Die neue Rech­te

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON EVA QUAD­BECK

Im Pro­test ge­gen Flücht­lin­ge fin­den frem­den­feind­li­che Grup­pie­run­gen von AfD über Pe­gi­da bis zur NPD zu­ein­an­der.

BERLIN Sie kön­nen noch nicht ein­mal den Vor­na­men des Vi­ze­kanz­lers kor­rekt schrei­ben, ih­re Bot­schaft ist den­noch ein­deu­tig. Pe­gi­da-An­hän­ger lie­fen am Mon­tag­abend mit ei­ner Gal­gen-At­trap­pe durch Dres­den. Re­ser­viert war sie für „Sieg­mar (!) ,das Pack’ Ga­b­ri­el“und „An­ge­la ,Mut­ti’ Mer­kel“.

Die ver­schärf­te Ton­la­ge frem­den­feind­li­cher Het­zer zeigt, dass sich die ra­di­ka­le Rech­te in Deutsch­land stark fühlt. Im­mer häu­fi­ger in­te­grie­ren sie auch bis­her grund­an­stän­di­ge Bür­ger in ih­re Rei­hen. Mit dem Zustrom der Flücht­lin­ge nach Deutsch­land ha­ben sich nicht nur ei­ne Will­kom­mens­kul­tur und ein Netz­werk von Hel­fern ent­wi­ckelt, auch die rech­te Sze­ne hat Zu­lauf. Die Be­hör­den re­gis­trie­ren seit Wo­chen sprung­haft stei­gen­de Zah­len rechts mo­ti­vier­ter Straf­ta­ten ge­gen Asyl­be­wer­ber­hei­me. In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re (CDU) wies in der ver­gan­ge­nen Wo­che dar­auf hin, dass zwei Drit­tel der Tä­ter bis­her „un­be­schol­te­ne Bür­ger“sei­en.

In Deutsch­land for­miert sich gera­de ei­ne frem­den­feind­li­che Al­li­anz, die auch bür­ger­li­che Kri­ti­ker der Flücht­lings­po­li­tik der gro­ßen Ko­ali­ti­on zu ver­ein­nah­men ver­sucht. Ei­ne wich­ti­ge Ach­se ist die Ver­bin­dung zwi­schen der na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven AfD und der is­lam­feind­li­chen Pro­test­be­we­gung Pe­gi­da, die seit et­wa ei­nem Jahr in vie­len deut­schen Städ­ten, ins­be­son­de­re im Os­ten, ge­gen den Zu­zug mus­li­misch­gläu­bi­ger Men­schen de­mons­triert.

In der AfD setz­ten sich nach mo­na­te­lan­gen Flü­gel­kämp­fen die na­tio­nal­kon­ser­va­ti­ven Kräf­te durch, an de­ren Spit­ze nun Frauke Pe­try als neue Par­tei­che­fin steht. Sie führt die AfD ganz of­fen­sicht­lich auf ei­nen frem­den­feind­li­chen Kurs. Auch pri­vat hat sie ei­nen Schnitt voll­zo­gen: Sie trenn­te sich von ih­rem Ehe­mann, ei­nem evan­ge­li­schen Pfar­rer, und ist nun mit dem nord­rhein­west­fä­li­schen AfD-Lan­des­chef Mar- cus Pret­zell li­iert. Noch-Ehe­mann Sven Pe­try ist in­zwi­schen in die CDU ein­ge­tre­ten. Über Twit­ter mach­te der Theo­lo­ge mehr­fach deut­lich, dass er den Flücht­lin­gen in Deutsch­land po­si­tiv ge­gen­über­steht. So hat­te die pri­va­te Tren­nung of­fen­sicht­lich auch po­li­ti­sche Grün­de. Pret­zell galt von An­fang an als Scharf­ma­cher in der AfD.

Pe­try hat­te Mit­te Sep­tem­ber in Berlin ei­ne Herb­stof­fen­si­ve ih­rer Par­tei zur Asyl­po­li­tik an­ge­kün­digt. In der einst als eu­ro­kri­ti­sche Par­tei ge­grün­de­ten AfD sind nur noch die Kräf­te üb­rig, die nie Be­rüh­rungs­ängs­te mit Pe­gi­da hat­ten. Da­zu zählt auch Vi­ze-Par­tei­chef Alex­an- der Gau­land, der Pe­gi­da von An­fang an als „na­tür­li­che Ver­bün­de­te“der AfD sah.

Der wach­sen­de Un­mut im Volk ge­gen die Flücht­lings­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung gibt Was­ser auf die Müh­len der AfD. Die Par­tei stieg zu­letzt in Um­fra­gen auf sechs bis sie­ben Pro­zent, nach­dem sie durch die par­tei­in­ter­nen Que­re­len zwi­schen­zeit­lich auf zwei Pro­zent ge­sun­ken war.

Die Par­tei ist im Wan­del: In Sach­sen hat die AfD schon kei­ne Scheu mehr, mit rechts­ex­tre­men Bür­ger­initia­ti­ven wie dem „Hei­mat­schutz Mei­ßen“zu ko­ope­rie­ren. Man­cher­orts stim­men AfD und NPD auch in Kom­mu­nal­par­la­men­ten ge­mein­sam ab. Frem­den­feind­lich­keit ist in die­sen Kom­mu­nen sa­lon­fä­hig. Dort ge­hö­ren of­fe­ne Het­ze und Auf­ru­fe zur Ge­walt ge­gen Flücht­lin­ge zum All­tag, wie die ARD-Do­ku­men­ta­ti­on „Die Sto­ry“am Mon­tag­abend zeig­te. Zur An­kunft von Flücht­lin­gen in der Stadt wur­de in Mei­ßen durch ei­nen Schrift­zug an ei­ner Mau­er of­fen zum „Asy­lan­ten­ja­gen“auf­ge­for­dert.

Es ist aber nicht nur der Os­ten, in dem die Rech­ten er­star­ken. Ins­be­son­de­re in NRW gibt es meh­re­re Grup­pie­run­gen, die der Ver­fas­sungs­schutz als rechts­ex­tre­mis­tisch ein­stuft. Da­zu zählt die Split­ter­par­tei Pro NRW, die vor mehr als zehn Jah­ren aus ei­ner Bür­ger­be­we­gung ge­gen ei­nen Mo­schee-Bau in Köln ent­stan­den ist und in der Ver­gan­gen­heit schon von sich aus Pe­gi­daDe­mons­tra­tio­nen or­ga­ni­sier­te. Sie gibt sich bür­ger­lich und ba­sis­de­mo­kra­tisch, das Sa­gen aber ha­ben Funk­tio­nä­re, die aus der rechts­ex­tre­men Sze­ne kom­men.

Un­ter Be­ob­ach­tung des Ver­fas­sungs­schut­zes steht in Nord­rheinWest­fa­len auch der Lan­des­ver­band der Split­ter­par­tei „Die Rech­te“, die der Be­hör­de zu­fol­ge von Neo­na­zis do­mi­niert ist und als Er­satz für ver­bo­te­ne neo­na­zis­ti­sche Ka­me­rad­schaf­ten auf­tritt. Sie ist ins­be­son­de­re in Dort­mund und Hamm ak­tiv.

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