Die ver­lo­ge­ne deut­sche Da­ten­schutz­po­li­tik

Rheinische Post Goch - - POLITIK - Richard Gut­jahr ist Mo­de­ra­tor für das Baye­ri­sche Fern­se­hen und Blog­ger. Er be­schäf­tigt sich in sei­nem Blog „gut­jahr.biz“mit Di­gi­ta­li­sie­rung und Me­di­en­wan­del. Ih­re Mei­nung? Schrei­ben Sie un­se­rem Au­tor: ko­lum­ne@rhei­ni­sche-post.de

Wenn es um Da­ten­si­cher­heit geht, rüh­men sich un­se­re Spit­zen­po­li­ti­ker ger­ne des vor­bild­li­chen Da­ten­schut­zes in Deutsch­land. Wenn es dann aber um die Durch­set­zung die­ser Rech­te geht, wird es ver­däch­tig still. Dann wird stets auf die Da­ten­ser­ver ver­wie­sen, die be­dau­er­li­cher­wei­se in Ame­ri­ka ste­hen. Voll sor­ry, echt, aber da kön­ne man nun mal nichts ma­chen!

Aus­ge­rech­net ein Stu­dent aus Ös­ter­reich hat jetzt voll­bracht, was kein Jus­tiz­mi­nis­ter, kein Da­ten­schutz­be­auf­trag­ter, kei­ne Da­ten­schutz­be­hör­de mit all ih­ren Ju­ris­ten ge­schafft ha­ben: Max Schrems (27) hat in Al­lein­re­gie das „Sa­fe Har­bor“-Ab­kom­men zwi­schen der EU und den USA zu Fall ge­bracht. Ein Ali­bi-Ab­kom­men, das den Bür­gern sug­ge­rie­ren soll­te, dass un­se­re Da­ten, egal ob in Deutsch­land oder in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, in gu­ten Hän­den sind.

Spä­tes­tens seit Ed­ward Snow­den wis­sen wir, was hin­ter den Ku­lis­sen

Nach au­ßen for­dern un­se­re Mi­nis­ter här­te­re Auf­la­gen für US-In­ter­net­kon­zer­ne. Hin­ter den Ku­lis­sen be­mü­hen sich Po­li­tik und Wirt­schaft ge­mein­sam dar­um, an noch mehr Bür­ger-Da­ten zu ge­lan­gen.

statt­fin­det: ein Da­ten­ring­tausch. Und mit dem Ur­teil des EuGH, des höchs­ten eu­ro­päi­schen Ge­richts, ist die­se Wahr­heit nun end­lich auch ju­ris­tisch nicht mehr schön­zu­re­den: Die EU und die USA be­trei­ben ge­mein­sam ei­ne gi­gan­ti­sche Da­ten-Wa­sch­an­la­ge. Und Deutsch­land wäscht bei die­sem frag­wür­di­gen Kon­strukt sei­ne Hän­de al­les an­de­re als in Un­schuld.

Das Prin­zip funk­tio­niert in et­wa so: Die Bun­des­re­gie­rung schimpft auf den bö­sen US-Kon­zern, weil der un­er­laubt Da­ten über uns Deut­sche sam­melt. Ver­kla­gen tut sie die Amis aber nicht; auf die Da­ten von Face­book, Goog­le und Co. ist der In­nen­mi­nis­ter näm­lich eben­so scharf. Der­lei Da­ten über die ei­ge­ne Be­völ­ke­rung zu sam­meln, wä­re il­le­gal. Al­so be­zieht man die In­for­ma­tio­nen von der NSA; im Tausch für noch mehr Da­ten, die der deut­sche Da­ten­ser­vice­pro­vi­der der Ame­ri­ka­ner, der Bun­des­nach­rich­ten­dienst, am In­ter­net­kno­ten­punkt in Frankfurt ab­zweigt.

Kon­trol­liert wer­den die­se streng ge­hei­men Vor­gän­ge von ei­nem Mi­niG­re­mi­um im Bun­des­tag, das im Zu­ge des NSA-Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses jüngst er­fah­ren muss­te, dass es über Jahr­zehn­te hin­weg von den ei­ge­nen Ge­heim­diens­ten be­lo­gen wur­de. Die Stra­fe? Null. Im Ge­gen­teil: Kurz nach­dem die­se Prak­ti­ken auf­ge­flo­gen wa­ren, wur­de der Etat des BND so­gar noch auf­ge­stockt. Be­grün­dung: Wenn schon il­le­ga­le Da­ten sam­meln, dann doch bit­te in Zu­kunft auch oh­ne die Hil­fe der Ame­ri­ka­ner!

Freu­en wir uns al­so auf den nächs­ten Da­ten­schutz-Kra­cher der Groko: „Vor­rats­da­ten 2 – die Rück­kehr der Da­ten­kra­ke“. Dem­nächst auf Ih­rem Ta­blet, PC und Smart­pho­ne!

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