„Bald wird das letz­te Bett be­legt sein“

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON DET­LEV HÜWEL UND KI­LI­AN TRESS

5021 Asyl­be­wer­ber sind der­zeit in der Lan­des­haupt­stadt un­ter­ge­bracht. Nach den neu­es­ten Zah­len der zu­stän­di­gen Be­zirks­re­gie­rung Arns­berg sind es in Köln 4422 Men­schen. Der Städ­te- und Ge­mein­de­bund NRW schlägt Alarm.

DÜSSELDORF Die Kom­mu­nen in NRW ha­ben in die­sem Jahr so vie­le Flücht­lin­ge auf­ge­nom­men wie noch nie. Vie­le von ih­nen sind nach Ein­schät­zung von Bernd Jür­gen Schnei­der (Städ­te- und Ge­mein­de­bund NRW) über­for­dert: „Bald wird das letz­te Bett be­legt sein.“Ins­ge­samt sind in die­sem Jahr mehr als 160.000 Men­schen nach NRW ge­kom­men. Nicht al­le blei­ben hier, son­dern wer­den nach ih­rer Re­gis­trie­rung ein paar Ta­ge spä­ter auf an­de­re Bun­des­län­der ver­teilt. Be­rech­nungs­grund­la­ge da­für ist der Kö­nig­stei­ner Schlüs­sel, der haupt­säch­lich auf dem Steu­er­auf­kom­men der Bun­des­län­der und zu ei­nem Drit­tel auch auf der Be­völ­ke­rungs­zahl be­ruht. Dem­nach muss NRW rund 21 Pro­zent al­ler nach Deutsch­land ge­lang­ten Flücht­lin­ge auf­neh­men.

In­ner­halb von NRW gilt al­ler­dings ein an­de­rer Ver­teil­schlüs­sel: Zu 90 Pro­zent ist die Ein­woh­ner­zahl ei­ner Kom­mu­ne maß­ge­bend und zu zehn Pro­zent de­ren Flä­che. Die lan­des­wei­te Zu­wei­sung der Flücht­lin­ge er­folgt durch die da­für zu­stän­di­ge Be­zirks­re­gie­rung Arns­berg. Laut Be­hör­den­spre­cher Chris­ti­an Ch­mel-Men­ges wird bei der Neu­zu­wei­sung be­rück­sich­tigt, wie vie­le Flücht­lin­ge ei­ne Kom­mu­ne be­reits auf­ge­nom­men hat und ob sich dort ei­ne Lan­des­ein­rich­tung be­fin­det.

Zu den re­gu­lä­ren Lan­des­un­ter­künf­ten ge­hö­ren die fünf Erst­auf­nah­me-Ein­rich­tun­gen (EAE) wie et­wa in Dort­mund und Bie­le­feld. Hin­zu kom­men 21 Zen­tra­le Un­ter­brin­gungs­ein­rich­tun­gen (ZUE), wie sie auch in Duis­burg, Neuss und Willich vor­han­den sind. Da die Ka­pa­zi­tä­ten die­ser Lan­des­ein­rich­tun­gen aber für al­le neu­an­kom­men­den Flücht­lin­ge als An­lauf­stel­le nicht aus­rei­chen, muss das Land auf Not­un­ter­künf­te in den Kom­mu­nen zu­rück­grei­fen. In­zwi­schen gibt es mehr als 200. Da­bei han­delt es sich oft um Groß­zel­te, Turn­hal­len oder leer­ste­hen­de öf­fent­li­che Ge­bäu­de.

Das Land über­nimmt die Kos­ten für die Ver­sor­gung der Men­schen in den EAE, ZUE und Not­un­ter­künf­ten. Ei­ne Kom­mu­ne mit ei­ner Lan­des­ein­rich­tung be­kommt zu­dem die dort un­ter­ge­brach­ten Flücht­lin­ge an­ge­rech­net, wenn ihr die Be­zirks­re­gie­rung Arns­berg wei­te­re Men­schen zu­weist. Ker­ken et­wa hat noch kei­ne Flücht­lin­ge zu­ge­wie­sen be­kom­men, weil die Stadt mit nur 12.650 Ein­woh­nern Stand­ort ei­ner ZUE mit über 500 Plät­zen ist. Flücht­lings­zu­wei­sun­gen 2015 und Flücht­lin­ge in Lan­des­ein­rich­tun­gen (Stand En­de Sep­tem­ber)

