Schmug­gel The­ma in „An Niers und Ken­del“

Rheinische Post Goch - - GRENZLAND POST -

Ne­ben der Aus­stel­lung im Fünf-Rin­ge-Haus be­fasst sich auch das Hei­mat­ma­ga­zin mit Grenz­gän­gern.

GOCH (Nan/em­ko) Schie­ße­rei­en, To­te, „gu­te“Ver­bre­cher. Was sich an­hört wie der Be­ginn ei­nes Wes­tern, war in der Grenz­re­gi­on des Nie­der­rheins im 19. Jahr­hun­dert nichts Au­ßer­ge­wöhn­li­ches. Schmugg­ler schaff­ten heim­lich Wa­ren über die Gren­ze und lie­fer­ten sich mit Grenz­po­li­zis­ten Feu­er­ge­fech­te. Hans-Joa­chim Ko­epp, lang­jäh­ri­ger Stadt­ar­chi­var in der Stadt Goch, ord­net die­se Er­eig­nis­se im Rah­men des 20-jäh­ri­gen Be­ste­hens des Schen­ge­ner Ab­kom­mens in der his­to­ri­schen Zeit­schrift des Hei­mat­ver­eins Goch „An Niers und Ken­del“ein.

Wie be­reits in un­se­rer Zei­tung be­rich­tet, fin­det ab dem 17. Ok­to­ber ei­ne Aus­stel­lung, pas­send zum The­ma, im Fünf-Rin­ge-Haus am Go­cher Markt­platz statt. Bis Weih­nach­ten ist die­se je­den Sams­tag und Sonn­tag von 10 Uhr bis 17 Uhr ge­öff­net. Der Ein­tritt ist frei.

Die 54. Aus­ga­be der hei­ma­this­to­ri­schen Zeit­schrift wur­de kom­plett von Hans-Joa­chim Ko­epp ver­fasst. Er be­schäf­tigt sich mit den An­fän­gen des Schleich­han­dels im frü­hen 19. Jahr­hun­dert bis hin zum er­neu­ten Auf­blü­hen nach dem Zwei­ten Welt­krieg.

Die Men­schen am Nie­der­rhein wa­ren da­mals zum Teil auf den Schmug­gel an­ge­wie­sen, um über­le­ben zu kön­nen. So kos­te­te Fleisch in den Nie­der­lan­den um ei­ni­ges we­ni­ger als in Deutsch­land, was vor al­lem die Go­cher Metzger spür­ten. Vier Pfund pro Per­son gal­ten zwar als Frei­men­ge, brach­te man je­doch mehr über die Gren­ze, muss­te man mit emp­find­li­chen Stra­fen rech­nen. So wur­de bis zum Ers­ten Welt­krieg die Be­am­ten­prä­senz an der deutsch-nie­der­län­di­schen Gren­ze ver­stärkt. Um die Flucht­mög­lich­kei­ten Kriegs­ge­fan­ge­ner so­wie aber auch Schmugg­lern zu be­gren­zen, wur­de der Aus­weis­zwang in Grenz­nä­he ein­ge­führt.

Je­doch konn­te auch die­se Maß­nah­me den Schmug­gel nicht ein­däm­men, und vor al­lem der Groß­vieh­han­del blüh­te auf. Den Hö­he­punkt der Schmugg­ler­ge­schich­te am Nie­der­rhein mar­kier­ten ge­walt- tä­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen zwi­schen Grenz­po­li­zis­ten und Schmugg­lern in den Jah­ren 1931/ 32. Da­bei kam es ver­mehrt zu Schie­ße­rei­en und vor al­lem nahm die Ge­walt­be­reit­schaft der Schmugg­ler zu. Es wur­de für Grenz­po­li­zis­ten bei­na­he All­tag, dass Schmugg­ler auf sie schos­sen. Mit En­de des Zwei­ten Welt­krie­ges er­leb­te der Schmug­gel noch­mals ei­nen Hö­he­punkt, je­doch wirk­ten die Al­li­ier­ten mit har­ten Stra­fen ent­ge­gen.

Die 90er Jah­re läu­te­ten ei­ne Lo­cke­rung der Grenz­po­li­tik ein. Mit der Un­ter­zeich­nung des Schen­ge­ner Ab­kom­mens wur­den dann jeg­li­che Gren­zen auf­ge­löst und so­mit auch das Schmugg­ler­pro­blem be­en­det. Vie­le Nie­der­rhei­ner be­sit­zen heu­te noch die Zoll­uni­for­men, Ab­zei­chen, al­te Päs­se, Ab­sperr­bän­der und Mün­zen.

Das Heft kos­test 2,50 Eu­ro und ist im Buch­han­del zu er­wer­ben.

Gochs ehe­ma­li­ger Stadt­ar­chi­var Han­sJoa­chim Ko­epp.

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