Fa­mi­li­en­the­ra­pie in Frank­reich

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KULTUR - VON RENÉE WIE­DER

Ver­fil­mung des Da­vid-Fo­en­ki­nos-Ro­mans: „Zu En­de ist al­les erst am Schluss“.

Je­de Fa­mi­lie hat ih­re Span­nun­gen, je­des Al­ter sei­ne Tücken. Bum­mel­stu­dent Ro­main (Ma­thieu Spi­no­si) zum Bei­spiel steckt mit­ten in den schwie­ri­gen Zwan­zi­gern. Fest­ge­fah­ren zwi­schen ei­nem Job als Nacht­por­tier und dem Vor­satz, ei­nes Ta­ges ei­nen Ro­man zu schrei­ben. Va­ter Mi­chel (Mi­chel Blanc) wur­de gera­de pen­sio­niert und lei­det dar­un­ter. Mut­ter Nat­ha­lie („Monsieur Clau­de“-Star Chan­tal Lau­by) lei­det un­ter Mi­chel. Und dann wird der Tod von Ro­mains Groß­va­ter zum Schick­sals­schlag, der es rich­tig kra­chen lässt im Fa­mi­li­en­gefü­ge.

Denn die frisch ver­wit­we­te Groß­mut­ter Ma­de­lei­ne (rei­zend: An­nie Cor­dy) soll nun ins Al­ters­heim zie­hen, auch wenn sie gar nicht will. Sohn Mi­chel soll sie da­von über­zeu­gen, auch wenn er gar nicht will. So be­ginnt der Rei­gen aus Not­lü­gen und Miss­ver­ständ­nis­sen. Am En­de kön­nen nur noch zwei rich­tig mit­ein­an­der re­den. Ro­main, der so vie­le Fra­gen ans Le­ben hat, und sei­ne ab­ge­klär­te Oma, die auf die meis­ten ei­ne Ant­wort weiß.

Wer in der Ver­fil­mung von Da­vid Fo­en­ki­nos Best­sel­ler „Les Sou­ve­nirs“auf den Po­in­ten­schatz oder den Tief­gang fran­zö­si­scher Hits wie „Heu­te bin ich Sam­ba“oder „Ziem­lich bes­te Freun­de“hofft, wird ent­täuscht sein. „Zu En­de ist al­les erst am Schluss“ist ein Film, der nett und bei­läu­fig, aber oh­ne ko­mö­di­an­ti­schen Biss die jo­ie de vi­v­re fei­ert.

Wenn Ro­main eins von sei­ner Groß­mut­ter ler­nen kann, ist es die Fä­hig­keit, im Hier und Jetzt zu le­ben, an­statt stän­dig nur Ver­gan­gen­heit und Zu­kunft aus­zu­leuch­ten. Die 85-Jäh­ri­ge macht es vor, in­dem sie aus dem ver­hass­ten Al­ters­heim ab­haut und die hal­be Fa­mi­lie zwingt, sie zu su­chen. Ein paar zau­ber­haf­te Mo­men­te fal­len Re­gis­seur Je­an-Paul Rouve in die­ser zwei­ten Film­hälf­te schon ein. Et­wa wenn Ro­main und Ma­de­lei­ne den Ma­ler ei­nes scheuß­li­chen Al­ters­heim-Ge­mäl­des be­su­chen, ein­fach um zu se­hen, was für ein Mensch Hun­de malt, die wie Yaks aus­se­hen. Oder wenn der ver­zwei­fel­te Mi­chel, von Mi­chel Blanc als ei­ne Art re­du­zier­ter Lou­is de Fun­ès an­ge­legt, auf der Su­che nach sei­ner Mut­ter psy­cho­lo­gi­sche Hil­fe beim wei­ses­ten Tank­wart der jün­ge­ren Ki­no­ge­schich­te be- kommt. Des­sen Rat­schlä­ge – „Geht’s in der Ge­gen­wart nicht mehr wei­ter, muss man die Zu­kunft mit der Ver­gan­gen­heit auf­tan­ken“– klin­gen zwar nach plat­ten Ka­len­der­sprü­chen. Doch sie sor­gen für spon­ta­ne La­cher in ei­ner Ko­mö­die, die an­sons­ten ziel­los da­hin treibt. Als Feel­good-Film macht „Zu En­de ist al­les erst am Schluss“nicht glück­lich. Aber er er­zählt ziem­lich ehr­lich da­von, wie ei­ne Fa­mi­lie in schwie­ri­gen Zei­ten zu­sam­men­wach­sen kann, statt zu zer­bre­chen. Je­an-Paul Rouve:

FO­TO: VER­LEIH

An­nie Cor­dy mit Ma­thieu Spi­no­si.

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