Un­dich­te Stel­le im Va­ti­kan

Rheinische Post Goch - - POLITIK - VON JU­LI­US MÜL­LER-MEI­NIN­GEN

Soll die Bi­schofs­syn­ode ma­ni­pu­liert wer­den? Ein in­ter­ner Be­schwer­de­brief meh­re­rer Teil­neh­mer an Papst Fran­zis­kus ist an die Öf­fent­lich­keit ge­langt. Der deut­sche Kar­di­nal Ger­hard Lud­wig Mül­ler nennt die­se In­dis­kre­ti­on ei­nen Skan­dal.

ROM Die Bi­schofs­syn­ode tritt in die­sen Ta­gen in ih­re ent­schei­den­de Pha­se – die Stim­mung im Va­ti­kan ist spür­bar an­ge­spannt. Aus­lö­ser für die jüngs­ten Ir­ri­ta­tio­nen ist ein jetzt im In­ter­net ver­öf­fent­lich­ter Brief von 13 Kar­di­nä­len an Papst Fran­zis­kus, die ei­ne Ma­ni­pu­la­ti­on der weg­wei­sen­den Ver­samm­lung be­kla­gen. Sie schrie­ben au­ßer­dem, das Vor­be­rei­tungs­do­ku­ment „In­stru­men­tum la­bo­ris“müs­se über­ar­bei­tet wer­den. Auch der deut­sche Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on, Ger­hard Lud­wig Mül­ler, ge­hört of­fen­bar zu den Un­ter­zeich­nern des Pa­piers.

In ei­nem In­ter­view mit der ita­lie­ni­schen Ta­ges­zei­tung „Cor­rie­re del­la Se­ra“sag­te Mül­ler: „Der Brief hät­te pri­vat blei­ben müs­sen. Das ist ein neu­es Va­ti­leaks.“Auf die Fra­ge, ob er zu den Un­ter­zeich­nern ge­hö­re, ent- geg­ne­te Mül­ler: „Ich sa­ge nicht, ob ich un­ter­schrie­ben ha­be oder nicht.“Vier der ge­nann­ten 13 Un­ter­zeich­ner de­men­tier­ten da­ge­gen, den Brief un­ter­schrie­ben zu ha­ben.

Mül­ler ver­tei­dig­te sich ge­gen den Vor­wurf, ein Geg­ner von Fran­zis­kus zu sein. Als Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on sei er des­sen ers­ter Mit­ar­bei­ter. „Ich dul­de nicht, dass man mei­nen Ge­hor­sam und mei­nen Di­enst für Papst und Kir­che in Zwei­fel zieht“, sag­te er. Er ken­ne nie­man­den, „der ge­gen den Papst ist“.

Ein Spre­cher des aus­tra­li­schen Ku­ri­en­kar­di­nals Ge­or­ge Pell, der den Brief an Fran­zis­kus über­ge­ben ha­ben soll, hat die Exis­tenz ei­nes sol­chen Schrei­bens be­stä­tigt. Im In­ter­net sei­en je­doch Tei­le des In­halts so­wie die Un­ter­zeich­ner­lis­te feh­ler­haft wie­der­ge­ge­ben

Als „Va­ti­leaks“hat­te Va­ti­kan-Pres­se­spre­cher Fe­de­ri­co Lom­bar­di in An­spie­lung auf das In­ter­net-Ent­hül­lung­spor­tal Wi­ki­leaks die Ver­öf­fent­li­chun­gen ver­trau­li­cher Do­ku­men­te aus dem Bü­ro des Paps­tes zum En­de des Pon­ti­fi­kats von Be­ne­dikt XVI. be­zeich­net. Der Skan­dal trug zum ne­ga­ti­ven Bild des Va­ti­kans in den letz­ten Re­gie­rungs­jah­ren des deut­schen Paps­tes bei. Dass der ehe­ma­li­ge Re­gens­bur­ger Bi­schof Mül­ler nun die­se Af­fä­re be­müht, um die ge­gen­wär­ti­ge Si­tua­ti­on im Va­ti­kan zu be­schrei­ben, lässt auf­hor­chen.

