Lasst das mal den Ti­ger ma­chen!

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON GI­AN­NI COS­TA UND PATRICK SCHE­RER

Ste­fan Ef­fen­berg ist neu­er Trai­ner bei Fuß­ball-Zweit­li­gist SC Pa­der­born. Sein Le­bens­lauf ist ge­spickt mit gro­ßen Er­fol­gen – aber auch mit et­li­chen Skan­da­len. Nun darf er in Ost­west­fa­len be­wei­sen, dass er mehr kann, als Phra­sen zu dre­schen.

PA­DER­BORN/DÜSSELDORF Ste­fan Ef­fen­berg ist jetzt 47 Jah­re alt. 2004 hat er beim al-Ara­bi Sports Club in Ka­tar sei­ne Kar­rie­re als ak­ti­ver Fuß­bal­ler be­en­det. In der Zwi­schen­zeit hat er sich ein paar Mal schlag­zei­len­träch­tig von sei­ner zwei­ten Frau Clau­dia ge­trennt und mit eben­so gro­ßen Bil­dern in der Bou­le­vard­pres­se auch wie­der ver­söhnt. Zu­letzt bril­lier­te er wie­der als Vor­la­gen­ge­ber für ein Skan­däl­chen: En­de Sep­tem­ber wur­de „Ef­fe“bei ei­ner Au­to­fahrt nach dem Be­such des Münch­ner Ok­to­ber­fests mit 1,4 Pro­mil­le Al­ko­hol im Blut von der Po­li­zei an­ge­hal­ten – und muss­te noch vor Ort sei­nen Füh­rer­schein ab­ge­ben. Auch das konn­te man sehr groß über ihn le­sen. Er war im En­ter­tain­ment an­ge­kom­men – ir­gend­wo zwi­schen „Schlag den Star“und Plau­der­run­de bei „Sky“.

Ef­fen­berg ist aber mehr. Er gilt in der Sze­ne durch­aus als aus­ge­wie­se-

Ste­fan Ef­fen­berg ner Fuß­ball­fach­mann. Ob er das auch in der täg­li­chen Ar­beit mit ei­ner Pro­fi­mann­schaft um­set­zen kann, wird man bei sei­nem En­ga­ge­ment beim SC Pa­der­born se­hen. Der Bun­des­li­ga-Ab­stei­ger, der nach zehn Spie­len in der Zwei­ten Li­ga auf Platz 15 steht, be­stä­tig­te Ef­fen­bergs Ver­pflich­tung. Nach in­ten­si­ven Ge­sprä­chen in der Prä­si­den­ten­vil­la von Wil­fried Fin­ke auf Mallor­ca un­ter­schrieb er ei­nen Ver­trag bis 2017. „Die Che­mie passt. Ef­fen­berg ist ein erst­klas­si­ger Fuß­ball-Ex­per­te und heiß auf sei­ne Auf­ga­be beim SCP. Er wird un­se­rer Mann­schaft neu­es Selbst­be­wusst­sein ein­hau­chen und die Fans be­geis­tern“, sag­te Fin­ke.

Heu­te soll Ef­fen­berg sein ers­tes Trai­ning lei­ten, am Frei­tag sitzt er in der Pa­der­bor­ner Are­na ge­gen Ein­tracht Braun­schweig erst­mals auf der Bank. „Seit ei­ni­ger Zeit den­ke ich ernst­haft dar­über nach, als Chef­trai­ner zu ar­bei­ten. Für den Ein­stieg in die­ses Me­tier ist Pa­der­born ei­ne Top­Adres­se, was auch die ein­drucks­vol­len Kar­rie­ren mei­ner Vor­gän­ger zei­gen“, sag­te Ef­fen­berg. In der Tat: Der ost­west­fä­li­sche Sport­ver­ein war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im­mer wie­der Ar­beits­platz von in­ter­es­san­ten Trai­ner­ty­pen, die dort ih­re ers­ten Er­fah­run­gen im Pro­fi-Ge­schäft sam­mel­ten: Ro­ger Schmidt (Bay­er Le­ver­ku­sen), André Schu­bert (In­te­rims­trai­ner von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach) und zu­letzt André Brei­ten­rei­ter (FC Schal­ke 04) ha­ben dort ge­wirkt.