Die Zahl der Zu­wei­sun­gen ist im Sep­tem­ber sprung­haft ge­stie­gen, wie aus der neu­es­ten Über­sicht der Be­zirks­re­gie­rung Arns­berg her­vor­geht. Der Stadt Kaarst (Kreis Neuss) sind al­lein im drit­ten Quar­tal (Ju­li bis Sep­tem­ber) 187 Flücht­lin­ge zu­ge­wie­sen wor­den. In den bei­den ers­ten Quar­ta­len die­ses Jah­res wa­ren es le­dig­lich 86 Men­schen. Ins­ge­samt weist die Ta­bel­le der Be­zirks­re­gie­rung für Kaarst 273 Zu­wei­sun­gen in den ers­ten neun Mo­na­ten die­ses Jah­res aus. Auf der Su­che nach Un­ter­künf­ten hat die Stadt­ver­wal­tung

113

124

158

574

639

3397

5021

217

315

480

100

397

425

262

118

689

158

129

244

339

480

263

122

153

111

330

273

132

271

522

540

402

492

4422

262

110

1310

378

312 so­eben ei­ne wei­te­re Turn­hal­le mit Flücht­lin­gen be­legt.

Auf­grund ih­rer Ein­woh­ner­zahl ha­ben die gro­ßen kreis­frei­en Städ­te die höchs­ten Zu­wei­sun­gen; zu­dem sind sie meist Stand­ort ei­ner Lan­des­ein­rich­tung mit meh­re­ren Hun­dert Asyl­be­wer­bern. Dort­mund et­wa hat von Arns­berg 2826 Flücht­lin­ge zu­ge­wie­sen be­kom­men. Hin­zu kom­men 350 Men­schen in der Dort­mun­der EAE. In Duis­burg sind es 2097 Flücht­lin­ge, für die die Stadt auf­zu­kom­men hat. Zu­dem be­fin­den sich in der Duis­bur­ger ZUE Flücht­lings­zu­wei­sun­gen 2015 und Flücht­lin­ge in Lan­des­ein­rich­tun­gen (Stand En­de Sep­tem­ber) rund 800 Asyl­su­chen­de und meh­re­re Hun­dert Men­schen in den Not­un­ter­künf­ten des Lan­des. Für Düsseldorf nennt die Be­zirks­re­gie­rung Arns­berg 2822 „kom­mu­na­le“Flücht­lin­ge. Da­zu kom­men über 2000 Men­schen in Not­un­ter­künf­ten – ins­ge­samt sind es 5021 (Köln: 4402). Kre­feld be­kam in den ers­ten neun Mo­na­ten 1090 Flücht­lin­ge zu­ge­wie­sen (ins­ge­samt 1310 Men­schen). Mön­chen­glad­bach liegt mit 1211 Flücht­lin­gen knapp dar­un­ter.

Die Ge­samt­zahl der Flücht­lin­ge ist ei­ne Mo­ment­auf­nah­me für die

1223113

353124

573158

5741211

639707

3397261

5021364

200217

1582165

480115

100157

562197

425176

1036262

264118

68981

Die Zahl der Zu­wei­sun­gen ist im Sep­tem­ber sprung­haft ge­stie­gen

158127

129132

244127

33981

4801511

26388

278122

153217

79111

330716

542273

268132

27187

52273

1475

489402

492243

4422326

262910

487110

1310292

2603378

185312 ers­ten drei Quar­ta­le die­ses Jah­res. Wie vie­le Flücht­lin­ge sich au­ßer­dem vor Ort auf­hal­ten, ist un­klar. We­gen der „Alt­fäl­le“aus dem ver­gan­ge­nen Jahr könn­ten es deut­lich mehr sein. Die Zahl de­rer, die aus­rei­se­pflich­tig sind, aber un­ter­ge­taucht sind, dürf­te nicht un­er­heb­lich sein.

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