Hit­ler be­schließt das Eut­ha­na­sie-Pro­gramm

Rheinische Post Goch - - UNTERHALTUNG -

Schon zwei Jah­re vor der be­rühm­ten Wann­seeKon­fe­renz im Ja­nu­ar 1942 be­gan­nen die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ih­ren ers­ten or­ga­ni­sier­ten Mas­sen­mord. Rund 70.000 Men­schen, so Schät­zun­gen, fie­len dem Eut­ha­na­sie-Pro­gramm zum Op­fer. Adolf Hit­ler un­ter­zeich­ne­te am 9. Ok­to­ber 1939 ei­nen Be­fehl, in dem da­von die Re­de war, al­le „un­heil­bar Kran­ken“ei­nem „Gna­den­tod“zu­zu­füh­ren. „Eut­ha­na­sie“nann­ten die Na­zis dies zy­nisch, nach dem grie­chi­schen Be­griff für „schö­ner Tod“. Als un­heil­bar krank gal­ten in der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie auch all die­je­ni­gen, die we­gen geis­ti­ger oder kör­per­li­cher Be­hin­de­run­gen von der Norm ab­wi­chen. Die Be­trof­fe­nen, un­ter ih­nen vie­le Kin­der, wur­den in spe­zi­el­le An­stal­ten ge­bracht, wo man sie mit Gas oder durch In­jek­tio­nen er­mor­de­te. Den An­ge­hö­ri­gen wur­de er­klärt, man wol­le in die­sen an­geb­li­chen The­ra­pie­ein­rich­tun­gen ei­ne neu­ar­ti­ge Be­hand­lung be­gin­nen, spä­ter wur­den sie nur noch über den Tod in­for­miert – meist mit fin­gier­ten Arzt­be­rich­ten und ge­fälsch­ten Dia­gno­sen. In­for­ma­tio­nen über die ei­gent­lich ge­hei­me Ak­ti­on si­cker­ten bald durch. 1941 pran­ger­te der Erz­bi­schof von Müns­ter, Cle­mens Au­gust Graf von Ga­len (Fo­to), die Eut­ha­na­sie-Pra­xis in ei­ner auf­se­hen­er­re­gen­den Pre­digt öf­fent­lich an. Hit­ler ließ das Pro­gramm of­fi­zi­ell stop­pen, in­of­fi­zi­ell ging es wei­ter – eben­so wie die Mas­sen­mor­de des Ho­lo­caust, der längst be­gon­nen hat­te.

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