Riss der Bi­zeps-Seh­ne

Rheinische Post Goch - - KULTUR -

Wer sei­ne Ja­cke nur noch schwer an­zie­hen kann

und Schmer­zen bei Be­we­gun­gen im Arm spürt, soll­te or­tho­pä­disch un­ter­sucht wer­den.

Un­ser Le­ser Pe­ter W. (41) aus Dü­ren schreibt: „Vor ei­ni­gen Mo­na­ten muss­te ich mei­ne Toch­ter ein­mal auf­fan­gen. Seit­dem ha­be ich star­ke Schmer­zen in der rech­ten Schul­ter, Scho­nung und Kran­ken­gym­nas­tik brach­ten kei­ne Lin­de­rung. Die Schmer­zen be­ste­hen vor al­lem bei der Au­ßen­ro­ta­ti­on und Seit­wärts­he­bung des Arms, so dass ich et­wa ei­ne Ja­cke nur schwer an­zie­hen kann, Mitt­ler­wei­le tut selbst das Hän­gen­las­sen des Arms weh.“ Thi­lo Pat­zer Hier liegt ein Ein­riss des Ur­sprungs der lan­gen Bi­zeps-Seh­ne vor. Die­se Seh­ne ent­springt am Ober­rand der Schul­ter­pfan­ne, läuft als ein­zi­ge Seh­ne des Kör­pers oh­ne Seh­nen­schei­de durch das Ge­lenk über den Ober­arm­kopf und en­det im Bi­zeps-Mus­kel im Ober­arm. Durch die­se ex­po­nier­te La­ge im Ge­lenk wird die Seh­ne häu­fig bei Über­kopf­sport­lern (Ten­nis, Volleyball, Hand­ball, Base­ball, Schwim­men) über­be­an­sprucht, was sich oft zu­nächst als Seh­nen­ent­zün­dung dar­stellt. Hier sind Trai­nings­um­stel­lun­gen und der Ver­zicht auf Ak­ti­vi­tä­ten rat­sam, die den Schmerz pro­vo­zie­ren.

Ein­ris­se kön­nen dann durch sich wie­der­ho­len­de Mi­kroT­rau­ma­ti­sie­run­gen der Über­kopf­be­las­tun­gen, aber auch durch ein Ma­kro-Trau­ma wie ei­nen Sturz oder Zug am Arm ent­ste­hen. Sind be­reits Ris­se des Seh­nen-Ur­sprungs (die so­ge­nann­te SLAP-Lä­si­on) oder der Seh­nen-Hal­te­bän­der (so­ge­nann­te Pul­ley-Lä­si­on) vor­han­den, hilft oft nur noch die ope­ra­ti­ve The­ra­pie durch ei­ne Ge­lenk­spie­ge­lung (Ar­thro­sko­pie).

Die lan­ge Bi­zeps-Seh­ne spiel­te für das Schul­ter­ge­lenk gera­de in der Ur­zeit ei­ne sta­bi­li­sie­ren­de Rol­le, als un­se­re Vor­fah­ren noch auf Bäu­men un­ter­wegs wa­ren und von Lia­ne zu Lia­ne spran­gen. Heu­te, im auf­rech­ten Gang, ist die Funk­ti­on der Seh­ne für das Schul­ter­ge­lenk eher ge­ring; ei­ne ge­wis­se sta­bi­li­sie­ren­de Rol­le ist un­be­streit­bar, doch kann man auch oh­ne die lan­ge Bi­zeps-Seh­ne gut le­ben, denn der im Ge­lenk ver­lau­fen­de An­teil ist an­fäl­lig und stellt ei­nen we­sent­li­chen Schmerz­ge­ne­ra­tor des Schul­ter­ge­lenks dar.

Bei ei­ner Spie­ge­lung des Schul­ter­ge­lenks

lässt sich die Seh­ne wie­der nä­hen

oder fi­xie­ren

Ist al­so die Seh­ne ein­ge­ris­sen und in ih­rem Ver­lauf in­sta­bil, kann sie so­gar durch die schei­ben­wi­scher­ar­ti­ge Rei­bung Knor­pel­schä­den auf dem Ober­arm­kopf ver­ur­sa­chen. Des­halb soll­te mit der The­ra­pie nicht zu lan­ge ge­war­tet wer­den.

Der Seh­nen-Ur­sprung kann in der Ge­lenk­spie­ge­lung bei jun­gen Pa­ti­en­ten ge­näht wer­den. Bei äl­te­ren Pa­ti­en­ten wird die Seh­ne am Ur­sprung ab­ge­löst und et­was tie­fer au­ßer­halb des Ge­lenks wie­der fi­xiert oder ein­fach sich selbst über­las­sen, wo­bei die Seh­ne sich im Kno­chen­ka­nal des Ober­arms ver­klemmt.

Wich­tig ist die kli­ni­sche und ra­dio­lo­gisch-so­no­gra­fi­sche Dia­gnos­tik, da­mit dem Pa­ti­en­ten die pas­sen­de The­ra­pie emp­foh­len wer­den kann.

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