Men­schen mit Han­di­cap in APX-Werft

Rheinische Post Goch - - KREIS KLEVE – REGIONAL - VON PE­TER KUM­MER

Beim Nach­bau der rö­mi­schen Schif­fe in Xan­ten spielt die In­te­gra­ti­on von jun­gen Men­schen mit un­ter­schied­li­chen Be­hin­de­run­gen ei­ne zen­tra­le Rol­le. Am En­de steht das Ziel, die jun­gen Men­schen be­trieb­lich aus­zu­bil­den.

NIE­DER­RHEIN Der Ar­chäo­lo­gi­sche Park Xan­ten (APX) baut wei­ter an sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Stel­lung in der Mu­se­ums­welt. Nach­dem hier be­reits im ver­gan­ge­nen Jahr der Las­ten­kahn Ne­hal­en­nia nach rö­mi­schen Vor­ga­ben ge­baut und auf der Lip­pe er­folg­reich zu Was­ser ge­las­sen wur­de, ste­hen nun im öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Zelt ne­ben dem Rö­mer­mu­se­um zwei wei­te­re Mo­dell-

Prof. Dr. An­ge­la Fa­ber bau­ten kurz vor dem Ab­schluss: Phi­le­mon und Bau­cis. Spä­ter sol­len wei­te­re Boo­te, die vor 2000 Jah­ren den Rhein be­fuh­ren, die Flot­te er­gän­zen, so dass am En­de ein gro­ßer Aus­stel­lungs­be­reich über Trans­por­te und Ver­kehr auf dem Rhein mit sechs ver­schie­de­nen Ty­pen ent­stan­den sein wird. Es sei ein Pro­jekt mit Si­gnal­wir­kung und ein in Eu­ro­pa ein­ma­li­ges Vor­ha­ben, be­ton­te ges­tern Mi­le­na Ka­ra­baic, die Kul­tur­de­zer­nen­tin des Land­schafts­ver­bands Rhein­land, Trä­ger des APX.

Ei­ne wei­te­re Be­son­der­heit beim Bau der Boo­te ist die In­te­gra­ti­on von jun­gen Men­schen mit un­ter­schied­li­chen Be­hin­de­run­gen. In ei­nem Lang­zeit­prak­ti­kum ler­nen sie vor­der­grün­dig die Grund­la­gen der Holz­ver­ar­bei­tung ken­nen. Aber es geht um mehr: „Im Kampf um die oh­ne­hin knap­pen Aus­bil­dungs­plät­ze ha­ben die Ju­gend­li­chen ein zu­sätz­li­ches Han­di­cap und müs­sen mit­un­ter auch ge­gen Vor­ur­tei­le an­kämp­fen“, sag­te Prof. Dr. An­ge­la Fa­ber, die De­zer­nen­tin für Schu­len und In­te­gra­ti­on beim Land­schafts­ver­band Rhein­land. „Mit die­sem Pro­jekt er­öff­nen wir jun­gen Men­schen mit Be­hin­de­rung ei­ne Chan­ce auf ih­ren Traum­job.“Am En­de ste­he das Ziel, die jun­gen Men­schen be­trieb­lich aus­zu­bil­den.

Die Na­men der bei­den der­zeit auf Kiel ge­leg­ten Boo­te, Phi­le­mon und Bau­cis, ge­hen zu­rück auf die an­ti­ke Sa­ge um die­ses Ehe­paar. Als ein­zi­ge Men­schen in der Stadt ge­währ­te es dem ver­klei­de­ten Göt­ter­va­ter Zeus be­zie­hungs­wei­se Ju­pi­ter Gast­freund­schaft in ih­rem be­schei­de­nen Heim. Zum Dank da­für ging un­ter an­de­rem der Wunsch in Er­fül­lung, sich nie tren­nen zu müs­sen, son­dern ge­mein­sam ster­ben zu kön­nen. Am En­de ih­res Le­bens ver­wan­del­ten sich bei­de in zwei Bäu­me, de­ren Äs­te sich eng um­schlun­gen hiel­ten.

Die Ein­bäu­me wer­den un­ter wis­sen­schaft­li­cher An­lei­tung fast aus­schließ­lich in Hand­ar­beit ge­fer­tigt. Mit der Re­kon­struk­ti­on wol­len die Wis­sen­schaft­ler die aus­ge­klü­gel­te Bau­tech­nik der Rö­mer für die Ver­sor­gung des Nie­der­rheins ent­schlüs­seln und auch für die Öf­fent­lich­keit greif­bar ma­chen. Wäh­rend einst Men­schen den zehn Me­ter lan­gen Ein­baum Phi­le­mon auf dem Rhein lenk­ten, zo­gen sie den we­sent­lich klei­ne­ren Kahn Bau­cis hin­ter sich her und füll­ten ihn mit dem gera­de frisch ge­fan­ge­nen Fisch.

„Das Pro­jekt er­öff­net Men­schen mit Be­hin­de­rung ei­ne Chan­ce auf

ih­ren Traum­job“

RP-FO­TO: ARFI

In der rö­mi­schen Werft ne­ben dem Rö­mer­mu­se­um: Mi­le­na Ka­ra­baic, Prak­ti­kant Ste­fan Ach­ter­berg (rechts), der Mo­dell­bau­er im Team und Kees Sars.

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