Die Trai­ner­li­zenz be­sitzt Ef­fen­berg be­reits seit 2012. Er wur­de im­mer mal wie­der als Kan­di­dat hier und dort ge­han­delt. Bei Han­no­ver 96, dem VfL Bochum, dem Ham­bur­ger SV, Schal­ke 04 und Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach – mal mehr, mal we­ni­ger ernst­haft. Er ist es viel­leicht auch nicht ge­wor­den, weil von ihm das Proll-Image in der Öf­fent­lich­keit do­mi­niert. Als Kern­kom­pe­ten­zen wer­den Effen- berg oft Frau­en und Pö­be­lei­en zu­ge­schrie­ben. Dass er in die­sen Be­rei­chen tat­säch­lich Stär­ken hat, ist si­cher nicht ganz von der Hand zu wei­sen, was ein paar Aus­zü­ge aus sei­ner Vi­ta zei­gen. Ef­fen­berg, der mit 114 den Re­kord für Gel­be Kar­ten in der Bun­des­li­ga hält, wan­dert seit je­her auf schma­lem Grat bei der Ein­hal­tung von Ge­set­zen. 1997 muss­te er sich straf­recht­lich ge­gen den Vor­wurf der ge­fähr­li­chen Kör­per­ver­let­zung weh­ren. Er soll ei­nen Mann, der in Ef­fen­bergs Haus­ein­fahrt sei­ne Not­durft ver­rich­tet hat­te, ge­tre­ten ha­ben. Das Ver­fah­ren wur­de ein­ge­stellt, als sich die Vor­wür­fe nicht er­här­ten lie­ßen. We­ni­ger er­freu­lich ging für den ehe­ma­li­gen Na­tio­nal­spie­ler 2003 ei­ne An­zei­ge we­gen Be­lei­di­gung aus. Er soll da­mals auf der A 2 bei Pei­ne wäh­rend ei­ner Ver­kehrs­kon­trol­le ei­nen Po­li­zis­ten als „Ar­sch­loch“be­schimpft ha­ben. Ef­fen­berg er­klär­te, er ha­be „ei­nen schö­nen Abend noch“ge­sagt, muss­te den­noch 10.000 Eu­ro in die Staats­kas­se zah­len.

Auch im Fuß­ball­ge­schäft hiel­ten sich sei­ne Er­fol­ge nach der ak­ti­ven Kar­rie­re in Gren­zen: 2011 ver­such­te sich Ef­fen­berg mit sei­ner „Initia­ti­ve Bo­rus­sia“in Mön­chen­glad­bach an ei­nem Sat­zungs­än­de­rungs­an­trag, der erst die Struk­tu­ren des Klubs ver­än­dern und ne­ben­bei das ge­sam­te Füh­rungs­per­so­nal stür­zen soll­te. Der An­trag der Op­po­si­ti­on, die Ef­fen­berg zum Vor­stand der Ge­schäfts­füh­rung und Sport­di­rek­tor ma­chen woll­te, wur­de von 93 Pro­zent der über 5000 an­we­sen­den Mit­glie­der ab­ge­lehnt. Mit Buh- und „Ihr könnt nach Hau­se fah­ren“-Ru­fen wur­de er vom Hof ge­jagt.

Bei­de Sei­ten, Pa­der­born und Ef­fen­berg, ge­hen so­mit ein Ri­si­ko ein. Ef­fen­berg hat nur ei­nen Ver­such, im se­riö­sen Fach an­zu­kom­men. Ge­lingt ihm das nicht, droht ihm ein Le­bens­lauf wie der von Lothar Mat­thä­us. Stürzt Pa­der­born mit Ef­fen­berg wei­ter ab, droht der Ver­ein zur Lach­num­mer der Bran­che zu wer­den. Es ehrt Ef­fen­berg aber, dass er als hoch­de­ko­rier­ter ExFuß­bal­ler be­reit ist, in der Pro­vinz an­zu­tre­ten – und dort sei­ne Trai­ner­phi­lo­so­phie auf den Prüf­stand zu stel­len.

