Gil­ga­mesch als Mu­si­cal der Mu­sik­schü­ler

Rheinische Post Goch - - KREIS KLEVE – REGIONAL - VON AN­JA SETTNIK

Der My­thos über den eins­ti­gen Kö­nig aus Me­so­po­ta­mi­en bie­tet viel Raum für In­ter­pre­ta­tio­nen. Mu­sik, Tanz und Schau­spie­le­rei in den Fe­ri­en. Auf­füh­rung heu­te ab 19 Uhr in der Au­la der Se­kun­dar­schu­le. Kar­ten an der Abend­kas­se.

KREIS KLE­VE In den Fe­ri­en frei­wil­lig zur Schu­le? War­um nicht, wenn der ein­zi­ge ge­nutz­te „Klas­sen­raum“die Au­la ist: ei­ne Büh­ne, ein Zu­schau­er­raum, Mu­sik und krea­ti­ves Cha­os. Die Kreis­mu­sik­schu­le hat­te auch für die­se Herbst­fe­ri­en wie­der „Mu­si­cal­fe­ri­en“an­ge­bo­ten; 34 Kin­der, dar­un­ter im­mer­hin drei Jun­gen, mel­de­ten sich an.

Am heu­ti­gen Don­ners­tag ist in der Au­la der Se­kun­dar­schu­le Kle­ve an der Acker­stra­ße die Auf­füh­rung des ge­sun­ge­nen und ge­tanz­ten Stü­ckes „Gil­ga­mesch“. Sie be­ginnt um 19 Uhr, Kar­ten zu sie­ben Eu­ro (er­mä­ßigt vier Eu­ro) gibt es noch an der Abend­kas­se.

Die Ge­schich­te um Gil­ga­mesch ist min­des­tens so aben­teu­er­lich wie der Na­me klingt. Mehr als drei­ein­halb­tau­send Jah­re ist es her, dass Gil­ga­mesch, falls es ihn gab, im Ge­biet von Me­so­po­ta­mi­en als Kö­nig leb­te. Auch, wenn er nur ein My­thos war: In der su­me­ri­schen Stadt Uruk soll er re­giert, die Bür­ger drang­sa­liert und vie­le Hel­den­ta­ten ver­bracht ha­ben. Sein Plan sei so­gar ge­we­sen, den Tod zu über­win­den, heißt es. Das Epos gilt als ei­nes der äl­tes­ten Stü­cke der Welt­li­te­ra­tur. Zu­sätz­lich zu sei­nem mensch­li­chen We­sen wer­den Gil­ga­mesch auch gött­li­che At­tri­bu­te zu­ge­schrie­ben. Für die Schü­ler, die sich in die­sen Ta­gen in Kle­ve mit dem Stoff be­fas­sen, ist nur re­le­vant, dass Gil­ga- mesch ein Ty­rann war, ein grau­sa­mer Herr­scher, „der je­doch ir­gend­wann ein­se­hen muss, dass man

Tho­mas Dieckmann nicht ge­gen das Volk re­gie­ren kann“, sagt Tho­mas Dieckmann als Lei­ter der Mu­sik­schu­le.

Die wich­tigs­ten Rol­len, zu de­nen ne­ben der Ti­tel­fi­gur auch Tier­mensch En­ki­du und der schreck­li­che Dra­che Chum­ba­ba ge­hö­ren, wur­den gleich zu Be­ginn ver­ge­ben. „Die Ent­täu­schung dar­über, dass nicht je­der ei­ne Haupt­rol­le spie­len kann, war schnell über­wun­den, denn na­tür­lich ler­nen die jun­gen Teil­neh­mer, dass es auf je­den ein­zel­nen Ak­teur an­kommt“, sagt Dieckmann schmun­zelnd. Auch war schnell ge­klärt, wer als So­list ge­eig­net, ist, bes­ser im Chor singt oder sich aufs Tan­zen oder Schau­spie­lern kon­zen­triert.

Für die 16-jäh­ri­ge Il­va, die seit Jah­ren Ge­s­angs­un­ter­richt nimmt, war von Be­ginn an klar, was ihr Part sein wür­de – das Sin­gen na­tür­lich. Ge­nau­so, wie die drei Jungs Lau­renz, Ben und Ar­ne „na­tür­lich“Ra­pTän­zer sind. „Wir sind hier so­fort bes­te Freun­de ge­wor­den, weil wir die ein­zi­gen Jun­gen bei dem Pro­jekt sind“, er­klärt Lau­renz, Schü­ler am Frei­herr-von-St­ein-Gym­na­si­um. Die Mäd­chen und Jun­gen kom­men aus dem ge­sam­ten Nord­kreis und wur­den auf das An­ge­bot oft über äl­te­re Ge­schwis­ter auf­merk­sam. Et­wa die Häfl­te von ih­nen be­sucht auch die Kreis­mu­sik­schu­le.

Schon nach drei Übungs­ta­gen wa­ren die Do­zen­tin­nen El­ke Wel­zJans­sen, Fran­zis­ka Dieckmann und El­la Lich­ten­ber­ger sehr zu­frie­den. Die Neun- bis 16-Jäh­ri­gen ha­ben ih­re Hem­mun­gen ab­ge­legt, ge­hen aus sich raus, trau­en sich zu im­pro­vi­sie­ren. Sie zei­gen als Tie­re ih­re Kral­len, fau­chen, sprin­gen oder be­we­gen sich im Vier­füß­ler­gang. Was das al­les zu be­deu­ten hat, soll­te heu­te sicht­bar wer­den.

„Kein Herr­scher kann auf Dau­er ge­gen sein

Volk re­gie­ren“

Lei­ter der Kreis­mu­sik­schu­le

RP-FO­TO: KLAUS-DIE­TER STA­DE

Neun bis 16 Jah­re alt sind die drei Jun­gen und viel mehr Mäd­chen, die heu­te bei der „Gil­ga­mesch“-Auf­füh­rung das Pu­bli­kum in Bann schla­gen wol­len.

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