Das Fens­ter zur Hei­mat in der Buch­hand­lung

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON MAT­THI­AS GRASS

Bü­cher über die Hei­mat, Bü­cher von der Hei­mat, Kri­mis, die in der Hei­mat spie­len. Oft sind es alt­ein­ge­ses­se­ne Buch­hand­lun­gen wie „Hint­zen“, die das nö­ti­ge Stück li­te­ra­ri­sche Hei­mat bie­ten.

KLE­VE Zur Hei­mat ge­hört die Buch­hand­lung um die Ecke – und das nicht nur in Kri­mis und Fil­men. Es ist der Platz in der Stadt, der ent­schleu­nigt, in dem die Zeit an­ge­nehm lang­sa­mer tickt. Und wenn es ei­ne hei­mi­sche Buch­hand­lung ist, kommt man nicht nur mit dem neu­en Best­sel­ler von Jo­na­than Fran­zen her­aus, son­dern hat auch „Jun­ge Stie­re“un­term Arm.

„Oh­ne die­se Bin­dung an die Men­schen hier, an den Nie­der­rhein, könn­te ei­ne Buch­hand­lung in die­ser Grö­ße nicht über­le­ben. Wir ha­ben nicht nur die Hei­mat­li­te­ra­tur, die Nie­der­rhein-Bü­cher, wir sind hier ver­wur­zelt“, sagt Mat­thi­as Hint­zen. Er führt die tra­di­ti­ons­rei­che Buch­hand­lung Hint­zen an der Hag­schen Stra­ße fort, die seit 90 Jah­ren Hei­mat für Bü­cher­freun­de ist und die­ses Jahr Ge­burts­tag fei­ert.

Hint­zen lebt von den Stamm­kun­den, die auch noch in der drit­ten Ge­ne­ra­ti­on kom­men. Denn die Lauf­kund­schaft ist eher dünn, seit­dem die Post in der Stadt zu­ge­macht hat. Man geht ge­zielt zu Hint­zen. Um ein Buch zu kau­fen – aber auch, um viel­leicht ei­nen Gleich­ge­sinn­ten zu tref­fen, das Ge­spräch zu fin­den. Ein Stück Hei­mat zu er­hei­schen zwi­schen be­kann­ten Ge­sich­tern.

Hint­zen hat schnell auf die Hei­mat­the­men im Fern­se­hen, bei der IHK (Hei­mat­shop­pen) und vor al­lem bei der Rhei­ni­schen Post re­agiert: Da­zu hat die Buch­hand­lung ein kom­plet­tes Hei­mat­fens­ter ge­stal­tet, das von der hei­mi­schen Li­te­ra­tur bis hin zum hei­mi­schen Koch­buch die gan­ze Band­brei­te prä­sen­tiert. Und al­te Kle­ver (Buch-)Schätz­chen zeigt. „Es fehlt aber auch nicht die Aus­ein­an­der­set­zung mit der Be­griff­lich­keit Hei­mat“, sagt Si­grun Hint­zen. Die Buch­hand­lung be­her­bergt den RP-Ser­vice­punkt für Abon­ne­ment-Fra­gen und die pri­va­te An­zei­gen-Auf­ga­be der Rhei­ni­schen Post und prä­sen­tiert so na­tür- lich auch die Aus­ga­ben der Zei­tung mit den ein­zel­nen Hei­mat-Fol­gen.

Fir­men­grün­der Hu­bert Hint­zen gab 1942 ein Bänd­chen mit Lied­gut von Hei­ma­t­au­tor Wil­ly Rich­rath her­aus. Ein Stück Hei­mat für die Kle­ver an der Front. Hint­zens Va­ter ver­stand die Hei­mat Kle­ve grenz­über­schrei­tend. Ab 1949 fuhr er mit ei­nem Kof­fer­raum vol­ler Bü­cher über den Zoll nach Nim­we­gen und lie­fer­te an Freun­de der deut­schen Li­te­ra­tur. Und vor al­lem an die Uni­ver­si­tät Nim­we­gen. Die dor­ti­gen Ger­ma­nis­tik-Stu­den­ten deck­ten sich in Kle­ve ein – und kom­men noch heu­te in die klei­ne Buch­hand­lung ge­gen­über der Spar­kas­se. Kle­ve hat­te al­so schon vor der Hoch­an­sied­lung 2009 qua­si ei­ne „Uni-Buch­hand­lung“. Seit dem Um­bau durch Prof. Han­nes Hermanns mit zwei höl­zer­nen Ein­gangs­tü­ren mit ei­nem ganz cha­rak­te­ris­ti­schen Ge­sicht.

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