Kopf-an-Kopf-Ren­nen in Köln

Rheinische Post Goch - - NORDRHEIN-WESTFALEN - VON DET­LEV HÜWEL

Am Sonn­tag wird end­lich auch in Köln ein neu­er Ober­bür­ger­meis­ter ge­wählt. Die par­tei­lo­se Hen­ri­et­te Re­ker lag nach ei­ner Um­fra­ge zu­letzt mit 51 Pro­zent der Stim­men vor­ne.

KÖLN End­spurt in der Dom­stadt. Am kom­men­den Sonn­tag kön­nen nun auch die Köl­ner ent­schei­den, wer bis 2020 die Ober­bür­ger­meis­ter-Ket­te tra­gen soll – Jo­chen Ott (SPD) oder die par­tei­lo­se Hen­ri­et­te Re­ker, die von CDU, Grü­nen und FDP un­ter­stützt wird. Zwar stel­len sich fünf wei­te­re Kan­di­da­ten zur Wahl, doch kei­ner von ih­nen hat ei­ne Chan­ce. Nach ei­ner Um­fra­ge im Auf­trag des WDR lag Re­ker zu­letzt mit 51 Pro­zent vorn, ge­folgt von SPD-Mann Ott mit 36 Pro­zent.

Dass in NRWs ein­zi­ger Mil­lio­nen­stadt erst jetzt ge­wählt wird, liegt dar­an, dass ur­sprüng­lich auf dem Stimm­zet­tel die Par­tei­zu­ge­hö­rig­keit rie­sen­groß ge­druckt wor­den war, wo­durch par­tei­lo­se Be­wer­ber mög­li­cher­wei­se hät­ten be­nach­tei­ligt wer­den kön­nen. Al­so wur­de die Wahl ver­scho­ben, nach­dem es in Köln oh­ne­hin schon mehr­fach Pan­nen und Plei­ten bei Wah­len ge­ge­ben hat. Die gro­ße Fra­ge ist nun, wie vie­le Bür­ger am Sonn­tag über­haupt noch mit­ma­chen wol­len.

„Wer nicht zur Wahl geht, kann hin­ter­her nicht me­ckern“, schärft Hen­ri­et­te Re­ker am Wahl­kampf­stand in der Köl­ner In­nen­stadt den Pas­san­ten ein. „Wie wol­len Sie als Ober­bür­ger­meis­te­rin drei Par­tei­en un­ter ei­nen Hut brin­gen?“, will ein jun­ger Mann von ihr wis­sen. Re­ker, die er­klär­ter­ma­ßen den Grü­nen na­he­steht, zö­gert nicht lan­ge: „Gar nicht“, sagt sie mit ent­waff­nen­dem Lä­cheln. „Ich will et­was für die Stadt tun. Mir geht es um die bes­ten Ide­en – egal, von wel­cher Par­tei sie kom­men.“Ir­gend­wel­che Ab­spra­chen mit den sie un­ter­stüt­zen­den Par­tei­en ge­be es nicht, ver­si­chert die Ju­ris­tin, die seit 2010 als So­zi­al­de­zer­nen­tin der Stadt tä­tig ist. Al­ler­dings ist sie schon seit elf Wo­chen nicht mehr an ih­rem Ar­beits­platz ge­we­sen, weil sie we­gen des Wahl­kampfs Ur­laub (auch den aus 2014) ge­nom­men hat. Sie hofft, dass die Hän­ge­par­tie am Sonn­tag be­en­det ist und es nicht zur Stich­wahl am 8. No­vem­ber kom­men wird.

Wäh­rend Jo­chen Ott (41), Köl­ner „Ge­wächs“wie Re­ker (58), Pla­ka­te mit sei­nen drei Kin­dern kle­ben lässt und da­mit die kin­der­lo­se Kan­di­da­tin zu über­trump­fen ver­sucht, führt Re­ker ih­re po­li­ti­sche Un­ge­bun­den­heit ge­gen Ott ins Feld: „Wenn man Par­tei­po­li­ti­ker wie mein Mit­be­wer­ber ist, kann man sich nicht über Par­tei­be­schlüs­se hin­weg­set­zen. Ich kann das, denn ich bin un­ab­hän­gig.“Sie sei die bes­se­re Kan­di­da­tin, weil sie „sehr viel Er­fah­rung in der Ver­wal­tung ha­be“. Schließ­lich sei sie Vor­ge­setz­te von 2000 Mit­ar­bei­tern. Füh­rungs­er­fah­rung ge­hö­re zum Amt des Ober­bür­ger­meis­ters, be­tont Re­ker.

