Auf dem Nord­turm die Hei­mat zu Fü­ßen

Rheinische Post Goch - - GOCH / UEDEM - VON MAT­THI­AS GRASS

Seit 2012 ist die Turm­spit­ze auf dem Berg­fried von Schloss Moy­land für Be­su­cher ge­öff­net. Erst zehn Jah­re nach dem Um­bau der Rui­ne zum Mu­se­um wur­de sie wie­der auf­ge­rich­tet und bie­tet Rund­blick.

BEDBURG-HAU-MOY­LAND Über vie­le Stu­fen muss man geh’n, wenn man den Nie­der­rhein zu Fü­ßen ha­ben möch­te. Oben auf dem Nord­turm von Mu­se­um Schloss Moy­land weht dem Be­su­cher ein fri­scher Wind um die Na­se, im Rü­cken lie­gen die Schup­pen des Schie­fer­da­ches, un­mit­tel­bar zu Fü­ßen die spit­zen Dä­cher der Schloss­an­la­ge, die Zin­nen der halb­run­den Eck­tür­me, der Bur­gra­ben, der Park mit Kräu­ter- und Ro­sen­gar­ten, die Kro­nen der al­ten Bäu­me, die Wie­sen und Fel­der. In der Fer­ne, oft in ei­nem leich­ten Dunst­schlei­er, der mäch­ti­ge Turm der Schwa­nen­burg. Kurz: Der Moy­län­der Nord­turm ist ei­ne Ei­ne Ent­de­ckungs­rei­se mit Weit­blick.

Doch be­vor der Blick sich wei­tet, muss der Be­su­cher den Ein­gang im zwei­ten Stock der Schloss­an­la­ge fin­den. Von der schma­len Tür in der Ecke des Saals für den För­der­ver­ein führt ein schma­ler Gang durch die di­cken Turmmau­ern nach oben.

St­ein­stu­fe für St­ein­stu­fe für St­ein­stu­fe.

Wer ein we­nig Er­ho­lung auf die­sem stei­len schma­len Gang hin­auf sucht, kann in den bei­den Turm-Ke­ma­na­ten im drit­ten und vier­ten Stock­werk aus­ru­hen und sich ein biss­chen wie ei­ne Prin­zes­sin oder ein Prinz in sei­ner Burg füh­len: Die kreis­run­den Räu­me ha­ben tie­fe Fens­ter­aus­schnit­te, in die ge­mau­er­te Sitz­bän­ke ein­ge­las­sen sind. Dar­auf la­den Sitz­kis­sen ein zum Blick in die Lan­de.

Vom letz­ten Stock­werk des Tur­mes führt ei­ne frei­ste­hen­de Wen- del­trep­pe hin­auf an den Turm­helm durch ei­ne run­de Öff­nung im Ge­wöl­be. Dann geht’s hin­auf auf die Platt­form in et­wa 32 Me­tern Hö­he. Wenn sich die Tür öff­net, steht fest: Die 116 Stu­fen ha­ben sich ge­lohnt. Im Sü­den liegt der Ue­de­mer Wind­park hin­ter dem Kat­zen­bu­ckel, im Nord­wes­ten: Kle­ve mit Sen­der, Stifts­kir­che, Schwa­nen­burg, da­vor die Qu­al­bur­ger St. Mar­ti­nus-Kir­che. Ist man beim Rund­gang im Nor­den, schweift der Blick gen Em­me­rich mit dem Turm von St. Mar­ti­nus Elten, Ho­chel­ten, man sieht die Rhein­brü­cke, da­ne­ben Uni­che­ma, St. Mar­ti­ni, Chris­tus­kir­che, Rat­haus, St. Adel­gun­dis, Con­tai­ner­ha­fen. Im Os­ten schließ­lich Till-Moy­land (St. Vin­cen­tus), Kal­kar (St. Cle­mens Wis­sel, Wun­der­land) und im Süd­os­ten Kal­kar (Loh­müh­le, Ev. Kir­che, St. Ni­co­lai, St. Pank­ra­ti­us Alt­kal­kar, Von-Seydlitz-Ka­ser­ne), Ra­dar­sta­ti­on, er­klärt So­phia Tuchard. „Es ist ei­ne Be­schrif­tung an der Ba­lus­tra­de in Ar­beit, die auf die­se Land­mar­ken hin­weist“, blickt die Spre­che­rin von Schloss Moy­land nach vor­ne. Für den neu­en Turm- helm nach Plä­nen des Dom­bau­meis­ters Zwir­ner, der im 19. Jahr­hun­dert Moy­land zu ei­nem Tu­dor­schloss um­bau­te, muss­te der Kle­ver Bau­un­ter­neh­mer Go­ris ei­nen 45 Zen­ti­me­ter di­cken So­ckel auf den Turm gie­ßen. Dar­auf folg­te, eben­falls aus Be­ton ge­gos­sen, das ers­te Ge­schoss des Turm­helms, der sich dann noch mal 26 Me­ter über den 31 Me­ter ho­hen Turm er­hebt. Der Turm­helm selbst wur­de vom Keve­lae­rer Zim­me­rei-Be­trieb van Aken ge­fer­tigt. Er grüßt jetzt als Land­mar­ke und ist ein Blickfang für al­le, die auf der B 57 auf Moy­land zu­fah­ren. Die ist näm­lich schnurstraks auf den Moy­län­der Turm aus­ge­rich­tet.

Dom­bau­meis­ter Zwir­ner hat­te im 19. Jahr­hun­dert beim Um­bau den einst ba­rock-ge­schwun­ge­nen Turm­helm durch die go­ti­sche Spit­ze er­setzt. Die wur­de im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört. Beim Um­bau der Schloss­rui­ne zum Mu­se­um ver­zich­te­te man 1997 auf den Wie­der­auf­bau des Helms. Doch erst 2012 konn­te der Turm für Be­su­cher zu­ge­las­sen wer­den. Al­le Mu­se­ums­be­su­cher ha­ben die Mög­lich­keit, auf den Turm­helm zu klet­tern, der Auf­stieg über die 116 Stu­fen ist im Mu­se­ums­preis in­be­grif­fen.

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