Fi­fa sperrt Blat­ter und Pla­ti­ni

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE - VON RO­BERT PE­TERS

Der Welt­fuß­ball­ver­band schließt sei­nen Prä­si­den­ten Sepp Blat­ter und des­sen Stell­ver­tre­ter, den Ue­fa-Chef Mi­chel Pla­ti­ni, für 90 Ta­ge von al­len na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Ak­ti­vi­tä­ten aus.

ZÜ­RICH Der Kor­rup­ti­ons­skan­dal im Fuß­ball-Welt­ver­band (Fi­fa) er­lebt sei­nen nächs­ten Hö­he­punkt. Ges­tern sperr­te die Ethik­kom­mis­si­on des Welt­ver­bands Fi­fa-Prä­si­dent Sepp Blat­ter und den Prä­si­den­ten der eu­ro­päi­schen Fuß­ball-Uni­on (Ue­fa), Mi­chel Pla­ti­ni. 90 Ta­ge lang sind bei­de Funk­tio­nä­re „von der Teil­nah­me an al­len na­tio­na­len und in­ter­na­tio­na­len Ak­ti­vi­tä­ten aus­ge­schlos­sen“. Die Sper­re steht auf je­den Fall in Zu­sam­men­hang mit den Er­mitt­lun­gen der Schwei­zer Staats­an­walt­schaft. Im Straf­ver­fah­ren ge­gen Blat­ter geht es um den Vor­wurf „un­ge­treu­er Ge­schäfts­be­sor­gung“und „treu­wid­ri­ger Zah­lung“.

Die bei­den Top-Funk­tio­nä­re sind we­gen ei­nes selt­sa­men Ge­schäfts­vor­gangs zwi­schen der Fi­fa und Pla­ti­ni of­fen­bar in Er­klä­rungs­not ge­ra­ten. 2011 über­wies der Ver­band rund 1,8 Mil­lio­nen Eu­ro an den Ue­fa-Prä­si­den­ten. Das sol­len Ho­no­ra­re für „Di­ens­te in den Jah­ren 1999 bis 2002“ge­we­sen sein. Zum ei­nen taucht die­se Sum­me nach In­for­ma­tio­nen der „Schwei­zer Sonn­tags­zei­tung“in den Fi­fa-Bi­lan­zen gar nicht auf, zum an­de­ren sind die Er­klä­rungs­ver­su­che von Blat­ter und Pla­ti­ni nach Mei­nung von Be­ob­ach­tern dürf­tig: Zu­nächst ei­nig­ten sich die bei­den auf die For­mu­lie­rung, sie hät­ten die Zah­lung schlicht ver­ges­sen. Dann fiel Pla­ti­ni ein, er ha­be 2002 auf die Über­wei­sung we­gen der schlech­ten Fi­nanz­la­ge der Fi­fa ver­zich­tet. Das stimmt of­fen­bar nicht – Blat­ter ver­kün­de­te 2002 ei­nen Ge­winn von gut 100 Mil­lio­nen Eu­ro. Hin­zu kommt die für die Er­mitt­ler be­mer­kens­wer­te Tat­sa­che, dass Pla­ti­ni 2011 bei den Ue­fa-Mit­glieds­ver­bän­den für die Wie­der­wahl Blat­ters an der Fi­fa-Spit­ze warb.

Bei­de weh­ren sich ge­gen die An­schul­di­gun­gen. Pla­ti­ni wet­ter­te ge­gen „den Ver­such, mei­nen gu­ten Ruf zu be­schä­di­gen“. Die Vor­wür­fe sei­en „blo­ßer An­schein und er­staun­lich va­ge“, füg­te er hin­zu. Blat­ter ließ er­klä­ren, er freue sich auf drei Mo­na­te Ur­laub, um dann die Ge­schäf­te wie­der­auf­zu­neh­men.

Es sieht nicht so aus, als wenn es da­zu kom­men könn­te. Aus Po­li­tik und Fuß­ball wer­den die Ru­fe nach ei­nem so­for­ti­gen Rück­tritt Blat­ters im­mer lau­ter. Ges­tern schloss sich DFB-Prä­si­dent Wolf­gang Niers­bach an. Und er rück­te von Pla­ti­ni ab, des­sen Kan­di­da­tur als Fi­fa-Prä­si­dent der DFB im Fe­bru­ar 2016 ei­gent­lich stüt­zen woll­te. „Auch Pla­ti­ni muss be­den­ken, ob er sei­ne Kan­di­da­tur auf­recht­er­hal­ten will“, sag­te Niers­bach im Quar­tier der deut­schen Na­tio­nal­mann­schaft, die ges­tern in Du­blin ge­gen Ir­land spiel­te.

Vie­le hal­ten Niers­bach nun für den ge­eig­ne­ten Mann, der den kor- rup­ten Welt­ver­band sa­nie­ren könn­te. Ei­nen Re­form­ka­ta­log hat er be­reits im Ju­ni vor­ge­legt, als Blat­ter un­ter dem Druck der Er­mitt­lun­gen von Schwei­zer und US-Be­hör­den sei­nen Rück­tritt für das Früh­jahr 2016 an­kün­dig­te. Als vor­ge­zo­ge­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung woll­te Niers­bach sein „Zehn-Punk­te-Pro­gramm“, das er in ei­nem of­fe­nen Brief an die DFB-Mit­glie­der un­ter­brei­te­te, nicht ver­stan­den wis­sen. Auch ges­tern wies er Am­bi­tio­nen auf die Fi­fa-Prä­si­dent­schaft zu­rück. „Hier geht es dar­um, dass ein neu­er Geist ein­zieht und die Din­ge, die uns über Jah­re be­las­ten, nicht mehr vor­kom­men“, sag­te Niers­bach.

Da­zu ist ei­ne grund­sätz­li­che Re­form not­wen­dig. Die Er­mitt­lun­gen der Schwei­zer Staats­an­wäl­te und der US-Be­hör­den, die En­de Mai wäh­rend des Fi­fa-Kon­gres­ses in Zü­rich neun ho­he Fuß­ball-Funk­tio­nä­re fest­neh­men lie­ßen, ge­ben die Hand­ha­be da­zu: Die Be­hör­den ha­ben den Re­form­pro­zess in Gang ge­setzt. Blat­ters Fi­fa hat­te ihn nach Mei­nung von Ex­per­ten nie rich­tig an­ge­sto­ßen.

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