Sie will „den Filz und den Klün­gel aus dem Rat­haus ver­ban­nen“, will „nicht auf­räu­men, son­dern aus­räu­men“. Jo­chen Ott, Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter und Köl­ner SPD-Chef, sei Teil des Sys­tems, hört man zwi­schen den Zei­len.

Doch auch Ott, der aus­ge­bil­de­ter Gym­na­si­al­leh­rer ist, si­gna­li­siert Ent­schlos­sen­heit. Die Stadt­ver­wal­tung brau­che nicht das „wei­te­re Mo­de­rie­ren von Ver­wal­tungs­ju­ris­ten“, sti­chelt er ge­gen Re­ker, son­dern nö­tig sei ein An­trei­ber. „An der Spit­ze muss je­mand ste­hen, der sagt, wo es lang­geht“, so Ott un­ter An­spie­lung auf die zu­meist mit sanf­ter Stim­me spre­chen­de Ge­gen­kan­di­da­tin.

Auf dem Wo­chen­markt im Stadt­teil Klet­ten­berg ruft Ott den Pas­san­ten mit brei­tem Lä­cheln zu: „Ich möch­te Ober­bür­ger­meis­ter wer­den.“SPD-Lan­des­che­fin Han­ne­lo­re Kraft, die ihn im Stra­ßen­wahl­kampf be­glei­tet und Ott-Pro­spek­te ver­teilt, se­kun­diert ar­tig: „Der Jo­chen ist ein sehr gu­ter Po­li­ti­ker; er hat das Herz

Hen­ri­et­te Re­ker am rech­ten Fleck. Er hat Köln im­mer im Blick.“Der­weil teilt Ott un­er­müd­lich ro­te Ro­sen an Pas­san­tin­nen aus. „Köln muss sau­be­rer wer­den“, sagt ei­ne Frau, die sich über den Zu­stand der Un­ter­füh­rung am Ber­li­ner Platz är­gert. „Ja, ja. Da ist es im­mer voll­ge­pin­kelt“, sagt Ott und fügt hin­zu: „Das The­ma Sau­ber­keit ist wich­tig. Wir ar­bei­ten dran.“

In der Köl­ner Süd­stadt, wo er an­schlie­ßend klei­ne Topf­pflan­zen („Flam­men­des Käth­chen“) ver­teilt, wird Ott auf die ho­hen Mie­ten an­ge­spro­chen. „Der Markt ist über­hitzt“, sagt er. „Wir müs­sen mehr bau­en.“Die CDU ha­be sei­ner­zeit den so­zia­len Woh­nungs­bau „auf null ge­fah­ren“. Und wie­der ein­mal, wie so oft an die­sem Tag, er­mun­tert er die Bür­ger: „Schrei­ben Sie mir doch ei­ne Mail. Ich kom­me dann raus und gu­cke mir das an.“

Mög­li­cher­wei­se muss die Mail ab 21. Ok­to­ber an den Herrn Ober­bür­ger­meis­ter Jo­chen Ott ge­rich­tet wer­den – viel­leicht aber auch nicht. Wie rief doch ein Bür­ger Hen­ri­et­te Re­ker zu? „Mä­del, mach et jut.“

„Ich will den Filz und den Klün­gel aus dem Rat­haus ver­ban­nen“

OB-Kan­di­da­tin

SPD-Kan­di­dat Jo­chen Ott (41) ver­teilt im Köl­ner Wahl­kampf Ro­sen.

FO­TOS: HEINZ-FRIED­RICH HOFF­MANN

Hen­ri­et­te Re­ker (58) will an die Stadt­spit­ze.

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