Götze hat die Lo­cker­heit wie­der­ge­fun­den

Rheinische Post Goch - - SPORT -

Der 23-Jäh­ri­ge hat sich beim FC Bay­ern durch­ge­setzt. Er spielt auch im Na­tio­nal­team ei­ne wich­ti­ge Rol­le.

DU­BLIN (pet) Am An­fang steht ein Satz. Ma­rio Götze hat ihn im Som­mer ge­sagt. Er lau­tet: „Ich will hier­blei­ben, ich set­ze mich hier durch.“Da­mit be­geg­ne­te der Na­tio­nal­spie­ler al­len Be­mü­hun­gen von Ju­ven­tus Tu­rin, ihn zum Wech­sel nach Ita­li­en zu be­we­gen. Und da­mit er­staun­te er vie­le, die Ju­ven­tus für den bes­ten Weg aus Göt­zes baye­ri­schem Di­lem­ma hiel­ten. Bei sei­nem Trai­ner Pep Guar­dio­la war der ver­meint­li­che Lieb­lings­schü­ler in ei­nem schlech­ten Münch­ner Früh­jahr zum Aus­hilfs­kell­ner ge­wor­den. Wenn er mal spiel­te, stimm­ten die Leis­tun­gen nicht. Sei­ne Kör­per­spra­che sen­de­te Si­gna­le ei­nes selt­sa­men, ver­wöhn­ten Jun­gen. Und der Satz, den er da sag­te, klang wie bil­li­ger Trotz.

Dann ka­men die Län­der­spie­le ge­gen Po­len und in Schott­land. Schon im Trai­ning gab es ei­nen an­de­ren Götze. Der selt­sa­me Jun­ge hat­te ei­nen Zeit­sprung zu­rück­ge­macht in die Jah­re vor sei­nem Wech­sel zu Bay­ern München. Er wirk­te lo­cker, er lach­te laut und of­fen, er er­in­ner­te auch äu­ßer­lich an das Dort­mun­der Wun­der­kind, das mit nicht mal 20 Jah­ren den Welt­fuß­ball er­staunt hat­te. Und es blieb nicht bei Äu­ßer­lich­kei­ten. Götze mach­te ein bril­lan­tes Spiel mit zwei To­ren ge­gen die Po­len, und er mach­te ein gu­tes Spiel beim 3:2 in Schott­land. „Das“, so ju­bel­te Bay­erns Sport­vor­stand Mat­thi­as Sam­mer, „hat­te sich schon bei uns im Trai­ning an­ge­deu­tet.“

Götze ist wie­der da. Bei der Na­tio­nal­elf, in der ihm Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw mit der Stamm­platz­ga­ran­tie in der Rol­le des spie­len­den Mit­tel­stür­mers die Lo­cker­heit gab, die er für sein Spiel of­fen­bar braucht. Und bei den Bay­ern, wo er nach An­sicht von Sam­mer für sechs Po­si­tio­nen in Fra­ge kommt: „Auf bei­den Flü­geln, als ech­te und als fal­sche Neun, als Zehn und in ein paar Jah­ren ein biss­chen wei­ter hin­ten.“

Löw setzt auch heu­te Abend beim EM-Qua­li­fi­ka­ti­ons­spiel in Du­blin ge­gen Ir­land (20.45 Uhr/RTL) auf die­sen of­fen­sicht­lich wie­der­er­weck­ten Kn­a­ben. „Der Ma­rio“, sagt Löw, „be­wegt sich wahn­sin­nig viel. Er gibt un­se­rem Spiel die Tie­fe.“Das wird not­wen­dig sein ge­gen die Iren, die ih­rem pro­mi­nen­ten Geg­ner si­cher nicht den Ge­fal­len ei­ner furcht­bar of­fe­nen Spiel­wei­se tun wer­den. Wie beim Hin­spiel in Gelsenkirchen, wo sie in letz­ter Mi­nu­te zum 1:1 aus­gli­chen, wer­den sie ver­su­chen,

das Mit­tel­feld und ih­ren Straf­raum zu ver­rie­geln und zu ver­ram­meln. Götze muss mit den Kol­le­gen den Schlüs­sel fin­den.

Er hat be­wie­sen, dass er das kann. Im Herbst 2015 scheint er auf dem Weg zu sein, das Ver­spre­chen ein­zu­lö­sen, das er bis 2013 in Dort­mund auf dem Platz ge­ge­ben hat­te. Das Ver­spre­chen, ei­nes der größ­ten deut­schen Ta­len­te al­ler Zei­ten zu sein.

Er­klär­te Für­spre­cher wie Löw und Sam­mer ha­ben das ge­hofft, manch­mal ge­ra­de­zu ver­zwei­felt. Zum Bei­spiel wäh­rend der WM. Als Löw den spä­te­ren Sieg­tor­schüt­zen im Fi­na­le ein­wech­sel­te, sag­te er zwar das in­zwi­schen le­gen­dä­re Wort: „Zeig der Welt, dass du bes­ser bist als Mes­si.“Ge­glaubt hat er es aber nicht.

Denn trotz des To­res ge­gen Ar­gen­ti­ni­en, das sei­ne Leis­tung in Bra­si­li­en ver­klärt, spiel­te Götze kein über­ra­gen­des Tur­nier. Und so rich­tig viel ge­lacht hat er auch nicht. Er wirk­te eher bla­siert und bei sei­nen öf­fent­li­chen Auf­trit­ten fremd­ge­steu­ert. Das al­les hat sich ge­än­dert. Nach die­sem ei­nen Satz.

FO­TO: DPA

Ma­rio Götze kann wie­der la­chen.

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