Che­mie-No­bel­preis für Zell­re­pa­ra­tur

Rheinische Post Goch - - KULTUR - VON RAI­NER KURLEMANN

DÜSSELDORF Die Zel­len des mensch­li­chen Kör­pers be­fin­den sich stän­dig in Re­pa­ra­tur. Denn das wich­tigs­te Ele­ment für das Über­le­ben ei­ner Kör­per­zel­le ist feh­ler­an­fäl­lig: Es ist die DNA, der ge­ne­ti­sche Co­de des Erb­guts, der in je­der Zel­le vor­han­den ist und ih­re Auf­ga­ben steu­ert. Selbst ein win­zi­ger Feh­ler im Erb­gut (Mu­ta­ti­on) kann fa­ta­le Kon­se­quen­zen ha­ben. Die Zel­le kann ih­re Auf­ga­ben nicht mehr er­fül­len, häu­fig stirbt sie ab. Manch­mal ver­wan­delt der Feh­ler ei­ne ge­sun­de Zel­le in ei­ne Krebs­zel­le.

Die drei Wis­sen­schaft­ler, die in die­sem Jahr den Che­mie-No­bel­preis be­kom­men, ha­ben die natürlichen Mecha­nis­men auf­ge­klärt, mit de­nen Zel­len ih­re ei­ge­ne DNA re­pa­rie­ren kön­nen. Der Schwe­de To­mas Lin­dahl (77) ar­bei­tet am Fran­cisC­rick-In­sti­tut in Lon­don. Die bei­den an­de­ren Preis­trä­ger for­schen in North Ca­ro­li­na in den USA. Paul Mod­rich (69) am Ho­ward Hug­hes Me­di­cal In­sti­tu­te Dur­ham, der Tür­ke Aziz San­car (69) an der Uni­ver­si­ty of North Ca­ro­li­na in Cha­pel Hill. Zum ers­ten Mal geht ein No­bel­preis für Na­tur­wis­sen­schaf­ten an ei­nen tür­ki­schen For­scher.

Zel­len ste­hen stän­dig un­ter Stress. Feh­ler in der DNA sind ganz na­tür­lich, sie tre­ten täg­lich hun­dert­fach auf. Und sie ha­ben sehr vie­le Aus­lö­ser. Das kön­nen ex­ter­ne Fak­to­ren sein, aber auch kör­per­ei­ge­ne Feh­ler. Das von Aziz San­car ana­ly­sier­te Ver­fah­ren ver­wen­den Zel­len nach ei­ner Be­schä­di­gung, wie sie bei­spiels­wei­se durch Strah­lung, das UV-Licht der Son­ne, Um­welt­gif­te oder Zi­ga­ret­ten­rauch ent­ste­hen. Paul Mod­rich ent­deck­te die Re­pa­ra­tur­me­cha­nis­men nach ei­ner feh­ler­haf­ten Zell­tei­lung. Denn da- mit der mensch­li­che Kör­per funk­tio­niert, müs­sen Zel­len sich stän­dig tei­len. Weil das so oft pas­siert, ent­ste­hen auch Feh­ler: Bei ei­ner von ei­ner Mil­li­on Zell­tei­lun­gen be­sitzt die neue Zel­le ei­ne feh­ler­haf­te DNA, die re­pa­riert wer­den muss. Auch To­mas Lin­dahls For­schung be­schäf­tigt sich mit der Re­pa­ra­tur von natürlichen DNA-Schä­den. Denn das Mo­le­kül mit der Erb­in­for­ma­ti­on ist al­lein we­gen sei­ner Grö­ße bei wei­tem nicht so sta­bil, wie man glau­ben soll­te. Im­mer wie­der zer­brö­seln ein­zel­ne Baustei­ne oder zer­bre­chen wich­ti­ge Bin­dun­gen.

Die Wis­sen­schaft­ler hof­fen, dass ih­re Er­geb­nis­se in der Me­di­zin An­wen­dung fin­den. Denn wenn die Re­pa­ra­tur ei­ner Zel­le nicht funk­tio­niert, wird ihr Be­sit­zer krank. Mög­li­cher­wei­se las­sen sich die an der Re­pa­ra­tur be­tei­lig­ten En­zy­me und Pro­te­ine künf­tig als Me­di­ka­ment ver­wen­den. Ih­re Ent­de­ckun­gen be­tref­fen nicht nur mensch­li­che Zel­len, son­dern gel­ten glei­cher­ma­ßen für Tie­re und Pflan­zen.

Zum ers­ten Mal ist

ein tür­ki­scher Wis­sen­schaft­ler un­ter den No­bel­preis­trä­gern

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