Platz 5: „All die schö­nen Pfer­de“von Cor­mac McCar­thy

Rheinische Post Goch - - KULTUR - VON LOTHAR SCHRÖ­DER

So et­was gibt es li­te­ra­risch ei­gent­lich nicht mehr – so ei­nen lu­pen­rei­nen Wes­tern. Mit ech­ten Cow­boys und wei­ter Pr­ä­rie, mit klu­gen Wöl­fen und wil­den Hun­den, die von Las­sos in der Luft zer­ris­sen wer­den; mit Sand­stür­men und Mes­ser­ste­che­rei­en. Doch bleibt es ein Wes­tern des 20. Jahr­hun­derts, der für mich zu den span­nends­ten und er­grei­fends­ten Bü­chern der ver­gan­ge­nen Jah­re zählt. Ir­gend­je­mand hat ein­mal den er­di­gen Blues die­ser längst un­ter­ge­gan­ge­nen Ro­man­welt ge­rühmt. Und das stimmt so genau: mit all den Ver­lus­ten, mit den Er­in­ne­run­gen an ei­ne ehr­li­che Ver­gan­gen­heit und den Ent­täu­schun­gen der Ge­gen­wart, schließ­lich mit der Bru­ta­li­tät, die das Über­le­ben an der me­xi­ka­ni­schen Gren­ze er­for­der­lich zu ma­chen scheint. Un­glaub­lich, dies al­les im Ro­man an der Sei­te des jun­gen John Gra­dy Cole zu er­le­ben. Und bald be­ginnt man zu ah­nen, dass die­ser Wes­tern nicht so weit von uns ent­fernt ist und dass die Me­lan­cho­lie, die sich wie ei­ne Pfer­de­de­cke über die Ge­schich­te legt, ei­ne Zi­vi­li­sa­ti­ons­kri­tik und tie­fe Skep­sis meint.

Der gan­ze Ro­man ist ei­ne ein­zi­ge Grenz­er­fah­rung und steht in die­sem Sin­ne am An­fang der „Bor­der-Tri­lo­gie“von Cor­mac McCar­thy, dem heu­te 82-jäh­ri­gen US-Au­tor. Na­tür­lich hät­te auch er den No­bel­preis ver­dient. Aber aus­nahms­wei­se soll­te er ihn lie­ber nicht be­kom­men. Weil sei­ne un­fass­ba­ren Bü­cher lie­ber still und be­däch­tig ge­le­sen und we­ni­ger laut ge­fei­ert wer­den soll­ten. Cor­mac McCar­thy: „All die schö­nen Pfer­de“. Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen von Hans Wolf. rororo, 336 Sei­ten, 9,99 Eu­ro.

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