Sport­ler ma­chen Platz für Asyl­be­wer­ber

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON PE­TER JANSSEN

Das Trai­ning fällt aus, der Meis­ter­schafts­be­trieb muss neu or­ga­ni­siert wer­den: Die Un­ter­brin­gung der Flücht­lin­ge stellt Ver­ei­ne vor gro­ße Pro­ble­me. Schü­ler wer­den für den Sport­un­ter­richt mit Bus­sen zu an­de­ren Schu­len ge­fah­ren.

KLE­VE Die Vor­freu­de auf die neue Sai­son war groß, doch hat sich die­se merk­lich ein­ge­trübt. Be­son­ders bei Ge­org Kas­ten (55). Kas­ten spielt seit 35 Jah­ren Hand­ball beim VfL Mer­kur Kle­ve und lei­tet der­zeit die Ab-

Heinz-Bernd West­er­hoff tei­lung, die et­wa 100 Mit­glie­der hat. Sein gro­ßes Pro­blem: Er weiß nicht, wo die Da­men- und B-Ju­gend­Mann­schaft des Ver­eins ih­re Heim­spie­le aus­tra­gen sol­len. Seit Be­ginn des Schul­jahrs dient die Kel­le­ner Sport­hal­le am Kon­rad-Ade­nau­erGym­na­si­um als Not­un­ter­kunft für 150 Flücht­lin­ge. Die Hal­le war Spie­lund Trai­nings­stät­te der Hand­bal­ler.

Nach­dem klar war, dass die Sport­hal­le dem VfL mo­na­te­lang nicht zur Ver­fü­gung steht, be­gann man beim VfL zu ro­tie­ren. Zu­nächst muss­ten die Meis­ter­schafts­spie­le ver­legt wer­den. Da­zu ge­hört: Hand­ball­kreis in­for­mie­ren, geg­ne­ri­sche Mann­schaf­ten und Schieds­rich­ter neu ein­ge­la­den. Nur dumm, dass die Mer­ku­ria­ner als Aus­weich­hal­le die des Be­rufs­kol­legs am Wei­ßen Tor aus­ge­sucht hat­te. Dort sind in­zwi­schen eben­falls Asyl­be­wer­ber ein­ge­zo­gen. Statt ge­turnt, wird dort nun auch ge­wohnt.

„Wir ha­ben auch kaum Mög­lich­kei­ten or­dent­lich zu trai­nie­ren und kämp­fen um je­de Hal­len­zeit. Lö- sun­gen gibt es noch nicht“, sagt Kas­ten. Sein Pro­blem ist: So vie­le Groß­raum­turn­hal­len, in de­nen Hand­ball­spie­le aus­ge­tra­gen wer­den dür­fen, gibt es in der Um­ge­bung nicht. Er setzt sei­ne Hoff­nun­gen auf die Diet­mar-Mül­ler-Hal­le in Bedburg-Hau. Doch sei­en mit den Vol­ley­bal­lern der SV Bedburg-Hau so­wie den Hand­bal­lern des Ver­eins schon zwei Ab­tei­lun­gen in der Turn­hal­le un­ter­wegs, die dort auch um Punk­te spie­len, so Kas­ten.

Der 55-Jäh­ri­ge sieht zu­dem ein wei­te­res Pro­blem auf sei­ne Ab­tei­lung zu­kom­men. „In die Kel­le­ner Hal­le ist kein Schutz für den Bo­den ver­legt wor­den. Wenn dort kei­ne Men­schen mehr un­ter­ge­bracht sind, dürf­ten dort noch Re­pa­ra­turo­der Aus­bes­se­rungs­maß­nah­men fol­gen“, sagt Kas­ten.

Ne­ben den Hand­bal­lern sind die Bad­min­ton­spie­ler des BC Kle­ve durch die Be­le­gung der Kel­le­ner Hal­le ex­trem be­trof­fen. Trai­nings­zei­ten wur­den auf ver­schie­de­ne Hal­len in un­ter­schied­li­che Kom­mu­nen ver­teilt. Ein Teil spielt in Kes­sel, an­de­re in Kranenburg oder Rin­dern, die Meis­ter­schafts­spie­le sol­len in Kal­kar aus­ge­tra­gen wer­den.

