KURZKRITIKEN

Rheinische Post Goch - - KULTUR -

Das schö­ne ru­hi­ge Mu­se­um in Köln Giya Kan­che­li, der ge­or­gi­sche Mys­ti­ker „Deutsch­land gu­cken“im Kom(m)ödchen

Kunst Das gan­ze Le­ben ist Er­zäh­lung, sagt der Di­rek­tor des Köl­ner Ko­lum­ba-Mu­se­ums, Ste­fan Kraus. Auf die­ser Idee hat er die neue Jah­res­aus­stel­lung auf­ge­baut und zeigt bis zum nächs­ten Som­mer rund 200 Bil­der, Ra­die­run­gen, Skulp­tu­ren, Bü­cher, Vi­deo­ar­bei­ten und In­stal­la­tio­nen. Wie im­mer in die­sem vom Bis­tum ge­tra­ge­nen Kunst­haus ist bei „Der ro­te Fa­den“die Fröm­mig­keit des Be­su­chers nicht Pflicht – die Kunst ist frei. Welt­li­che, po­li­ti­sche, mah­nen­de, un­or­tho­do­xe Wer­ke bie­ten ne­ben präch­ti­ger sa­kra­ler Kunst An­lass zur Dis­kus­si­on. Herz­stück ist der 20-tei­li­ge spät­mit­tel­al­ter­li­che Bil­der­zy­klus zu Wir­ken und Ster­ben des hei­li­gen Se­ve­rin. Für ei­nen Ko­lum­ba-Be­such spricht auch Pe­ter Zum­t­hors reiz­vol­le Ar­chi­tek­tur und die ru­hi­ge Stim­mung in die­sem Haus, in das man nie zu vie­le Be­su­cher rein­lässt In­fo Ko­lum­ba­stra­ße 4 in Köln, tgl. ge­öff­net von 12 bis 17 Uhr, Di. ge­schlos­sen. An­net­te Bo­set­ti Klas­sik-CD Dass der Mensch mit­un­ter vom Sau­lus zum Pau­lus wird, merkt er auch bei sei­nem Um­gang mit der Klas­sik. Wenn man et­wa in der Be­wer­tung vom Kom­po­nis­ten oder In­ter­pre­ten sei­ne Mei­nung grund­le­gend än­dert, han­delt es sich meis­tens um ei­nen Fall von Rei­fung, von Ge­ne­ra­tio­nen-Prä­fe­renz oder von mo­men­ta­ner Ein­ge­bung. Je­dem ist es schon mehr­fach pas­siert, dass er ei­nen Ton­set­zer in jün­ge­ren Jah­ren für an­ge­be­risch, prah­le­risch, kit­schig und über­haupt un­be­deu­tend hielt, bis er ir­gend­wann, durch ei­nen neu­en klang­li­chen Kon­takt be­lehrt, sei­ne Mei­nung re­vi­diert oder di­rekt ins Ge­gen­teil ver­kehrt.

Man kann den Ge­or­gi­er Giya Kan­che­li selbst­ver­ständ­lich für ei­nen Kit­schier hal­ten, der mit re­la­tiv sim­plen Mit­teln gro­ße Wir­kung er­zielt. Al­so ei­nen Mys­ti­ker, über den man sa­gen könn­te, er ge­bä­re Wir­kung oh­ne Ur­sa­che. Aber die neue ECM-CD „Chia­ros­cu­ro“(mit Wer­ken für Vio­li­nen und Kam­mer­or­ches­ter) ist doch ei­ne ban­nen­de, fes­seln­de Plat­te, der man mit wach­sen­der Ge­wo­gen­heit zu­hört. Wer ist die­ser Kan­che­li?

Er wur­de vor 80 Jah­ren, im Au­gust 1935, als Sohn ei­nes Arz­tes in Tif­lis ge­bo­ren. Er stu­dier­te zu­nächst Geo­lo­gie, be­vor er 1959 ans Kon­ser­va­to­ri­um Tif­lis wech­sel­te, weil sei­ne DVD Wenn die Deut­schen Fuß­ball gu­cken, sind sie ganz bei sich. Auch die al­ten Kum­pel Die­ter, Bo­do und Lutz. Bio­gra­fisch ver­bin­det sie nur noch we­nig: Die­ter ist schuf­ten­der Fa­mi­li­en­va­ter, Bo­do ver­lebt sein Er­be, Lutz ver­wei­gert je­den Leis­tungs­ge­dan­ken und ver­kriecht sich da­heim. Doch wenn Be­la Re­thy die Stim­me er­hebt und die drei sich vor dem Bild­schirm ver­sam­meln, passt das zu­ein­an­der. Bis Bo­do auf die wirk­lich un­glaub­li­che Idee kommt, sei­ne Freun­din mit­zu­brin­gen. Und die ist auch noch Fil­me­ma­che­rin und ar­bei­tet für „Arte“. „Deutsch­land gu­cken“heißt ei­ne ak­tu­el­le Pro­duk­ti­on aus dem Düs­sel­dor­fer Kom(m)ödchen. Ne­ben den Pu­bli­kums­lieb­lin­gen aus dem Hau­sen­sem­ble, Mai­ke Kühl und Hei­ko Sei­del, sind der Schau­spie­ler Da­ni­el Graf so­wie der Ka­ba­ret­tist Mar­tin Mai­er-Bo­de zu er­le­ben. Und ob­wohl ab­ge­film­tes Thea­ter ja ein Fall für sich ist, macht Fuß­ball­gu­cken mit die­sem Quar­tett auch auf DVD gro­ßen Spaß. Do­ro­thee Krings

1 DVD, mu­si­ka­li­sche Be­ga­bung so­zu­sa­gen über­prä­sent war. Dort stu­dier­te er bei Io­na Tus­kia Kom­po­si­ti­on. An­schlie­ßend ar­bei­te­te er als frei­schaf­fen­der Kom­po­nist, schuf Fil­mund Büh­nen­mu­sik. Von 1971 bis 1978 lehr­te er am Kon­ser­va­to­ri­um Tif­lis. Seit 1991 lebt er im Wes­ten, be­vor­zugt in Bel­gi­en.

Sei­ne Mu­sik ent­wi­ckelt ei­ne Sog­kraft, der man sich nicht ent­zie­hen kann. Ge­wiss scheint Kan­che­li vor­dring­lich an der Er­zeu­gung von At­mo­sphä­re in­ter­es­siert, aber ei­nem dif­fu­sen Vi­brie­ren von Klän­gen. Wer ge­nau­er hin­hört, ent­deckt in die­ser iri­sie­ren­den Welt doch sehr ex­pres­si­ve Mus­ter, ei­ne Lei­den­schaft für die Ent­äu­ße­rung, die Erup­ti­on. Von Ge­dusel ist et­wa in „Twi­light“, dem zwei­ten Werk der CD, nicht viel zu spü­ren. Die bei­den Top-Gei­ger Gi­don Kre­mer und Patri­cia Ko­patchin­ska­ja und die fa­mo­se Kre­me­ra­ta Bal­ti­ca ge­wäh­ren ei­ne sug­ges­ti­ve In­ter­pre­ta­ti­on die­ser bei­den Kom­po­si­tio­nen.

Wolf­ram Goertz

FO­TO: DPA

Die Kunst des Er­zäh­lens im Ko­lum­ba Köln.

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