Frisch ge­zapf­tes Müh­len­bier aus Kal­kar

Rheinische Post Goch - - ZUHAUSE IN KALKAR - VON MO­NI­KA HART­JES

Kal­kar war um 1500 ei­ne Braue­rei-Hoch­burg. Es gab 42 öf­fent­li­che Braue­rei­en, jähr­lich wur­de fast 1200 Mal Bier ge­braut heu­te wird noch ein dunk­les un­ter­gä­ri­ges Bier ge­braut. Na­tur­trüb und von Ken­nern hoch ge­schätzt.

KAL­KAR Spei­sen und Ge­trän­ke aus der Re­gi­on ge­nie­ßen - das ist Hei­mat. Dass in Kal­kar ein ei­ge­nes Bier ge­braut wird, ist vie­len nicht be­kannt. Das dunk­le un­ter­gä­ri­ge Müh­len­bier wird nur in klei­nen Men­gen im Brau­haus Kal­ka­rer neu er­rich­te­ten Back­haus auf dem Müh­len­ge­län­de zu Brot ge­ba­cken. Im Ne­ben­ge­bäu­de ist die Fa­mi­li­en­bil­dungs­stät­te un­ter­ge­bracht und in der ehe­ma­li­gen Scheu­ne be­fin­det sich die Gast­stät­te, die ne­ben ei­ner her­vor­ra­gen­den Kü­che auch Bier aus der ei­ge­nen Braue­rei bie­tet. Gas­tro­no­mie und Bä­cke­rei sind ver­pach­tet, wo­bei die Fa­mi­li­en­bil­dungs­stät­te das Brot­ba­cken wie­der auf­le­ben las­sen will. Müh­len­be­trieb und Braue­rei wer­den von eh­ren­amt­li­chen Hel­fern be­trie­ben.

„Kal­kar war um 1500 ei­ne Braue­rei-Hoch­burg. Es gab 42 öf­fent­li­che Braue­rei­en, jähr­lich wur­de fast 1200 Mal Bier ge­braut“, er­zählt Schwa­ya. Da­zu be­nö­tig­te man 8500 Sack Malz, dar­aus ent­stan­den rund 4000 Fäs­ser Bier. Ne­ben den öf­fent­li­chen gab es noch pri­va­te Braue­rei­en: Die Ar­men, das Hos­pi­tal und Geist­li­che durf­ten das Hop­fen­ge­tränk her­stel­len. „Es gibt da ei­ne net­te An­ek­do­te: Im Kal­ka­rer Archiv liegt ein al­tes Tes­ta­ment, in dem ein Vi­kar Brau­kes­sel und Zu­be­hör an sei­nen Nach­fol­ger ver­mach­te“, be­rich­tet der Braue­rei­lei­ter.

Bei Füh­run­gen er­zählt er, wie das Bier ge­braut wird. Un­ter An­lei­tung des di­plo­mier­ten Brau­meis­ters Win­fried Jä­ger aus Vy­nen brau­en die Brau­hel­fer durch­schnitt­lich zwei Mal in der Wo­che. Beim „Mäl- zen“wer­den Ge­trei­de­kör­ner ge­wäs­sert, sie kei­men bei 17 bis 18 Grad. Da­nach wird die Mas­se „ge­darrt“, al­so ge­rös­tet - für hel­les Bier bei et­wa 80 Grad, für dunk­les bei 100 bis 110 Grad Hit­ze. Die Far­be des Bie­res ist ab­hän­gig vom ver­wen­de­ten Röst­malz. Nach dem Ent­fer­nen von Wur­zeln und Keim­blät­tern wird der „Darr­malz“ge­schro­tet, al­so grob zer­klei­nert.

Dann geht es ans „Mai­schen“: Dem ge­schro­te­ten Malz wird Was­ser zu­ge­ge­ben, die Mai­sche kommt in den glän­zen­den Kup­fer­kes­sel des Brau­hau­ses. Durch das Er­hit­zen fin­det die Zu­cker­um­wand­lung statt. Die Mai­sche wird da­nach ge­fil­tert. Die dann ent­ste­hen­de „Bier­wür­ze“ko­chen die Brau­hel­fer mit Hop­fen auf, be­vor die rund 90 Grad hei­ße Flüs­sig­keit über Lei­tun­gen in den Kel­ler fließt, wo sie über ei­ne Plat­ten­küh­lung auf zehn Grad ge­kühlt wird und in den Tank ein­ge­lei­tet wird.

Dort war­tet die He­fe, die den letz­ten Pro­zess der Ver­gä­rung ein­lei­tet. Nach zwei bis drei Wo­chen ist das Bier fer­tig und kann in Fäs­ser ab­ge­füllt wer­den. Größ­te Sorg­falt wird wäh­rend des Her­stel­lungs­pro­zes­ses auf Sau­ber­keit und die stän­di­ge Kon­trol­le ge­legt. „Wer schlech­tes Bier ge­braut hat­te, der wur­de frü­her hart be­straft und an den Pran­ger ge­stellt“, er­zählt Schwa­ya.

Bier­ken­ner schät­zen die Kal­ka­rer Bier-Spe­zia­li­tät. Doch das Müh­len­bier wird nur im Brau­haus Kal­ka­rer Müh­le — frisch vom Fass — aus­ge­schenkt.

RP-FO­TOS (2): KLAUS-DIE­TER STA­DE

Wal­ter Schwa­ya, Lei­ter der Braue­rei in Kal­kar, bei der Ar­beit.

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