Jetzt noch ei­ne Le­bens­ver­si­che­rung ?

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT - VON UWE SCHMIDT-KAS­PA­REK

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um will of­fen­bar den Ga­ran­tie­zins ab­schaf­fen. Pro­duk­te mit ei­ner sol­chen Ga­ran­tie wol­len man­che An­bie­ter oh­ne­hin nicht mehr ver­kau­fen. Aber Ver­brau­cher­schüt­zer sind ge­gen die Än­de­rung.

DÜSSELDORF Der Ga­ran­tie­zins, der der­zeit bei 1,25 Pro­zent liegt, soll im kom­men­den Jahr für fast al­le Ver­si­che­rer ab­ge­schafft wer­den. Auf­grund des neu­en, stren­ge­ren Auf­sichts­rechts „Sol­vency II“soll die­se Schwel­le, die auch Höchst­rech­nungs­zins ge­nannt wird, ent­fal­len. Das sieht ein Ge­set­zes­ent­wurf des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums ( BFM) vor. Die Un­ter­neh­men könn­ten dann frei ent­schei­den, ob und in wel­chem Aus­maß sie ih­ren Kun­den noch Ga­ran­ti­en ge­ben wol­len. Die­se müs­sen sie aber mit Ei­gen­ka­pi­tal ab­si­chern. Ver­brau­cher­schüt­zer und Le­bens­ver­si­che­rer wol­len den Höchst­zins be­hal­ten. Wir er­läu­tern, war­um und wie sich die Än­de­rung aus­wir­ken könn­te. Was ist der Ga­ran­tie­zins? Der Ga­ran­tie­zins ist der Höchst­zins, den die Ver­si­che­rer ih­ren Kun­den für die ge­sam­te Lauf­zeit des Ver­tra­ges zu­sa­gen dür­fen. Hin­zu kom­men jähr­lich neu fest­ge­setz­te Über­schüs­se. Die in­di­vi­du­ell zu­ge­sag­te Ga­ran­tie der Ver­si­che­rer darf nicht hö­her als der Höchst­rech­nungs­zins sein. Ge­zahlt wird der Ga­ran­tie­zins auf den Spa­r­an­teil der Bei­trä­ge nach Ab­zug der Kos­ten. Sind Alt­ver­trä­ge be­trof­fen? Nein. Die Ga­ran­ti­en, mit de­nen die meis­ten der über 88 Mil­lio­nen Ren­ten- und Le­bens­ver­si­che­run­gen aus­ge­stat­tet sind, blei­ben un­ver­än­dert. In der Ver­gan­gen­heit hat­ten die Le­bens­ver­si­che­rer ih­ren Kun­den ei­nen Ga­ran­tie­zins von bis zu vier Pro­zent zu­ge­si­chert. Sol­che Ver­trä­ge sind heu­te in der Nied­rig­zin­spha­se re­gel­recht wert­voll. Kön­nen die Le­bens­ver­si­che­rer ih­re Alt­ga­ran­ti­en ein­hal­ten? Bis­her ja, denn die Fi­nanz­auf­sicht Ba­fin hat die Un­ter­neh­men seit 2011 ge­zwun­gen, ih­re Ka­pi­tal­puf­fer für Ga­ran­tie­ver­spre­chen zu er­hö­hen. En­de 2014 la­gen Rück­la­gen in der so­ge­nann­ten Zins­zu­satz­re­ser­ve bei rund 21 Mil­li­ar­den Eu­ro. Zu­dem zei­gen die bis­he­ri­gen Stress­tests und Pro­gno­se­rech­nun­gen der Ba­fin, dass die Le­bens­ver­si­che­rer kurz­bis mit­tel­fris­tig ih­re Ver­spre­chen er­fül­len kön­nen. War­um sind Ver­brau­cher­schüt­zer für den Er­halt? Sie fürch­ten, dass mit der Ab­schaf­fung des Höchst­zin­ses nur noch neu­ar­ti­ge Ta­ri­fe an­ge­bo­ten wer­den. Der dann feh­len­de Wett­be­werb bei klas­si­schen Ta­ri­fen könn­te da­zu füh­ren, dass die Über­schüs­se bei Alt­ver­trä­gen sin­ken, heißt es beim Bund der Ver­si­cher­ten (BdV). „Neue Pro­duk­te sind schlech­ter ver­gleich­bar“, be­stä­tigt Rei­ner Will von der Köl­ner Ra­ting­agen­tur As­se­ku­ra­ta. Ver­si­che­rer wie Zu­rich, Ge­ne­ra­li und Er­go wol­len auf klas­si­sche Pro­duk­te ver­zich­ten. Wird der Höchst­rech­nungs­zins wei­ter sin­ken? „Bei glei­chen Rah­men­be­din­gun­gen ist an­ge­sichts der Nied­rig­zin­spha­se da­von aus­zu­ge­hen“, meint Ra­tin­gEx­per­te Will. Der Höchst­rech­nungs­zins darf nicht hö­her sein als 60 Pro­zent der Ren­di­te hoch­wer­ti­ger Staats­an­lei­hen mit zehn­jäh­ri­ger Lauf­zeit. Die wer­fen aber kaum et­was ab. Was ist von neu­en Pro­duk­ten oh­ne Ga­ran­tie­zins zu hal­ten? Die meis­ten Pro­duk­te se­hen nur noch ei­ne Ga­ran­tie der ein­ge­zahl­ten Bei­trä­ge zum En­de des Ver­tra­ges vor. „Für die ge­rin­ge­re Ga­ran­tie ge­ben die Ver­si­che­rer teil­wei­se mehr lau­fen­de Über­schüs­se und bie­ten f le­xi­ble­re Ver­trä­ge an“, er­läu­tert Will. So kön­nen die Kun­den beim Ren­ten­start an den dann mög­li­cher­wei­se hö­he­ren Zin­sen be­tei­ligt wer­den. Zu­dem kann der Ver­si­che­rer die Kun­den­bei­trä­ge ris­kan­ter an­le­gen. Will: „Da­mit gibt es ei­ne Chan­ce auf ei­ne hö­he­re Ren­te.“

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