Wi­en nicht über­be­wer­ten

Rheinische Post Goch - - STIMME DES WESTENS - VON MAT­THI­AS BEER­MANN

Dass ei­ne Re­gio­nal­wahl in Wi­en zu ei­nem eu­ro­päi­schen Stim­mungs­test über­höht wur­de, ist der ge­wal­ti­gen Ner­vo­si­tät in den Re­gie­rungs­zen­tra­len an­ge­sichts der Flücht­lings­kri­se ge­schul­det. Wür­den die ös­ter­rei­chi­schen Wäh­ler der rechts­po­pu­lis­ti­schen FPÖ von Heinz-Chris­ti­an Stra­che mit ih­ren of­fen frem­den­feind­li­chen Pa­ro­len zum Durch­marsch ver­hel­fen?, lau­te­te die ban­ge Fra­ge. Ant­wort: Nein. Die So­zi­al­de­mo­kra­ten konn­ten ih­re Po­si­ti­on in Wi­en, das sie seit 1910 re­gie­ren, trotz Ver­lus­ten be­haup­ten. Aber es war eben kei­ne Ab­stim­mung über die Flücht­lings­po­li­tik, son­dern vor al­lem ein per­sön­li­ches Du­ell zwei­er Kan­di­da­ten um ei­nen Bür­ger­meis­ter­pos­ten. Nicht mehr, nicht we­ni­ger.

Des­we­gen wä­re Ent­war­nung auch un­an­ge­bracht. Ös­ter­reichs So­zi­al­de­mo­kra­ten und – mehr noch – die kon­ser­va­ti­ve Volks­par­tei wir­ken aus­ge­laugt und un­fä­hig zu fri­scher Po­li­tik. Die Ein­kom­men der Bür­ger sta­gnie­ren, die Ar­beits­lo­sig­keit steigt. Das nährt so­zia­le Ab­stiegs­ängs­te, die Flücht­lings­wel­le ver­stärkt sie noch. Wenn nichts ge­schieht, dann holt die FPÖ ih­ren Tri­umph bei der Par­la­ments­wahl 2018 nach. BE­RICHT

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