Müs­sen Leh­rer Be­am­te sein?

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In NRW kann künf­tig noch Be­am­ter wer­den, wer be­reits 42 Jah­re alt ist. Bis­lang liegt die Gren­ze bei 40 Jah­ren. Das Land will da­mit zwei Flie­gen mit ei­ner Klap­pe schla­gen: Zum ei­nen hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ei­ne Neu­re­ge­lung ver­langt. Zum an­de­ren soll mit der Her­auf­set­zung der Al­ters­gren­ze die Ab­wan­de­rung von qua­li­fi­zier­ten Kräf­ten in an­de­re Län­der ver­hin­dert wer­den.

So weit, so nach­voll­zieh­bar. Doch die Kern­fra­ge bleibt: Müs­sen Leh­rer (sie ma­chen das Gros der Be­am­ten­schaft aus) wirk­lich ver­be­am­tet wer­den? Der wich­tigs­te Grund dürf­te sein, dass Be­am­te nicht strei­ken dür­fen, wo­durch Be­re­chen­bar­keit herrscht. Vie­le El­tern er­in­nern sich wohl noch mit Schau­dern an den wo­chen­lan­gen Streik der an­ge­stell­ten Ki­ta-Kräf­te.

Das di­cke En­de kommt je­doch, wenn die Staats­die­ner in den Ru­he­stand wech­seln. Dann näm­lich muss das Land für ih­re Pen­sio­nen

Auch auf Nord­rhein-West­fa­len kommt ei­ne Pen­si­ons­la­wi­ne zu. Zwar trifft das Land Vor­sor­ge, doch nach Ein­schät­zung der Be­am­ten-Lob­by sind die Mit­tel nicht aus­rei­chend.

auf­kom­men. Al­ler­dings ist schon lan­ge ab­seh­bar, dass auf NRW ei­ne Pen­si­ons­la­wi­ne zu­rollt. Der­zeit gibt es rund 147.000 Pen­sio­nä­re; für 2024 wird der Höchststand mit 165.000 Pen­sio­nä­ren er­war­tet. Da­mit die Ver­sor­gungs­las­ten die Län­der nicht kalt er­wi­schen, muss seit 1999 bun­des­weit Vor­sor­ge ge­trof­fen wer­den. In NRW gibt es seit­her ei­ne „Ver­sor­gungs­rück­la­ge“, die sich vor al­lem aus pro­zen­tua­len Ab­schlä­gen bei Be­sol­dungs­er­hö­hun­gen speist. Ent­ge­gen weit­ver­brei­te­ter An­nah­me leis­ten Be­am­te al­so sehr wohl ei­nen (wenn auch be­schei­de­nen) Ei­gen­bei­trag für ih­re Al­ters­ver­sor­gung. Bis En­de 2016 wer­den rund sechs Mil­li­ar­den Eu­ro zu­sam­men­kom­men.

Zu­dem gibt es in NRW seit 2006 ei­nen ge­son­der­ten Ver­sor­gungs­fonds: Für je­den neu ein­ge­stell­ten Be­am­ten zahlt das Land rund 600 Eu­ro mo­nat­lich in die­sen Fonds, der bis En­de 2016 auf 3,9 Mil­li­ar­den Eu­ro an­wach­sen wird.

Ab 2017 sol­len bei­de Töp­fe zu ei­nem „Pen­si­ons­fonds“zu­sam­men­ge­legt wer­den. Weil der Fi­nanz­mi­nis­ter ab dann nur noch 200 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr ein­zah­len will, wirft ihm die Op­po­si­ti­on Trick­se­rei vor. Auch der Deut­sche Be­am­ten­bund ist em­pört: Es ge­he nur dar­um, die Aus­ga­ben zu sen­ken. Der Fi­nanz­mi­nis­ter weist das zu­rück und ver­si­chert, dass nichts aus die­sem Spar­strumpf für den lau­fen­den Haus­halt ent­nom­men wird, ob­wohl dies ab 2018 bei der Ver­sor­gungs­rück­la­ge mög­lich wä­re.

Die Kri­ti­ker zei­gen sich da­von un­be­ein­druckt; die Be­am­ten­lob­by spricht von ei­ner „chro­ni­schen Un­ter­fi­nan­zie­rung der Ver­sor­gungs­rück­la­gen“. Ob sie be­fürch­tet, dass nach der Her­auf­set­zung des Pen­si­ons­al­ters auf 67 Jah­re ir­gend­wann auch ei­ne Sen­kung der Ma­xi­mal­pen­si­on (der­zeit 71 Pro­zent) droht?

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