VW-Chef in USA leis­tet Ab­bit­te vor Kon­gress

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT -

Michael Horn be­teu­ert, erst kürz­lich von ei­ner ge­ziel­ten Ma­ni­pu­la­ti­on er­fah­ren zu ha­ben.

DÜSSELDORF (FH/tor) Lädt der ame­ri­ka­ni­sche Kon­gress ei­nen Wirt­schafts­mann vor, um ei­nem Skan­dal auf den Grund zu ge­hen, kennt er kei­ne Gna­de. Ob To­yo­ta nach ei­ner Se­rie von Si­cher­heits­pan­nen, BP nach der Ex­plo­si­on ei­ner Öl­bohr­platt­form oder Ge­ne­ral Mo­tors, der selbst­ge­fäl­li­ge Au­to­bau­er, der mit Mil­li­ar­den vor dem Bank­rott ge­ret­tet wer­den muss­te: Die ver­ant­wort­li­chen Ma­na­ger wur­den re­gel­recht ge­grillt. Michael Horn, dem US-Chef von VW, ging es nicht an­ders. Ges­tern trat er vorm En­er­gie­und Han­dels­aus­schuss des Re­prä­sen­tan­ten­hau­ses in den Zeu­gen­stand, um zur Ab­gas­af­fä­re aus­zu­sa­gen, und bat um Ent­schul­di­gung.

Er sel­ber ha­be sich nicht vor­stel­len kön­nen, dass sol­che Be­trü­ge­rei­en mög­lich sei­en, be­ton­te er, räum­te aber ein, be­reits im Früh­jahr 2014 von Pro­ble­men er­fah­ren zu ha­ben. Dann sprach er von den Re­pa­ra­tur- ar­bei­ten. 430.000 in den USA ver­kauf­te Die­selfahr­zeu­ge wür­den nach­ge­rüs­tet. Min­des­tens zwei Jah­re kön­ne das al­les dau­ern.

Was auf VW noch zu­kom­men kann, lässt ei­ne gera­de ein­ge­reich­te Kla­ge West Vir­gi­ni­as er­ken­nen. Für je­des ver­kauf­te Die­sel­mo­bil mit Schum­mel-Soft­ware soll VW nun 5000 Dol­lar Stra­fe zah­len. Oben­drein soll es den Kun­den er­stat­ten, was die­se für „Cle­an-Die­sel“-Mo­del­le im Ver­gleich zu Ben­zi­nern zu­sätz­lich be­rapp­ten, da­zu Ent­schä­di­gun­gen. Das Bei­spiel dürf­te lan­des­weit Schu­le ma­chen, aber auch nur die Spit­ze des Eis­bergs sein. „VW hat ei­ne gan­ze Na­ti­on be­tro­gen. Ent­we­der wird hier gründ­lich sau­ber­ge­macht, oder Sie ver­ab­schie­den sich von der Stra­ße“, pol­tert Fred Up­ton, ein Re­pu­bli­ka­ner aus Mi­chi­gan.

Der Chef der Steu­er­ab­tei­lung beim Bund der Steu­er­zah­ler NRW, Han­sUl­rich Lie­bern, hält den Vor­stoß von NRW-Fi­nanz­mi­nis­ter Nor­bert Wal­ter-Bor­jans (SPD) zu steu­er­li­chen Re­gress­for­de­run­gen Deutsch­lands ge­gen­über VW un­ter­des­sen für pra­xis­fremd. „Von VW die Rück­zah­lung von Steu­er­vor­tei­len zu ver­lan­gen, die die Kun­den die­ser Au­tos er­hal­ten ha­ben, ist recht­lich nicht mög­lich“, so Lie­bern. Schuld­ner der KfZ-Steu­er sei der Hal­ter und nicht der Her­stel­ler. Über­dies sei für die Die­sel-Be­steue­rung seit 2009 der CO2-Aus­stoß maß­ge­bend, nicht der von VW ma­ni­pu­lier­te Stick­stoff­aus­stoß. Denk­bar sei al­len­falls ein Um­weg. Der Fi­nanz­mi­nis­ter könn­te den Skan­dal als vor­sätz­li­chen Steu­er­be­trug wer­ten und dem Kon­zern ei­ne Art Kuh­han­del an­bie­ten: VW leis­tet ei­ne pau­scha­le Zah­lung, im Ge­gen­zug wird der Vor­wurf nicht wei­ter ver­folgt. Lie­bern: „Das wä­re dann aber schon ei­ne sehr aben­teu­er­li­che Kon­struk­ti­on.“

Erst­mals äu­ßer­te sich die Bun­des­kanz­le­rin zur VW-Kri­se. „Was da pas­siert ist, ist nicht in Ord­nung“, sag­te An­ge­la Mer­kel bei ei­ner CDUVer­an­stal­tung in Wup­per­tal. „Aber wer des­halb meint, die gan­ze deut­sche Au­to­mo­bil­in­dus­trie in­fra­ge stel­len zu müs­sen, be­kommt es mit der CDU zu tun.“

FO­TO: AP

Michael Horn: kei­ne Kennt­nis von „De­feat De­vice“?

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