In ei­ner ita­lie­ni­schen Über­set­zung des auf Englisch ver­fass­ten Briefs, den der Va­ti­kan-Jour­na­list der Zeit­schrift „L’Es­pres­so“auf sei­nem Blog ver­öf­fent­licht hat, heißt es: „Ei­ne ge­wis­se Zahl von Syn­oden­vä­tern fürch­tet, dass der neue Pro­zess bei wich­ti­gen und strit­ti­gen Fra­gen vor­ge­fass­te Er­geb­nis­se er­leich­tert.“Kri­ti­siert wird ein auf die­ser Syn­ode neu ein­ge­führ­ter Ar­beits­mo­dus, in dem

Ger­hard Lud­wig Mül­ler vor al­lem in klei­nen Sprach­grup­pen ge­ar­bei­tet wird. Un­ter an­de­rem be­män­geln die al­le­samt zum kon­ser­va­tiv-tra­di­tio­na­lis­ti­schen Spek­trum zäh­len­den Kar­di­nä­le, dass der Pro­zess der Er­stel­lung des Schluss­do­ku­ments in­trans­pa­rent sei und fehl­ge­lei­tet wer­den könn­te. Das Do­ku­ment wer­de dem Plenum zu spät vor­ge­legt, die zehn­köp­fi­ge Re­dak­ti­ons­kom­mis­si­on sei par­tei­isch be­setzt.

Aus dem Schrei­ben, das „L’Es­pres­so“zu­fol­ge ne­ben Mül­ler und Pell auch der kon­ser­va­ti­ve Ku­ri­en­kar­di­nal Ro­bert Sa­rah und der süd­afri­ka­ni­sche Kar­di­nal Wil­fried Fox Na­pier un­ter­schrie­ben ha­ben, klingt die Sor­ge um ei­ne von der Syn­ode vor­an­ge­trie­be­ne Tren­nung von Lehr­amt und pas­to­ra­ler Pra­xis. Die­sen Vor­wurf er­he­ben kon­ser­va­ti­ve Prä­la­ten et­wa im Hin­blick auf den Vor­schlag, wie­der­ver­hei­ra­te­te Ge­schie­de­ne trotz des Dog­mas der Un­auf­lös­lich­keit der Ehe in Ein­zel­fäl­len zur Kom­mu­ni­on zu­zu­las­sen.

Fran­zis­kus hat­te vor der Syn­ode of­fen­bar als Ant­wort auf den Brief die Teil­neh­mer ge­warnt, ei­ner „Ver­schwö­rungs-Men­ta­li­tät“an­heim­zu­fal­len. Die ver­gan­ge­ne Syn­ode ha­be das Dog­ma der Un­auf­lös­lich­keit der Ehe nicht zur Dis­kus­si­on ge­stellt. Die Fra­ge der wie­der­ver­hei­ra­te­ten Ge­schie­de­nen sei nicht das ein­zi­ge Pro­blem, stell­te Fran­zis­kus fest.

Über den Fort­gang der Syn­ode gibt es seit Ta­gen Rät­sel­ra­ten. Völ­lig un­klar bleibt, ob der Papst den Ab­schluss­be­richt, der erst am Tag der Ab­stim­mung dem Plenum vor­ge­stellt wird, ver­öf­fent­li­chen lässt und ob er die Emp­feh­lun­gen der Syn­ode in ei­nem ver­bind­li­chen apos­to­li­schen Schrei­ben auf­nimmt oder den Be­ra­tungs­pro­zess of­fen­hält. Der zehn­köp­fi­gen, von Fran­zis­kus be­stimm­ten Re­dak­ti­ons­kom­mis­si­on, die den Be­richt aus Hun­der­ten von Ein­zel­an­trä­gen aus den Sprach­grup­pen zu­sam­men­setzt, ge­hö­ren mehr­heit­lich pro­gres­si­ve Bi­schö­fe an.

„Ich sa­ge nicht, ob ich un­ter­schrie­ben

ha­be oder nicht“

Prä­fekt der Glau­bens­kon­gre­ga­ti­on

FO­TO: AP

Teils hef­ti­ger Re­gen be­glei­tet die Fa­mi­li­en­syn­ode im Va­ti­kan. Hier ver­las­sen Bi­schö­fe in der Mit­tags­pau­se das Ta­gungs­ge­bäu­de.

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