Ju­gend am Nie­der­rhein als Co­mic-Buch

Rheinische Post Goch - - FÜRS LEBEN - VON SE­BAS­TI­AN LAT­ZEL

To­bi­as Dah­men ist Il­lus­tra­tor und hat sich in der Zei­chen­sze­ne be­reits ei­nen Na­men ge­macht. Jetzt hat er sich ei­nen Traum er­füllt und ei­ne au­to­bio­gra­phi­sche Bil­der-Ge­schich­te her­aus­ge­bracht, die Ju­gend­zeit aus der Re­gi­on er­zählt.

NIE­DER­RHEIN Seit 2008 wohnt To­bi­as Dah­men in Ut­recht. Das ist sein Zu­hau­se. Hier lebt er mit sei­ner Fa­mi­lie. Sei­ne Hei­mat al­ler­dings ist der Nie­der­rhein ge­blie­ben. Das wird ihm ei­gent­lich erst jetzt so rich­tig be­wusst. „Was Hei­mat be­deu­tet, das merkst du erst, wenn du weg bist. Wenn du dich fragst: War­um bist du da­mals ei­gent­lich weg­ge­gan­gen?“Am Nie­der­rhein hat der 44-Jäh­ri­ge sei­ne Kind­heit ver­bracht, die Ju­gend, die Schul­zeit - und hat sei­ne Er­fah­run­gen vom Er­wach­sen­Wer­den in ei­ne ganz ei­ge­ne Form ge­packt: in ei­nen Co­mic.

Seit acht Jah­ren zeich­ne­te To­bi­as Dah­men an der au­to­bio­gra­phi­schen Ge­schich­te, die sein Le­ben, aber eben auch das der Mod­sze­ne am Nie­der­rhein in Bil­dern er­zählt. Be­kannt wur­de das Phä­no­men „Mod“vor al­lem durch den Film „Qua­dro­phe­nia“zum gleich­na­mi­gen Al­bum der Rock­band „The Who“. Der Strei­fen, in dem auch Rock-Sän­ger Sting mit­spielt, gibt ei­nen tie­fen Ein­blick in die ur­sprüng­lich bri­ti­sche Sze­ne, die durch Par­kas, Rol­ler und eben die Mu­sik ge­prägt wird.

To­bi­as Dah­men ist seit vie­len Jah­ren Teil der Sze­ne, ver­such­te sich auch ein­mal an ei­nem Qua­dro­phe­nia-Co­mic, ver­warf die Idee aber, um statt­des­sen sei­ne ei­ge­ne Ge­schich­te in Bil­dern zu er­zäh­len. Er be­schreibt in dem Co­mic wie er Teil der Sze­ne wur­de, wie fas­zi­niert er von der Mu­sik, der spe­zi­el­len Mo­de oder den stil­prä­gen­den Rol­lern war und doch selbst nie ei­nen be­ses­sen hat. „Fahr­rad­mod“hat To­bi­as Dah­men das fast 500 Sei­ten di­cke Co­mic-Schwer­ge­wicht da­her auch selbst­iro­nisch be­ti­telt. An­spie­lung dar­auf, dass er mit dem Draht­esel zu den Par­tys kam und eben nicht auf ei­ner chrom­blit­zen­den Ve­s­pa. Wer in dem Buch blät­tert, wird au­to­ma­tisch in den ei­ge­nen Er­in­ne­run­gen blät­tern. Weil man selbst am Nie­der­rhein auf­ge­wach­sen ist und dort La­ger­feu­er am Rhein und Tan­zen in den Land­dis­cos er­lebt hat, wo der DJ noch ech­te Plat­ten auf­leg­te. Wer Teil der Sze­ne war, wird sich oh­ne­hin wie­der­fin­den bei Bil­dern von Par­tys am Nie­der­rhein, Kon­zer­ten oder Fahr­ten nach En­g­land, um dort Schu­he oder An­zü­ge zu kau­fen.

Das Co­mic zeigt, wie sich Ju­gend in den 80er und 90er Jah­ren ab­ge­spielt hat. „Das war ei­ne Zeit, als Mu­sik noch nicht stän­dig ver­füg­bar war“, er­läu­tert Dah­men, der in dem Buch auch zeich­ne­te wie er den Atem an­hielt, um ei­ne mög­lichst per­fek­te Mi­kro­fon­auf­nah­me aus dem Ra­dio von „Mal San­docks Hit­pa­ra­de“hin­zu­krie­gen. Auch dar­an wer­den sich vie­le aus glei­cher leid­vol­ler Er­fah­rung er­in­nern. Dah­men in­ves­tier­te sein Ta­schen­geld, um Plat­ten zu kau­fen, sich mit an­de­ren zu tref­fen, um die Al­ben zu hö­ren und Mix-Tapes aus den Songs zu ma­chen.

Das Co­mic sei ei­ne Herz­blut­ge­schich­te ge­we­sen, sagt Dah­men. Ein­zel­ne Epi­so­den hat­te er im­mer mal wie­der ge­zeich­net. Po­si­ti­ve Re­ak­tio­nen wa­ren der An­lass, es mit ei­ner Lang­fas­sung zu pro­bie­ren. Für Dah­men ist es ein Glücks­fall, dass der re­nom­mier­te Carl­sen-Ver­lag ihm die Chan­ce gab, sei­nen Co­mi­cT­raum zu ver­wirk­li­chen. „Ich woll­te die Zeit ab­bil­den“, sagt To­bi­as Dah­men. Das ist ihm of­fen­bar ge­lun­gen. Denn es gab Re­ak­tio­nen, mit de­nen er nicht ge­rech­net hat. „Auch Punks und Hip-Hop­per ha­ben mir ge­sagt, dass sie sich hier wie­der­fin­den.“

Sound­mix zum Buch un­ter www.rp-on­line.de/gel­dern.

BIL­DER: DAH­MEN / FO­TO: PRI­VAT

In dem Co­mic er­zählt To­bi­as Dah­men (Fo­to un­ten) sei­ne ei­ge­ne Ge­schich­te, ei­ne Ge­schich­te der Ju­gend am Nie­der­rhein in den 80er und 90er Jah­ren mit Par­tys, Schu­le und Rol­ler­fah­ren.

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