Er­käl­tung und Grip­pe – was zur Vor­beu­gung hilft

Rheinische Post Goch - - KULTUR -

Herbst und Win­ter sind Er­käl­tungs­zeit – vie­le Leu­te sind von ei­nem In­fekt be­trof­fen. Wir ge­ben Ant­wort auf die wich­tigs­ten Fra­gen zu Er­käl­tung und Grip­pe.

War­um ist die Grip­pe­schutz­imp­fung so wich­tig? Da die Vi­rus­grip­pe sehr an­ste­ckend ist, kommt es oft zu ei­ner wei­ten Ver­brei­tung der Kei­me, vor al­lem wenn die Men­schen nicht ge­schützt sind und das Vi­rus dar­über hin­aus ag­gres­siv ist. Uer­scheln: „Das be­kann­tes­te Bei­spiel ist die ,Spa­ni­sche Grip­pe’, die An­fang des 19. Jahr­hun­dert Mil­lio­nen Men­schen das Le­ben kos­te­te. Weil die Vi­rus­grip­pe so schwer ver­lau­fen kann und es auch nur we­ni­ge The­ra­pie­mög­lich­kei­ten zur Be­hand­lung ei­ner Grip­pe gibt, muss man zu an­de­ren Maß­nah­men grei­fen. Hier hat sich die Grip­pe­schutz­imp­fung als ef­fek­ti­ve und ein­fa­che Me­tho­de be­wie­sen.“Es ge­be noch ei­nen wich­ti­gen an­de­ren Aspekt, der bei der Ent­schei­dung für die Imp­fung hilft, sagt der Lun­genarzt: „Men­schen, die ge­impft sind und des­we­gen ei­ne Grip­pe nicht be­kom­men, kön­nen sie auch nicht an an­de­re wei­ter­ge­ben. So schüt­zen sie nicht nur sich selbst, son­dern auch ih­re Fa­mi­li­en, Freun­de, Be­kann­ten und Kol­le­gen.“ Wer ist ge­fähr­det, ei­ne Grip­pe zu be­kom­men? Ge­fähr­det sind Men­schen mit eher schwa­chem Im­mun­sys­tem oder hö­he­rem Ge­fähr­dungs­po­ten­zi­al. Uer­scheln er­läu­tert das: „Zu die­sen Grup­pen wer­den Per­so­nen ab dem 60. Le­bens­jahr, mit chro­ni­schen Krank­hei­ten oder Per­so­nen mit er­höh­ter Ge­fähr­dung wie me­di­zi­ni­sches Per­so­nal und Per­so­nen mit häu­fi­gem Kon­takt zu vie­len Men­schen ge­zählt. Sie soll­ten da­her nach den Emp­feh­lun­gen der Impf­kom­mis­si­on ge­gen die Vi­rus­grip­pe im Herbst ge­impft wer­den.“ Kann man ei­ne Er­käl­tung be­kom­men, auch wenn man ge­gen Grip­pe ge­impft ist? Ja. War­um das so ist, er­läu­tert Pe­ter Löh­mer: „Die Grip­pe­schutz­imp­fung hilft nur ge­gen das ech­te Grip­pe­vi­rus, das In­flu­en­za-Vi­rus. Die Imp­fung wird jähr­lich mo­di­fi­ziert, da das Vi­rus sich än­dert. Die Grip­pe­wel­le zieht über die ge­sam­te Er­de. Ein grip­pa­ler In­fekt wird durch an­de­re Vi­ren ver­ur­sacht, der Kör­per ist durch die Imp­fung nicht ge­schützt.“ Kann die Imp­fung Kom­pli­ka­tio­nen her­vor­ru­fen? Ja. Uer­scheln gibt aber Ent­war­nung: „Die­se Kom­pli­ka­tio­nen be­schrän­ken sich meist auf lo­ka­le Re­ak­tio­nen wie Rö­tung, Schwel­lung und Er­wär­mung an der Ein­stich­stel­le. Auch ist es mög­lich, dass es nach der Imp­fung in sel­te­nen Fäl­len zu Un­wohl­sein, Fie­ber und Mü­dig­keit kommt. Das sind al­les leich­te Fol­gen der Im­mun­re­ak­ti­on auf die Imp­fung. An­ste­cken an Grip­pe kann man sich durch die Imp­fung nicht, da die Vi­rus­be­stand­tei­le im Impf­stoff ab­ge­tö­tet wur­den und in­ak­tiv sind.“Wich­tig: Der Impf­schutz braucht zwei Wo­chen, um sich auf­zu­bau­en. Darf ei­ne Er­käl­tung mit An­ti­bio­ti­ka be­han­delt wer­den? Löh­mer: „Nein. Ei­ne Er­käl­tung wird durch Vi­ren aus­ge­löst, An­ti­bio­ti­ka hel­fen nur ge­gen Bak­te­ri­en. Erst wenn im Lauf der Er­kran­kung er­neut Hals­schmer­zen oder ho­hes Fie­ber auf­tre­ten oder Kopf­schmer­zen mit ge­färb­tem Na­sen­aus­fluss, kann man even­tu­ell ein An­ti­bio­ti­kum ver­ab­rei­chen. In die­sen Fäl­len sorgt ein zu­sätz­li­cher bak­te­ri­el­ler In­fekt für Be­schwer­den. Man nennt das bak­te­ri­el­le Su­per­in­fek­ti­on.“ Wie be­han­delt man ei­ne Er­käl­tung? Man kann nur die Sym­pto­me be­kämp­fen. Löh­mer: „Bei ver­stopf­ter Na­se hel­fen ab­schwel­len­de Sprays und Na­sen­spü­lun­gen mit Salz­was­ser. Bei Hals­schmer­zen hel­fen Lutsch­ta­blet­ten we­nig; Ibu­pro­fen oder Acetylsalicylsäure kön­nen Lin­de­rung brin­gen. Äthe­ri­sche Öle, über die Brust ge­rie­ben, er­leich­tern den Schlaf. Ist der Hus­ten stö­rend tro­cken, wir­ken Hus­ten­stop­per.“ Lässt sich die Er­käl­tung ver­hin­dern? Löh­mer emp­fiehlt: „Sinn­voll ist es, die Im­mun­ab­wehr zu för­dern. Da­zu zäh­len ab­wech­selnd kal­tes und war­mes Du­schen, Sau­na und ei­ne ge­sun­de Er­näh­rung.“

FO­TO: MEDICALPICTURE

Illustration von Or­tho­my­xo­vi­ren, den Er­re­gern der ech­ten In­flu­en­za.

FO­TOS: PRI­VAT/ENDERMANN

Lun­genarzt Jo­han­nes Uer­scheln (l.), HNO-Arzt Pe­ter Löh­mer.

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