BC-Ge­schäfts­füh­rer Achim Heynen (34) be­fürch­tet, dass die feh­len­den Trai­nings­zei­ten sich kei­nes­falls po­si­tiv auf die Leis­tung der Ak­ti­ven aus­wir­ken. Ein wei­te­res Pro­blem kön­ne sein, dass Spie­ler den Ver­ein ver­las­sen wür­den. Aus der Se­rie: Wenn ich schon nach Kranenburg fah­re und es dort nett ist, war­um soll ich dann beim BC Kle­ve Mit­glied blei­ben und mei­nem Bei­trag dort zah­len. 140 Mit­glie­der hat der Badminton-Club Kle­ve der­zeit. Der Ge­schäfts­füh­rer hofft, dass es die auch noch sein wer­den, wenn wie­der in Kel­len trai­niert wer­den kann. Sor­gen be­rei­tet ihm auch der Nach­wuchs. „Wenn die Kin­der nicht auf aus­rei­chend Spiel­zei­ten kom­men, könn­ten ei­ni­ge auf die Idee kom­men, dass Fuß­ball auch ei­ne in­ter­es­san­te Sport­art ist“, sagt Heynen.

We­sent­lich ent­spann­ter be­wer­ten die Schu­len die La­ge, die auf­grund der be­leg­ten Sport­hal­len ent­stan­den ist. Heinz-Bernd West­er­hoff, stell­ver­tre­ten­der Lei­ter des Kon­ra­dA­de­nau­er-Gym­na­si­ums, sagt: „An­de­re Schu­len ha­ben Zei­ten für uns frei­ge­schau­felt. Die Dop­pel­stun­den Sport fin­den jetzt am St­ein-Gym­na­si­um oder der Karl-Kis­ters-Re­al­schu­le statt.“Die drit­te Sport­wo­chen­stun­de wür­de als Lern­zeit et­wa für Haus­auf­ga­ben ge­nutzt. Doch ist der lo­gis­ti­sche Auf­wand für den aus­ge­la­ger­ten Un­ter­richt enorm. Sport­leh­rer Klaus Hol­lands er­klärt, dass den KAG-Schü­lern et­wa 60 Mi­nu­ten Sport­un­ter­richt in der Wo­che blei­ben wür­den. Der Rest der Dop­pel­stun­de und teil­wei­se Pau­sen ge­hen für An- und Ab­fahrt drauf.

Am Be­rufs­kol­leg muss für die Schü­ler, bei de­nen Sport ein prü­fungs­re­le­van­tes Fach ist, auf je­den Fall ei­ne Al­ter­na­ti­ve ge­schaf­fen wer­den. Be­trof­fen sei­en hier die be­ruf­li­chen Gym­na­si­en, so Schul­lei­ter Pe­ter Wolters. „Die Pla­nun­gen lau­fen. Wir wol­len Hal­len in Bedburg-Hau, die Mehr­zweck­hal­le Ma­ter­born eben­so nut­zen wie die Hal­le ei­nes pri­va­ten An­bie­ters“, sagt Wolters. Da die Sport­no­te ei­ne Aus­wir­kung auf den Abi­schnitt ha­be, müs­se das Fach un­ter­rich­tet wer­den, so der Di­rek­tor. Bei Schü­lern, die die Be­rufs­schu­le im Rah­men des Dua­len Sys­tem be­su­chen, al­so ei­ne klas­si­sche Leh­re ab­sol­vie­ren, dürf­te feh­len­der Sport­un­ter­richt nicht zu grö­ße­ren Pro­tes­ten füh­ren. Nicht we­ni­ge Ar­beit­ge­ber se­hen der Lei­bes­er­tüch­ti­gung im Rah­men der Aus­bil­dung oh­ne­hin eher mit ge­misch­ten Ge­füh­len ent­ge­gen.

„An­de­re Schu­len ha­ben Zei­ten für uns

frei­ge­schau­felt“

Kon­rad-Ade­nau­er-Gym­na­si­um

RP-AR­CHIV­FO­TO: GOTT­FRIED EVERS

Trai­nie­ren kön­nen Kle­ver Sport­ler in der gro­ßen Hal­le am Kon­rad-Ade­nau­er-Schul­zen­trum der­zeit nicht mehr – dort sind Feld­bet­ten für et­wa 150 Flücht­lin­ge auf­ge­stellt wor­den.

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