So ge­lingt das ers­te Re­fe­rat

Rheinische Post Goch - - HOCHSCHULE -

Vie­le Erst­se­mes­ter müs­sen in den kom­men­den Wo­chen und Mo­na­ten erst­mals vor Pro­fes­sor und Kom­mi­li­to­nen spre­chen. Da­bei war­ten di­ver­se Stol­per­fal­len. Mit ein­fa­chen Tricks las­sen sie sich al­ler­dings leicht um­ge­hen.

DÜSSELDORF (dpa) Vie­le Stu­di­en­an­fän­ger müs­sen bald ih­re ers­ten Re­fe­ra­te hal­ten. Man­chen Erst­se­mes­tern graut es schon bei der Vor­stel­lung, vor Pro­fes­sor und Kom­mi­li­to­nen zu re­den. „Das Lam­pen­fie­ber lässt mit zu­neh­men­der Übung nach“, so be­ru­higt Bil­dungs­for­scher Chris­tof We­cker. Er ar­bei­tet am Lehr­stuhl für Em­pi­ri­sche Päd­ago­gik und Päd­ago­gi­sche Psy­cho­lo­gie der Lud­wig-Ma­xi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät München. We­cker hat nicht nur vie­le Se­mi­na­re selbst ge­lei­tet, son­dern auch be­reits im Be­reich Po­wer­po­int-Prä­sen­ta­tio­nen ge­forscht. Ent­spre­chend kennt er ty­pi­sche Feh­ler, die Stu­den­ten bei ih­ren ers­ten Vor­trä­gen ma­chen. Und weiß, wie man sie ver­mei­det. Prä­sen­ta­ti­on und Vor­trag nicht de­ckungs­gleich gestal­ten Po­wer­poin­tPrä­sen­ta­tio­nen sind heut­zu­ta­ge Stan­dard bei den meis­ten Re­fe­ra­ten. Oft brin­gen Stu­den­ten al­le In­hal­te, die sie vor dem Plenum er­zäh­len wol­len, eins zu eins auf die Fo­li­en. „Das ist un­ge­schickt“, sagt We­cker. Denn so ent­steht kei­ne Span­nung. „Die Zu­hö­rer kön­nen sich je­der­zeit aus dem münd­li­chen Vor­trag aus­klin­ken, da sie das Ge­hör­te auch auf den Fo­li­en mit­le­sen kön­nen.“Der Tipp: Zu­nächst plant man sein Re­fe­rat – da­nach, was man er­zäh­len will, emp­fiehlt We­cker. „Steht das Ge­rüst, wählt man aus, wel­che In­hal­te auf die Fo­li­en kom­men und an wel­chen Stel­len der Vor­trag durch Bil­der und an­de­re Il­lus­tra­tio­nen auf­ge­wer­tet wird.“ Vor­trag nicht her­un­ter­lei­ern und nicht die Dis­kus­si­on ver­ges­sen Der Stoff ist per­fekt auf­be­rei­tet, der Vor­trag läuft flüs­sig. Der Do­zent ist trotz­dem nicht zu­frie­den, weil die In­ter­ak­ti­vi­tät ge­fehlt hat. Der Tipp: In den Re­fe­rats­quel­len nach Dis­kus­si­ons­punk­ten su­chen, an de­nen man nach dem Vor­trag ein Grup­pen­ge­spräch auf­hän­gen kann, rät We­cker. „Man soll­te mit Re­fe­ra­ten Dis­kus­sio­nen an­zet­teln und nicht ein­fach nur In­for­ma­tio­nen wie­der­ge­ben“, sagt der Wis­sen­schaft­ler. Re­fe­ra­te nicht in Über­län­ge ab­lie­fern Be­reits mehr­fach hat der Do­zent de­mons­tra­tiv auf die Uhr ge­schaut. Die Vor­trags­zeit von 30 Mi­nu­ten ist lan­ge ab­ge­lau­fen, doch erst knapp die Hälf­te der In­hal­te ist vor­ge­tra­gen. Der Tipp: vor­her min­des­tens ein­mal den Vor­trag durch- spre­chen. „So lässt sich die Län­ge ab­schät­zen“, sagt We­cker. „Au­ßer­dem soll­te man sich schon bei der Vor­be­rei­tung über­le­gen, wel­che In­hal­te man ge­ge­be­nen­falls weg­las­sen kann, falls der Vor­trag trotz­dem län­ger wird als ge­plant.“Wer sein Re­fe­rat ein­mal durch­ge­gan­gen ist, trägt zu­dem si­che­rer vor und ver­has­pelt sich sel­te­ner. Der Tech­nik nicht zu 100 Pro­zent ver­trau­en Der Ver­bin­dungs­ste­cker zum Bea­mer ist nicht auf­find­bar. Der PC will nicht hoch­fah­ren. Die Prä­sen­ta­ti­on lässt sich nicht öff­nen, weil der Kom­mi­li­to­ne, mit dem man re­fe­riert, das fal­sche Da­tei­for­mat ge­schickt hat. Wo ist der Plan B, wenn man ihn braucht? Der Tipp: Zu­nächst ist es zum Glück recht sel­ten, dass die Tech­nik streikt. Für den Fall der Fäl­le bleibt ei­gent­lich nur, zu­min­dest selbst ein Do­ku­ment mit dem zu ha­ben, was man sa­gen woll­te, rät We­cker. Das kön­nen ein Aus­druck der Fo­li­en, No­ti­zen und ein Stich­wort­zet­tel sein. Nicht zu viel Stoff ver­mit­teln wol­len Die Lehr­bü­cher zum The­ma ent­hal­ten Mas­sen an In­for­ma­tio­nen, und al­les scheint wich­tig zu sein. Am En­de könn­te sich der Stu­dent in De­tails ver­lie­ren. Der Tipp: sich lie­ber früh­zei­tig in das The­ma ein­ar­bei­ten und den Stoff dann sa­cken las­sen. „Aspek­te, die man nach vier bis fünf Ta­gen ver­ges­sen hat, sind auch idea­le Streich­kan­di­da­ten für den Vor­trag“, er­klärt We­cker. Da gilt es, Mut zur Se­lek­ti­on zu ha­ben.

FO­TO: DPA

Erst muss das Ge­rüst des Re­fe­rats ste­hen; dann plant man, was man durch Fo­li­en ver­mit­teln will.

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