Und es ist ja nicht so, als hät­te Ef­fen­berg kei­ne Ah­nung da­von, was es braucht, um Er­fol­ge zu fei­ern. Mit Mön­chen­glad­bach hol­te er 1995 den DFB-Po­kal. Und den FC Bay­ern führ­te er als Ka­pi­tän und an­er­kann­ter Füh­rungs­spie­ler 2001 zum Cham­pi­ons Le­ague-Ti­tel und zum Sieg im Welt­po­kal. „Ne­ben­bei“wur­de er mit den Münch­nern drei Mal in Fol­ge Meis­ter (1999-2001) und im Jahr 2000 Po­kal­sie­ger.

Jetzt muss Ef­fen­berg die­se Men­ta­li­tät ver­mit­teln und zei­gen, dass er mehr als ein Phra­sendre­scher auf zwei Bei­nen ist, der bei „Sky“oft­mals den Bes­ser­wis­ser mimt. Die Chan­ce, die­sen Be­weis ge­gen al­le Skep­sis an­zu­tre­ten, hat er aber in je­dem Fall ver­dient. Lasst das mal den Ti­ger ma

chen! Bei der Welt­meis­ter­schaft 1994 zeigt Ef­fen­berg deut­schen Fans, die ihn im Spiel ge­gen Süd­ko­rea be­lei­digt hat­ten, den „Stin­ke­fin­ger“. Das vor­läu­fi­ge En­de sei­ner Na­tio­nal­mann­schafts­kar­rie­re. Nach dem WM-Vier­tel­fi­nal-Aus 1998 in Frank­reich holt Trai­ner Ber­ti Vogts den Mit­tel­feld­spie­ler doch noch mal zu­rück. Es fol­gen aber nur zwei Auf­trit­te für die Na­tio­nal­elf. 1994 kehrt Ef­fe zur Bo­rus­sia zu­rück. Zur Vor­stel­lung kommt er mit dem Fahr­rad. Ef­fen­berg hat­te vor­her be­tont, er wür­de so­gar mit dem Draht­esel vom AC Flo­renz zu­rück nach Mön­chen­glad­bach kom­men. Mit der Bo­rus­sia ge­winnt er 1995 den DFB-Po­kal in Berlin. 1998 wech­selt er zum zwei­ten Mal zum Re­kord­meis­ter FC Bay­ern München. Mit den Münch­nern ge­winnt Ef­fen­berg 2001 die Cham­pi­ons Le­ague und fei­ert an­schlie­ßend mit sei­nen Kol­le­gen Tors­ten Fink (li.), Ha­san Sa­lih­a­mid­zic so­wie Weiß­bier und Zi­ga­ret­te. 2002 gibt Ef­fe dem „Play­boy“ein In­ter­view, in dem er ei­ni­gen Ar­beits­lo­sen Lust­lo­sig­keit und Schma­rot­zer­tum vor­wirft. Die Ge­werk­schaft Ver­di wirft ihm Be­lei­di­gung von Ar­beits­lo­sen vor. Seit 2004 ist Ef­fe zum zwei­ten Mal ver­hei­ra­tet – mit Clau­dia Ef­fen­berg, der frü­he­ren Frau von Mit­spie­ler Tho­mas Strunz. 2015 wird Ef­fe nach ei­nem Ok­to­ber­fest­be­such mit 1,4 Pro­mil­le Al­ko­hol im Blut am Steu­er sei­nes Au­tos von der Po­li­zei an­ge­hal­ten und muss sei­nen Füh­rer­schein ab­ge­ben.

„Für den Ein­stieg in die­ses Me­tier ist Pa­der­born ei­ne Top-Adres­se“

FO­TOS: IMAGO (3), DPA, GET­TY

Ste­fan Ef­fen­berg ließ sich auf­grund sei­nes Spitz­na­mens Mit­te der 90erJah­re ein Ti­gerKon­ter­fei in die Haa­re fär­ben.

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