In­nen­an­sich­ten der Ma­fia

Rheinische Post Goch - - FERNSEHEN -

Auf den Ver­bre­chen der Ca­mor­ra, Macht, Dro­gen, Blut und Geld baut die TV-Se­rie „Go­mor­rha“auf.

BERLIN (dpa) Ro­he, ge­sichts­lo­se Be­ton­bur­gen, vor de­ren Fens­tern Wä­sche hängt. Park­decks, Tief­ga­ra­gen und Spiel­höl­len, in de­nen die Tris­tesse lun­gert. In Stra­ßen oh­ne or­dent­li­che In­fra­struk­tur knallt tags­über die Son­ne. Nachts, wenn künst­li­che Lich­ter glit­zern, wird hier sehr ver­siert ge­mor­det – Schie­ße­rei­en, bren­nen­de Au­tos und Woh­nun­gen le­gen da­von Zeug­nis ab. Scam­pia, nörd­lichs­ter, her­un­ter­ge­kom­me­ner Stadt­teil an der Pe­ri­phe­rie von Sü­dita­li­ens Nea­pel, gilt als größ­ter Dro­gen­su­per­markt Eu­ro­pas, das Ge­schäft fest in der Hand von Fa­mi­li­en­clans der Ver­bre­cher­or­ga­ni­sa­ti­on Ca­mor­ra.

Ei­ner, der sich to­des­mu­tig ge­traut hat, Licht in de­ren or­ga­ni­sa­to­ri­sche und wirt­schaft­li­che Struk­tu­ren so­wie ih­re Ver­flech­tung mit der Lo­kal­po­li­tik zu brin­gen, ist der Schrift­stel­ler und Jour­na­list Ro­bert Sa­via­no. Seit Er­schei­nen sei­nes Fak­ten­ro­mans „Go­mor­rha“(2006) steht der viel­fach ge­ehr­te Au­tor des­halb un­ter Per­so­nen­schutz des ita­lie­ni­schen In­nen­mi­nis­te­ri­ums. Nach Sze­nen dar­aus wur­de die ita­lie­ni­sche, fik­ti­ve Fern­seh­se­rie „Go­mor­rha“pro­du­ziert.

Ham­mer­hart, bei gern un­flä­ti­ger Wort­wahl, geht es in Fol­ge eins gleich los: Da wischt Clan­chef Don Pie­tro Sa­va­s­ta­no (Fort­u­n­a­to Cer­li­no) – Bril­len­trä­ger mitt­le­ren Al­ters mit Bu­si­ness­man-Ha­bi­tus – sei­nem jun­gen Ri­va­len Sal­va­to­re Con­te (Mar­co Pal­vet­ti) eins aus, der ihm im Dro­gen­han­del in die Que­re kommt. Er lässt die Woh­nung, wo die­ser ge­ra­de mit sei­ner Mut­ter zu Abend isst, in Flam­men set­zen. Die Re­tour­kut­sche: Con­te be­schießt Sa­va­s­ta­nos Lieb­lings­bar, rich­tet ein Blut­bad an, bei dem nur ei­ner über­lebt: Ci­ro (Mar­co d’Amo­re), Sa­va­s­ta­nos rech­te Hand. Die un­ru­hi­gen Macht­ver­hält­nis­se bei­der Clans prä­gen die Sto­ry, wo­bei auch Pie­tros Sohn (Sal­va­to­re Ex­po­si­to) und Frau (Ma­ria Pia Cal­zo­ne) Am­bi­tio­nen ha­ben. Ein wech­sel­haf­ter Fa­mi­li­en- sinn sticht bei al­le­dem ge­nau­so ins Au­ge wie die Ge­wohn­heit, mit den Kin­dern bei Tisch zu be­ten oder das Kreuz an der Hals­ket­te zu küs­sen.

Vor Ort ge­dreht nach Scripts, an de­nen Sa­via­no mit­wirk­te, sind in gran­dio­sen Bil­dern In­nen­an­sich­ten der Ma­fia zu er­le­ben. Al­les soll der Wirk­lich­keit ent­stam­men – ar­ran­giert mit Fan­ta­sie, aber oh­ne Dun­kel-Ro­man­tik.

„Go­mor­rha“, Ar­te, 21 Uhr

FO­TO: ZDF

Ma­fia­boss Pie­tro Sa­va­s­ta­no (Fort­u­n­a­to Cer­li­no) und sei­ne Frau Im­ma­co­la­ta (Ma­ria Pia Cal­zo­ne) ste­hen an der Spit­ze ei­nes rie­si­gen Im­pe­ri­ums.

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