver­tei­di­gung des eins­ti­gen Flow­tex-Chefs Man­fred Schmi­der so­wie des­sen Ex-Frau und de­ren Sohn und Toch­ter ent­schied das Ge­richt, zi­vil­recht­li­che For­de- run­gen auf Ent­schä­di­gun­gen in dem Straf­ver­fah­ren um Geld­wä­sche, Ver­un­treu­ung und Ur­kun­den­fäl­schung nicht zu­zu­las­sen. Rich­ter Ru­dolf Fuchs folg­te der Ar­gu­men­ta­ti­on, dass For­de­run­gen deut­scher In­sol­venz­ver­wal­ter be­reits in ei­nem Zi­vil­pro­zess im Kan­ton Zü­rich an­hän­gig sei­en. Es sei nicht zu­läs­sig, die glei­chen For­de­run­gen in zwei Pro­zes­sen par­al­lel zu be­han­deln. Über die Zu­las­sung der straf­recht­lich re­le­van­ten Vor­wür­fe der An­kla­ge will das Ge­richt heu­te ent­schei­den. Die Ver­tei­di­gung macht in meh­re­ren Punk­ten der An­kla­ge we­gen Geld­wä­sche gel­tend, dass die­se ver­jährt sei­en.

Die von Schmi­der in Ett­lin­gen bei Karls­ru­he ge­grün­de­te Fir­ma Flow­tex hat­te mehr als 3000 Spe­zi­al­bohr­ge­rä­te zur un­ter­ir­di­schen Rohr­ver­le­gung ver­kauft, von de­nen die meis­ten nur auf dem Pa­pier exis­tier­ten. Der Scha­den durch die­se Luft­ge­schäf­te be­lief sich auf rund 2,6 Mil­li­ar­den Eu­ro. Schmi­der saß in Deutsch­land sie­ben Jah­re in Haft, 2007 kam er frei. Er lebt heu­te auf Mallor­ca. Sei­ne Fa­mi­lie war 2002 in die Schweiz um­ge­zo­gen.

Die Staats­an­walt­schaft wirft vor al­lem Schmi­ders da­ma­li­ger Frau vor, Ver­mö­gens­wer­te von um­ge­rech­net rund 22 Mil­lio­nen Eu­ro in der Schweiz ver­steckt und so der In- sol­venz­mas­se von Flow­tex ent­zo­gen zu ha­ben – dar­un­ter die Ver­kaufs­er­lö­se für ei­ne Vil­la in St. Mo­ritz, ei­nen 51-Ka­rat-Dia­mant und an­de­re wert­vol­le Ju­we­len. Man­fred Schmi­der selbst wird Geld­wä­sche vor­ge­wor­fen. Zu­dem sol­len nach der Vor­stel­lung der An­klä­ger ho­he Geld­bu­ßen ge­zahlt wer­den. Ur­sprüng­lich hat­ten die Staats­an­wäl­te auch be­an­tragt, den größ­ten Teil des Schmi­der-Ver­mö­gens in der Schweiz ein­zu­zie­hen und Ge­schä­dig­ten des Flow­tex-Be­trugs zu über­ge­ben. Dar­über kann nun nur noch in ei­nem Zi­vil­ver­fah­ren in Mei­len am Zü­rich­see ent­schie­den wer­den, das be­reits seit 2012 an­hän­gig ist.

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