Brett­spie­le müs­sen nicht flach sein

Rheinische Post Goch - - PANORAMA - VON OLI­VER BURWIG

Rund 160.000 Be­su­cher er­war­ten die Ver­an­stal­ter der welt­größ­ten Mes­se für Ge­sell­schafts­spie­le in den kom­men­den Ta­gen. Auf der „Spiel 2015“gibt es Klas­si­ker in neu­em Ge­wand, Neu­hei­ten be­kann­ter Spie­le­au­to­ren und vie­le 3D-Spie­le.

ES­SEN Gä­be es ei­nen Olymp der deut­schen Brett­spie­le, wä­re Klaus Teu­ber der Zeus. Der Er­folgs­au­tor er­fand vor 20 Jah­ren „Die Sied­ler von Ca­tan“, das mit 22 Mil­lio­nen ver­kauf­ten Aus­ga­ben zu den be­lieb­tes­ten Spie­len welt­weit zählt. Ge­mein­sam mit sei­nem Sohn Benjamin stell­te Teu­ber zur Er­öff­nung der größ­ten Spie­le­mes­se „Tu­mult Roy­al“vor – das schnel­le Stra­te­gie­spiel, bei dem Ade­li­ge ih­re Un­ter­ta­nen um Wa­ren er­leich­tern, soll nicht die letz­te Ko­ope­ra­ti­on der bei­den sein. Zur „Ca­tan“-Ju­bi­lä­ums­fei­er gibt es auf der „Spiel 2015“am Sams­tag zu­dem et­was Be­son­de­res für Fans, die schon al­les ha­ben: ei­nen Welt­re­kord­ver­such, bei dem 1000 Spie­ler gleich­zei­tig an ei­ner In­sel bau­en. Die Teil­neh­mer be­kom­men zur Be­loh­nung ex­klu­si­ve Spiel­fi­gu­ren und Ak­ti­ons­kar­ten – und sie dür­fen mit dem Er­fin­der ge­mein­sam spie­len.

Ei­ne Welt jen­seits von Di­gi­ta­li­sie­rung und flim­mern­den Bild­schir­men bie­tet die Mes­se „Spiel“in Es­sen. Bis Sonn­tag prä­sen­tie­ren dort 900 Aus­stel­ler aus 40 Na­tio­nen mehr als 1000 neue Ge­sell­schafts­spie­le. Zu den Hö­he­punk­ten ge­hö­ren ne­ben Au­to­ren- und an­spruchs­vol­len Stra­te­gie­spie­len auch Brett­spie­le, die nicht mehr flach sind, son­dern auch das räum­li­che Den­ken för­dern. Der Trend der ver­gan­ge­nen Jah­re, Apps in die Spie­le mit ein­zu­bin­den, ist da­ge­gen kaum noch spür­bar.

Mit mehr als 50 ver­öf­fent­lich­ten Spie­len ge­hört ne­ben Teu­ber auch Frie­de­mann Frie­se zu den wich­ti­gen Fi­gu­ren der Brett­spiel­sze­ne. Sei­ne neue Er­fin­dung „504“soll eben­so vie­le Spie­le in sich ver­ei­nen, will aber kei­ne Spie­le­samm­lung sein: Es gibt nur ei­ne An­lei­tung, das Spiel setzt sich aus ver­schie­de­nen Mo­du­len zu­sam­men, die je nach Kom­bi­na­ti­on ein Auf­bau-, Kriegs­oder Lo­gis­tik­spiel er­ge­ben.

Tra­di­tio­nell wird bei der Es­se­ner Mes­se auch der „Deut­sche Spie­le Preis“ver­lie­hen. In der Ka­te­go­rie „Bes­tes Ge­sell­schafts­spiel für Fa­mi­li­en und Er­wach­se­ne“geht die Aus­zeich­nung an „Auf den Spu­ren von Mar­co Po­lo“. Das Spiel­feld bil­det Han­dels- und Rei­se­rou­ten des Mit- tel­al­ters in Eu­ro­pa und Asi­en ab, auf de­nen bis zu vier Spie­ler ver­su­chen, Auf­trä­ge zu er­fül­len und wert­vol­le Wa­ren zu be­kom­men. „Das ist ein ty­pi­sches Ger­man Ga­me“, sagt Ver­an­stal­te­rin Do­mi­ni­que Metz­ler vom Merz-Ver­lag. „Es geht um die rich­ti­ge Stra­te­gie, we­ni­ger um Glück.“Die Cha­rak­te­re sind da­bei his­to­risch be­leg­te Fi­gu­ren, über die man im Spiel al­ler­dings we­nig er­fährt.

Als bes­tes Kin­der­spiel be­kam auch „Spin­de­rel­la“ei­ne Aus­zeich­nung für ein be­son­ders in­no­va­ti­ves, mehr­di­men­sio­na­les Spiel­prin­zip: Auf der un­te­ren Ebe­ne zie­hen Amei­sen, auf der obe­ren Spin­nen, die es auf sie ab­ge­se­hen ha­ben. Für Kin­der ab sechs Jah­ren ist das im Fe­bru­ar er­schie­ne­ne Brett­spiel ei­ne Her­aus­for­de­rung, die räum­li­ches Den­ken er­for­dert. Nied­li­ches De­tail: Die Spin­ne frisst die Amei­sen laut An­lei­tung nicht, son­dern „will nur spie­len“und sie zu­rück an den Start­punkt brin­gen.

Ganz oh­ne Kon­flik­te kommt Wil­ma Mul­ders Spie­le-De­büt „360 Sto­ries“aus. Statt ei­nen Kon­kur­renz­kampf aus­zu­tra­gen, müs­sen die Spie­ler sich ge­gen­sei­tig Ge­schich­ten er­zäh­len. „Das ist toll, um Un­ter­hal­tun­gen zu be­gin­nen“, fin­det die Nie­der­län­de­rin. Eben­falls ein Neu­ling un­ter den Spie­leer­fin­dern ist Mau­ricio Gó­mez Alon­so. Der 25jäh­ri­ge Ma­the­ma­tik­stu­dent hat­te schon als Kind vie­le Ide­en, wie sich

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